Oracle will Community-Seiten abschalten

Java.net und Kenai.com werden eingestellt

Hartmut Schlosser

https://kenai.com/

Die Webseiten Java.net und Kenai.com dienten Java-Entwicklern viele Jahre lang als Community- und Hosting-Sites für Projekte. Nun steht das Ende dieser Webseiten bevor: Oracle hat angekündigt, Java.net und Kenai.com bis zum 28. April 2017 einzustellen. Die Community diskutiert kontrovers, was dieser Schritt zu bedeuten hat.

Projekt Kenai wurde bereits 2008 von Sun Microsystems aus der Taufe gehoben, um den damaligen Platzhirschen Google Code und Sourceforge eine eigene kollaborative Hosting-Plattform für Open-Source-Projekte an die Seite zu stellen. Nach der Übernahme Sun Microsystems durch Oracle im Jahr 2009 wurde die Kenai-Infrastruktur zunächst auf die Community-Seite Java.net migriert. Nun sollen beide Seiten abgeschaltet werden, wie Oracle in einer knappen Mitteilung bekannt gegeben hat.

Das Aus der Seiten stand bereits seit September 2015 fest, als die folgende Mitteilung auf Kenai.com zu lesen war: „As of 9/25/15 Kenai.com site will be closing in 18-24 months.“ Oracle hat nun also lediglich das Datum präzisiert: Bis zum 28. April 2017 können Projekt-Owner noch ihre Projekt-Assets einfordern, bevor die Seiten unzugänglich gemacht werden. Über ein Web-Formular kann ein automatischer Prozess zur Migration eingeleitet werden.

The Java.net and Kenai.com forges will be going dark on April 28, 2017. Project owners can request a copy of project assets and a redirect to a new website by filling out the request form below. Please read the instructions below carefully before making your request. The process is automated and limited to only one request for project assets and/or redirect.

Verpasst Chance?

Kontrovers wird dieser Schritt in der Community diskutiert: So äußert sich der als Gründer der Java User Group Philadelphia bekannte Dave Fecak enttäuscht über die Art und Weise der Beendigung der Webdienste. Vor allem das Fehlen einer Erklärung für diesen Schritt wird bemängelt. Eine Webseite wie java.net, die bereits seit 2000 von vielen Java-Community-Mitgliedern genutzt wird, habe eine bessere Zukunft verdient. Das kommentarlose Schließen der Seite deutet Fecak gar als mangelnden Respekt Oracles der Community gegenüber und als Zeichen Oracles schwindendem Interesse an Java.

It just feels like another swipe from Oracle that they may not be all that interested in Java’s future.

Diesem Punkt widerspricht nun Oracles Java-Plattform-Chefentwickler Mark Reinhold direkt auf Twitter. Das OpenJDK, in dessen Rahmen seit Java 7 ja die aktuelle Java-Entwicklung stattfindet, sei von diesem Schritt in keiner Weise betroffen:

Und in der Tat darf angezweifelt werden, ob die Beendigung von kenai.com und java.net auf nennenswerten Community-Widerstand stoßen wird. Angesichts des Siegeszuges von GitHub hat bekanntlich das bereits oben genannte Google Code die Segel gestrichen. Wichtige Java-Projekte sind längst von Kenai auf andere Dienste migriert worden. War es da nicht konsequent, einen Schlussstrich unter Kenai zu ziehen?

David Scharpe bringt diesen Gedanken in einen Kommentar zum Ausdruck:

I compare it to the shutdown of Google Code. While I would have appreciated a similar explanation, I’m neither surprised or displeased. I think most developers, including „Java Champions“, have migrated to Github and the like years ago. I think Oracle would be wasting time to invest in Kenai.

Bruno Borges stößt in dasselbe Rohr und fragt, warum Oracle einen GitHub-Clone aufrecht erhalten sollte, für den es letztlich keinen Business Value – ergo wenig Ressourcen – gibt.

Instead of asking why shutting down Java.net, you should ask why it should be maintained when there are other solutions out there much better, and with better incentives to keep improving.

Fecak hält dagegen, dass kenai.com und java.net ursprünglich darauf ausgelegt waren, ein gewisses Community-Gefühl in Abgrenzung zu anderen Sprachgemeinschaften zu stärken. Insofern sei die stiefmütterliche Behandlung der Seiten eine (weitere) verpasste Chance Oracles, sich als Community-naher Java-Hüter verdient zu machen.

Google Code wasn’t really catering to a specific language audience and trying to foster some sense of community within a defined subset of developers. These sites were a golden opporutnity for Oracle to try and build some community instead of essentially ignoring it, which was my experience as a JUG leader in the years after the acquisition.

Wie dem auch sei – Java.net und Kenai.com werden wohl bald der Vergangenheit angehören. Java-Veteranen mögen den Seiten die eine oder andere Krokodilsträne nachweinen. Alle anderen werden sich dann aber problemlos dort umschauen, wo heute die Musik spielt.

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Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Content-Stratege, IT-Redakteur, Storyteller – als Online-Teamlead bei S&S Media ist Hartmut Schlosser immer auf der Suche nach der Geschichte hinter der News. SEO und KPIs isst er zum Frühstück. Satt machen ihn kreative Aktionen, die den Leser bewegen. @hschlosser
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