Java Magazin 5.14 erschienen: Reactive Programming

Sebastian Meyen

Obwohl wir alle der Überzeugung sind, dass wir in einem Zeitalter äußerst rasanter technologischer Entwicklung leben, müssen wir anerkennen, dass wir Geschäftssysteme nunmehr seit dreißig Jahren in nahezu unveränderter Art und Weise bauen. Gewiss, die Namen der beteiligten Technologien haben sich über die Jahre verändert, Werkzeuge, Architekturmuster, Vorgehensweisen und all das sind über die Jahre verfeinert worden. All das ändert aber nichts an der Tatsache, dass trotz Internet- und Mobilhype unsere Backends noch immer auf Bewährtes setzen.

Tatsächlich befinden wir uns im Jahr 25 nach der Erfindung des World Wide Webs an einem Wendepunkt. Diesen Wendepunkt haben wir im Java Magazin und hier auf JAXenter immer wieder beleuchtet. Ich will dennoch auf einige wichtige Eckpunkte eingehen:

  1. Die Digitalisierung nahezu sämtlicher Geschäftsabläufe in den Industrienationen schreitet unaufhörlich voran, sodass sie auch in solchen Bereichen zur Wirkung kommt, die bislang vom Internet „verschont“ geblieben sind. Zugleich demonstrieren die großen Internetunternehmen – allen voran Google, Amazon und Facebook – neue Dimensionen dessen, was Technologie zu leisten vermag. In ihrer radikalen Internetorientierung haben die drei eine völlig neue Art, IT-Systeme zu bauen und zu betreiben, entwickelt. Mittelfristig werden viele „normale“ Unternehmen mit diesen Internetgiganten in irgendeiner Form im Wettbewerb stehen, und sie werden an diesen gemessen werden, was ihre Servicequalität betrifft. Es stellt sich die Frage, ob herkömmliche kleine, mittlere und große Unternehmen mit ihrer herkömmlichen IT weiterhin werden bestehen können.
  2. Die Anzahl der Internetnutzer steigt gerade sprunghaft an, nicht nur weil immer mehr Teile der Weltbevölkerung zu Mitgliedern der Internetcommunity werden, und nicht nur weil immer mehr (mobile) Endgeräte pro Nutzer im Einsatz sind. Durch das Internet der Dinge, das gerade jetzt in vielen Szenarien gebaut wird, werden Millionen und Milliarden neuer „Nutzer“ das Netz der Netze bevölkern – Maschinen, Sensoren, eingebettete Systeme. Diese aktuellen Wandlungen müssen in ihrer Wirkungsweise und Bedeutung als mindestens ebenso tiefgreifend verstanden werden wie z. B. die Wandlung, die durch das Aufkommen des Internets in den 1990ern ausgelöst wurde. Damals genügte es, die bestehenden Metaphern an die neuen technologischen Gegebenheiten anzupassen. Und heute?

Der Vielfalt an modernen Anforderungen wird wohl kaum mit einem einheitlichen Konzept begegnet werden können. Aber es gibt eine Fülle an Innovationen, Ansätzen und Praxiserfahrungen, die alle gemeinsam in die Richtung einer „neuen IT“ verweisen. Einen interessanten Vorschlag hat z. B. Jonas Bonér mit dem „Reactive Manifesto“ vorgelegt, das Arno Haase in der neuen Ausgabe des Java Magazins unter die Lupe nimmt:

Java Magazin 5.14

 

Das Reactive Manifesto stellt einen interessanten Versuch dar, die wesentlichen Prinzipien einer veränderten, nicht mehr primär transaktional orientierten IT zu beschreiben. Parallel sprachen wir mit Jonas Bonér über diese Prinzipien, die er selbst folgendermaßen umschreibt:

Das Reactive Manifesto ist ein konzeptionelles Framework, um qualitativ hochwertige Software für die anspruchsvollsten aktuellen Herausforderungen zu erstellen; namentlich Mobile, Cloud, Multicore sowie sehr ungeduldige User, die nach Echtzeit-, interaktiver und massiver nebenläufiger Nutzung verlangen.

Das Manifesto enthält etliche wichtige und interessante Impulse und hilft, das traditionelle „Browser-Applikationsserver- Datenbankschema“ in unseren Köpfen zu relativieren. Ob es die Antwort auf alle Fragen zur Zukunft der IT enthält? Gewiss nicht.

Alle Informationen zum Java Magazin 5.14 finden Sie unter www.javamagazin.de.

 

Geschrieben von
Sebastian Meyen
Sebastian Meyen
Sebastian Meyen ist Chefredakteur des Java Magazins sowie des Eclipse Magazins. Außerdem trägt er die Verantwortung für Programm und Konzept sämtlicher JAX-Konferenzen weltweit. Er begleitet so die Java-Community journalistisch schon fast seit ihren Anfängen. Bevor er zur Software & Support Media GmbH kam, studierte er Philosophie in Frankfurt.
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