API

Java Magazin 4.2017 erschienen: Titelthema „Auf diese APIs können Sie bauen“

Sebastian Meyen

Das Thema API ist momentan in aller Munde. Viele sprechen gar von der neuen API Economy. Grund genug für das Java Magazin einen Blick darauf zu werfen und zu fragen: Ist es nur alter Wein in neuen Schläuchen?

Kühner Gedanke: Wir könnten Anwendungsteile großer Softwaresysteme voneinander entkoppeln und das Internet für den Datentransfer nutzen. Damit bei der losen Koppelung von Services kein Chaos entsteht, sollten wir das Ganze richtig verwalten: Services müssen sich zentral registrieren und eine zentrale Instanz steuert Routing, Berechtigungen, Datenkonvertierung usw. Nennen wir diese Instanz den Enterprise Service Bus (ESB) und die Registrierungsstelle UDDI (Universal Description, Discovery, Integration). Für Protokolle und Servicebeschreibung wählen wir ein sehr mitteilsames Format, weil Komplexität ja besonders ausschweifende Erläuterungen erfordert: XML. Nennen wir das Ganze schließlich SOA: Service-oriented Architecture!

Dieser Gedanke ist aus heutiger Sicht natürlich keineswegs kühn. Aber er repräsentierte damals – vor 1,5 Jahrzehnten als er in Mode war – den ersten validen Ansatz, das Internet als intrinsischen Bestandteil der Systemarchitektur mitzudenken. Warum wurde SOA dann aber durch Konzepte wie API-Management und Microservices abgelöst? Weil SOA zwar das Internet als Potenzial erkannt, das klassische OO-Denken dabei aber noch nicht überwunden hat: Alle Maßnahmen zur Konsistenzsicherung eines Systems basierten auf der Annahme, dass sich letztlich auch im Netz der gleiche Zustand herstellen lässt wie innerhalb eines geschlossenen Systems.

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Kleiner Exkurs: Als der Ottomotor erfunden war und sich rasch verbreitete, verstanden die großen Hersteller von Pferdekutschen schnell, welche Bedeutung dieser ab sofort für die Mobilität der Menschen haben würde. Sie entfernten die Pferdedeichseln und bauten Verbrennungsmotoren in ihre Kutschen ein. Aber wer hat letztlich die automobile Revolution angeführt? Die Newcomer, die erstens Autos und nicht motorgetriebene Kutschen bauten, und die zweitens lernten, in neuen Maßstäben zu skalieren und auch das erfanden. Die Kutschenhersteller hatten aus ihrer Sicht indes nichts falsch gemacht und dennoch die Zeichen der Zeit nicht erkannt.

SOA war im Kern ebenso richtig gedacht, berücksichtigte aber die vielen Details zu wenig, die in offenen, internetbasierten Umgebungen einfach anders sind. Heutige Ansätze, bei denen stets das Web-API im Zentrum steht, sind daher nicht alter Wein in neuen Schläuchen, sondern eine wichtige Neuinterpretation des Themas im Sinne einer SOA 2.0.

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Sebastian Meyen
Sebastian Meyen ist Chefredakteur des Java Magazins sowie des Eclipse Magazins. Außerdem trägt er die Verantwortung für Programm und Konzept sämtlicher JAX-Konferenzen weltweit. Er begleitet so die Java-Community journalistisch schon fast seit ihren Anfängen. Bevor er zur Software & Support Media GmbH kam, studierte er Philosophie in Frankfurt.
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