Espresso mit Schuss

Java Magazin 2.19 erschienen: Moderne Frontend-Architekturen

Sebastian Meyen

Java-Updates waren einmal etwas ungeheuer Gemächliches: Circa alle zwei bis drei Jahre trudelte eine neue Major-Version herein, und zwischendurch gaben sich Java-Entwickler/innen mit den klitzekleinen Updates und Patches zufrieden, die es eben gab. Da war es eine gute Idee von Oracle, die Frequenz der Java-Releases aufzudrehen und auf einen zeitgemäßen, halbjährlichen Takt umzustellen.

Jedoch hat sich Oracle zugleich eine weitere Veränderung ausgedacht: Der Preis für die schnellen Releases sollte durch neu eingeführte Gebühren für den Long Term Support – eigentlich seit Jahrzehnten kostenlos! – beglichen werden.

Damit zog das Unternehmen einen Schlussstrich unter eine jahrzehntelange Praxis, an die sich alle in der Java-Welt gewöhnt hatten. Aber Java wäre nicht Java, wenn das Ökosystem nicht gleich mehrere Lösungen für dieses Problem parat hätte. Da der Code des OpenJDK unter der Open-Source-Lizenz GPLv2 steht, kann er praktisch von jedermann kompiliert und distribuiert werden. So taten’s unter anderem die Firmen Azul, Red Hat, IBM sowie eine von der Londoner Java-Community (LJC) initiierte Gruppe namens AdoptOpenJDK: Binaries schmieden, eigene Distribution anbieten, langfristigen Support anbieten. Im Fall von AdoptOpenJDK ist dieser Long Term Support sogar ohne Wenn und Aber kostenlos.

Mitte November folgte dann plötzlich Amazon und präsentierte „seine“ Version von Java: Corretto, so der Name des Amazon JDK (für die Freunde alkoholhaltiger Kaffeegetränke: Der appetitliche Name bezeichnet einen Espresso mit einem Schuss Grappa), ist kostenlos als Cloud Service sowie On Premises, also zum normalen Download erhältlich und wird ebenso kostenlos mit Support und Security versehen – über Jahre.

Corretto 8 (korrespondierend zu JDK 8) wird noch im ersten Quartal 2019 erscheinen, Corretto 11 spätestens im April – beide wohlgemerkt als Long Term Releases, also mit zugesichertem Support etc. bis 2023 (Corretto 8) beziehungsweise 2024 (Corretto 11). Als unterstützte Betriebssysteme werden Amazons eigenes Linux 2, Windows und macOS genannt.
Welches JDK auch immer Sie wählen – denken Sie daran, dass Sie bis spätestens April 2019 eine Entscheidung für Ihre produktiven Java-Systeme getroffen haben müssen. Dann gibt’s kein freies Oracle Java SDK mehr. Entweder Sie lizenzieren die Oracle JVM oder Sie greifen zu einer der anderen kostenpflichtigen oder kostenlosen Alternativen.

Somit hat man zwar einmal mehr die Qual der Wahl, aber auch diese neuen Entwicklungen zeigen eindrucksvoll auf, welche Kraft zur Anpassung und Innovation in der Java-Community steckt.

In diesem Sinne wünsche ich allen Leserinnen und Lesern einen ausgezeichneten Start ins neue Jahr!

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