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Zielführende Zeitwirtschaft vorgestellt: Domain Storystelling

Java Magazin 12.18 erschienen: Event Storming

Sebastian Meyen

Die Workshop-basierte Methode Event Storming hat in den letzten Jahren mehr und mehr Beachtung erfahren. Ausschließlich anhand von Klebezetteln wird so die Domäne nach und nach entzaubert. Die Ursprünge von Event Storming sind im Domain-driven Design bzw. der entsprechenden Community begründet. Im aktuellen Java Magazin 12.18 haben wir uns ausführlich mit der Methode auseinandergesetzt.

Einst repräsentierte die Open-Source-Bewegung eine Art Utopia. Fernab hierarchischer Strukturen vernetzten sich Leute, die weit über den Globus verstreut lebten, um sich mit der Entwicklung freier Software zu befassen. Ob bei Linux, Apache, PHP oder Python – es galt stets das Prinzip der Meritokratie, eine Art Leistungskultur, bei welcher demjenigen, der am meisten zum Projekt beiträgt, auch am meisten Entscheidungsbefugnisse zugestanden werden. Doch wie bei den meisten Revolutionen sind auch bei Open Source die tätigen Revolutionäre selten angenehme Zeitgenossen und die Strukturen, unter welchen kommuniziert wird, alles andere als gerecht. So finden sich analog zur Diktatur des Proletariats der kommunistisch-sozialistischen Bewegungen nicht wenige Hinweise auf die Verherrlichung eines Benevolent Dictators in der Open-Source-Community.

Ein solcher „gütiger Diktator“ ist Linus Torvalds, Erfinder von Linux und seitdem Maintainer des Kernels. Eine von der Informatikprofessorin Megan Squire durchgeführte Analyse ergab, dass in 21 000 E-Mails, die Torvalds innerhalb von vier Jahren an die Linux-Kernel-Mailingliste sendete, etwa eintausend (!) mindestens eines der Wörter „Crap“, „Slut“, „Bitch“, „Bastard“ oder eine Kombination aus diesen enthielt. Immerhin erkennt der mittlerweile 48-jährige nun an, dass es vielleicht doch eine gute Idee sein könnte, seinem mangelnden Gespür für andere Menschen nicht ungehemmt freien Lauf zu lassen. Torvalds, der noch 2013 die Forderung nach professionellen Umgangsformen barsch zurückwies, entschuldigte sich jetzt in einem Schreiben und will sich vorübergehend von seiner Aufgabe zurückziehen, um an seinem Verhalten zu arbeiten.

Interessant an dem Vorgang ist, dass der rüde Umgangston auf so mancher Open-Source-Mailingliste viele potenzielle, talentierte Mitwirkende abstößt. So werden die Open-Source-Teams einseitig, fernab von jeglicher Idee der Inklusion und Diversität. Ganz anders übrigens der Gründer und Maintainer der Programmiersprache Python, Guido van Rossum: Dieser bemühte sich über Jahre, Frauen zu ermutigen, sich als Coreentwicklerinnen zu beteiligen. Auch er zog sich jetzt zurück, jedoch um nachfolgenden Generationen Platz zu machen. So unterhaltsam die anarchischen Tiraden eines Linus Torvalds (das öffentliche „Fuck You“ in Richtung NVIDIA) zuweilen sein konnten, so kontraproduktiv ist letztlich der Mangel an Professionalität.

Und nicht zuletzt sollten wir besser an der Stärkung und Weiterentwicklung demokratischer Strukturen arbeiten, anstatt uns an autoritären Diktaturen zu orientieren, seien sie auch noch so wohlgesonnen.

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Sebastian Meyen
Sebastian Meyen
Sebastian Meyen ist Chefredakteur des Java Magazins sowie des Eclipse Magazins. Außerdem trägt er die Verantwortung für Programm und Konzept sämtlicher JAX-Konferenzen weltweit. Er begleitet so die Java-Community journalistisch schon fast seit ihren Anfängen. Bevor er zur Software & Support Media GmbH kam, studierte er Philosophie in Frankfurt.
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