Software Life Cycle

Java Magazin 1.2017 erschienen: Titelthema „Das Leben nach dem Release“

Melanie Feldmann

Eine Software ist niemals fertig – auch wenn der ein oder andere Entwickler sich das sicher manchmal wünscht. Im aktuellen Java Magazin werfen wir deswegen einen Blick auf den Software-Lebenszyklus und das Leben nach dem Release; seine Herausforderungen und Chancen.

Manchmal möchte man einfach nur noch fertig werden, sei es mit Bügeln, Hausbauen oder einer Software. Die letzten Meter eines Projekts können sich ziehen wie die letzten Kilometer auf der Autobahn. Wenn man das Licht am Ende des Tunnels schon sehen kann und doch immer wieder etwas dazwischen kommt; ein voller Wäschekorb, bröckelnder Putz, noch eine Änderung in letzter Minute. Dann den viel gerühmten Endspurt hinzulegen, ist besonders anstrengend. Vor allem weil ein Ende nicht unbedingt ein Ende ist. Nach dem Bügeln kommt der nächste Wäscheberg. Nach dem Sprint ist vor dem Sprint. Nur der Hausbau kommt im Leben meistens nur einmal vor. Außer Sie sind besonders ambitioniert.

Wie schön wäre es, das Bügeleisen, den Tapezierpinsel, die Tastatur einfach fallen lassen zu können und zu sagen: „Fertig!“ Und das war’s dann. Wir müssten heute nicht an morgen denken. Brauche ich nächste Woche das gute Hemd? Was ist, wenn im Keller mal das Wasser steht? Was mache ich, wenn auf einmal tausende von Leuten meine Software benutzen? Sich diese Fragen nicht stellen zu müssen, würde die Welt so viel einfacher machen.

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Aber auch ein gutes Stückchen langweiliger – und auch schlechter. In der Softwareentwicklung wurde das iterative Vorgehen der agilen Softwareentwicklung hart erkämpft. Mit einher geht die These, dass Software niemals fertig ist. Und erst recht, dass man nichts mehr einfach über den Zaun wirft, sich aus dem Staub macht und denkt: „Nach mir die Sintflut!“ Deswegen müssen Entwickler heute an morgen denken. Denn hinterm Zaun warten nicht mehr die Betriebskollegen auf ein Stückchen Code. Entwickler sind ganz im Gedanken von DevOps und „you build it, you run it“ für ihre Software verantwortlich, auch nach dem Release. Das heißt, dass sie heute schon an morgen denken müssen, an die Grundsteine, die sie legen müssen, damit ihre Software auch im Betrieb eine gute Figur macht. Dass sie flüssig läuft, schon auf ein paar Unwägbarkeiten vorbereitet ist und sich einfach anpassen lässt. Das gilt für Consultants genauso wie für interne Entwickler. Denn jede Software, jedes Produkt hat ein Leben nach dem Release oder Projektabschluss.

Der nicht enden wollende Kreislauf einer Software sollte aber auf gar keinen Fall als Hamsterrad missverstanden werden. Es ist eine Chance, es das nächste Mal besser zu machen. Dieser Kreislauf der Verbesserungen gilt für vieles im Leben. Außer fürs Bügeln. Da müsste es wirklich kein nächstes Mal geben.

Geschrieben von
Melanie Feldmann
Melanie Feldmann
Melanie Feldmann ist seit 2015 Redakteurin beim Java Magazin und JAXenter. Sie hat Technikjournalismus an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg studiert. Ihre Themenschwerpunkte sind IoT und Industrie 4.0.
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