Big Blue und Big Red

Java Magazin 1.19 erschienen: JavaScript – Wichtige Tools, Trends und Frameworks

Sebastian Meyen

Für 34 Milliarden US-Dollar wird IBM den Open-Source-Spezialisten Red Hat erwerben. Zum Vergleich: Vor neun Jahren kaufte Oracle den Java-Erfinder Sun Microsystems (inklusive eines ebenfalls großen Softwareportfolios und noch dazu einer stattlichen Hardwarepalette an Serversystemen) – für „nur“ 7,4 Milliarden!

Die Bewertung einer solch großen Übernahme eines so komplexen Produkt- und Technologieportfolios lässt sich indes nicht leicht auf einen einzigen Nenner bringen. Klar ist: Eine wichtige Mitgift von Red Hat sind die vielen talentierten und motivierten Entwickler, die an so zahlreichen Open-Source-Projekten und Softwareprodukten aktiv beteiligt sind – und in ihrer Gesamtheit eine Engineering-Kultur repräsentieren, wie sie nur wenigen Softwareherstellern eigen ist.

Klar ist aber auch, dass IBM dringend eine Cloud-Story benötigt. Geradezu tatenlos hat Big Blue dabei zugeschaut, wie seit zehn Jahren ausgerechnet ein Buchhändler das Cloud-Geschäft neu definiert und dabei die Maßstäbe setzt. Neben Amazon AWS haben es nur Google und Microsoft geschafft, in dieselbe Liga aufzuschließen.

IBM, das weltweit in praktisch jeder halbwegs wirtschaftsstarken Nation Rechenzentren betreibt und Technologiedienstleistungen anbietet, spielt beim Thema Cloud überraschenderweise in der zweiten Liga.

Als Antwort auf diesen Umstand beteuern die beiden Chefs von Big Blue und Big Red während einer gemeinsamen Pressekonferenz, man wolle gemeinsam auf die „Hybrid Cloud“ setzen. Mit einem kombinierten Angebot aus Cloud-Technologien fürs eigene Rechenzentrum („On Premise“) aus dem Hause Red Hat sowie Cloud-Services „aus der Steckdose“ von IBM wollen die beiden den Abstand zu den drei führenden Cloud-Anbietern verringern.

Der technische Gewinner der blauroten Strategie wird zweifelsfrei Kubernetes heißen. Das Kubernetes-Ökosystem mit der ihm zugrunde liegenden Containertechnologie bietet genau das Provisionierungsmodell, mit dem sich Systeme flexibel über die Private und Public Cloud hinweg betreiben lassen.

34 Milliarden US-Dollar sind auf jeden Fall ein riesengroßes Bekenntnis zur Bedeutung von Open Source und zu den Entwicklern, die Technologie mit Leidenschaft vorantreiben. Außerdem zeigt der Deal deutlich, dass an der Cloud als „Betriebssystem“ für Enterprise-Anwendungen kein Weg mehr vorbeiführt.

Geschrieben von
Sebastian Meyen
Sebastian Meyen
Sebastian Meyen ist Chefredakteur des Java Magazins sowie des Eclipse Magazins. Außerdem trägt er die Verantwortung für Programm und Konzept sämtlicher JAX-Konferenzen weltweit. Er begleitet so die Java-Community journalistisch schon fast seit ihren Anfängen. Bevor er zur Software & Support Media GmbH kam, studierte er Philosophie in Frankfurt.
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