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11 Java-Experten über Status Quo, Relevanz und Zukunftsfähigkeit von Java

(K)ein Schwanengesang auf Java: Heißt Javas Schicksal JavaScript?

Gabriela Motroc
 © Shutterstock /Dovile Kuusiene

Was ist los in der Java-Welt? Jede Menge! Java 9 kommt im September, Java EE 8 steht in den Startlöchern und 11 Java-Experten geben uns wertvolle Einblicke in die Zukunft der Programmiersprache. In dieser Interviewserie besprechen wir, wo wir mit Java 9 stehen, welchen Weg Java 10 einschlagen wird und welche Technologien Javas Führungsposition gefährden könnten.

Wenn ein Schwan stirbt, singt er mit letzter Kraft noch einmal ein wunderschönes, trauriges Lied.

Trifft dieses Bild aus der griechischen Mythologie auf die aktuelle Situation von Java zu?

(K)ein Schwanengesang auf Java

Java – 22 Jahre alt und immer noch die Programmiersprache Nr. 1. Sollte die Sprache wirklich dem Tode geweiht sein, so kann man sagen, dass ihr der Tod gut bekommt. Schon so oft wurde Java totgesagt, schon so oft ist Java wiederauferstanden, dass es mittlerweile zum Running Gag geworden ist. Und mit dem nahenden Java-9-Release am 21. September wird Java einen weiteren Meilenstein erreichen.

Wenn man sich die Beispiele für Javas Popularität anschaut, fragt man sich, warum immer wieder Artikel erscheinen, die das unmittelbar bevorstehende Ableben von Java vorhersagen. Wie Mark Twain sagen würde: Die Berichte über den Tod von Java sind ziemlich übertrieben.

Sehr zum Ärger aller Schwarzmaler wird Java in der nächsten Zukunft keinen Schwanengesang singen.
Dr. Wayne Citrin, CTO and co-founder of JNBridge, LLC

Es ist Zeit für eine Bestandsaufnahme: Wo steht Java aktuell, was hält die Zukunft für Java bereit?

Top 20 Java Influencers

Wer hat den meisten Einfluss auf Twitter? Das JAXenter-Team hat tausende Twitter-Accounts durchforstet und 20 Profile ausfindig gemacht, die in jeden Java-Entwickler Twitter-Stream gehören. Das Ranking basiert auf den beiden Social-Authority-Metriken MozRank and Klout.

Was die Java Influencer über Java 9 zu sagen haben, welche Features sie gerne im nächsten Java-Release 10 sehen würden, und welche Technologien die Dominanz von Java herausfordern könnten, lesen Sie hier in dieser Interview-Reihe.

 

Komplette Liste unter: www.jaxlondon.com/blog

Im ersten Teil haben wir die Influencer eingeladen, die Möglichkeit zu diskutieren, dass Node.js Java ablösen könnte. Außerdem kommentieren sie die Entscheidung der Universität Stanford, ihren Einführungskurs in die Programmierung in JavaScript anstelle von Java abzuhalten.

11 Antworten: Einige sagen, dass Node.js die Dominanz von Java brechen könnte. Kann Node.js Java wirklich vom Thron stoßen?

Die Java Influencer

Markus Eisele ist Head of Developer Advocacy bei Lightbend und Java Champion.

Mario Fusco ist Senior Software Engineer bei Red Hat und Java Champion.

Marcus Biel ist Software Craftsman, JCP-Mitglied und CleanCode Evangelist.

Lukas Eder ist Gründer der Data Geekery GmbH, Erfinder von jOOQ und Java Champion.

Trisha Gee ist Developer Advocate bei JetBrains, Mitglied der London Java Community und Java Champion.

Vlad Mihalcea ist CEO bei Hypersistence und Autor des Buches High-Performance Java Persistence.

Jake Wharton ist Android-Entwickler bei  Square Inc.

Thorsten Heller ist CEO des Unternehmens  greenbird Integration Technology.

Baruch Sadogursky ist  Developer Advocate bei JFrog.

Quentin Adam ist CEO von Clever Cloud.

Bruno Borges ist Principal Product Manager bei Oracle und verantwortlich für das  Developer Engagement der Oracle Cloud Platform und Java-Technologien.

Markus Eisele: Die JavaScript-Revolution hat eines klar gezeigt: Unsere Welt wird polyglott und divers bleiben. Wir werden nicht den Luxus haben, nur eine einzige Sprache lernen zu müssen oder uns bei der Anwendungsentwicklung auf Plattform- und Industriestandards beschränken zu können.

Full Stack Java-Anwendungen mit Server-seitigem Rendering werden seltener.

Java hat immer noch den Vorteil, dass die Sprache häufig in der Lehre verwendet und deshalb von vielen beherrscht wird. Im Übrigen verändert sich gerade viel: Zentralisierte Infrastrukturen sterben aus, und auch Full Stack Java-Anwendungen mit Server-seitigem Rendering werden seltener. Die Sprache Nummer 1 für das Frontend ist heute JavaScript. Zudem gibt es Go in Cloud- und Container-Umgebungen. Diese Liste wird sich sicherlich noch erweitern, während Java gleichzeitig noch eine Zeit lang dominant bleiben wird.

Mario Fusco: Warum so viele Leute von Node.js angezogen werden, übersteigt wirklich meine Vorstellungskraft. Wir befinden uns mitten in der Ära der Multicore CPUs, selbst mein Smartphone hat acht Kerne – wollen wir da wirklich ein Single-Thread-Framework auf dem Server nutzen?

In einer typischen Node-Anwendung, die auf einer 8-Core-Maschine läuft, passiert es oft, dass ein Kern auf 100% seiner Last ist, während die anderen sieben praktisch nichts tun. Wenn Entwickler wirklich das Event-Loop Pattern mögen, das Node.js implementiert, dann gibt es viele Java Frameworks, die dasselbe tun – aber auf robuste und vernünftige Art und Weise.

Der einzige verständliche Grund, warum so viele Unternehmen Node.js nutzen, liegt wohl darin, dass es momentan so viele JavaScript-Entwickler gibt und dass diese im Allgemeinen günstiger zu haben sind. Einen ähnlichen Trend habe ich bereits vor 10 Jahren erlebt. Es gab damals sehr viele Java-Entwickler, die man für die Webentwicklung brauchte, aber diese wollten partout nichts von JavaScript wissen.

Deshalb entstanden Frameworks wie GWT, mit denen Webentwicklung auch mit Java möglich wurde. GWT ist an sich nicht schlecht, aber es skaliert nicht sonderlich gut und erlaubt es definitiv nicht, eine Webseite mit Millionen gleichzeitiger Nutzer zu bauen. Node.js ist sozusagen der GWT Counterpart auf der Server-Seite und leidet an der selben Problematik.

Meine Meinung ist, dass wir immer das richtige Tool für die jeweilige Aufgabe nutzen sollten. JavaScript ist in Ordnung  – wenn auch nicht ideal – für die Webentwicklung. Aber nicht fürs Backend – da kann ich mir jede Menge besserer Alternativen vorstellen.

Marcus Biel: Das ist ein Vergleich, der eigentlich keine Rolle spielt. Wir vergleichen hier Äpfel mit Birnen. Java ist prädestiniert für komplexe, Multi-Thread Business-Systeme. Node.js ist sehr gut für Echtzeit Webanwendungen geeignet.

Frage einen Java-Entwickler und sie/er wird Java lieber mögen. Frage einen Node.js-Entwickler und sie/er wird Node.js lieber mögen. Es gibt Raum für beides.

Lukas Eder: Die einzigen Leute, die das vertreten, sind die Anbieter hinter Node.js. Wir können zwar keine langfristige Aussage über die Zukunft von Java treffen (20+ Jahre), aber in der näheren Zukunft – also in den nächsten 2-3 Jahren – wird Java von niemandem entthront werden.

Java ist immer noch sehr populär, und die kommenden Verbesserungen in Projekt Valhalla, Graal und Truffle – und viele weitere Neuerungen in der Pipeline – werden sicherstellen, dass Java State-of-the-Art bleiben wird.

Trisha Gee: Ich denke, wir vergleichen hier Äpfel mit Birnen. Java ist eine fantastische Server-seitige Sprache – stark im Einsatz bei großen Unternehmen, und zwar aus vielen Gründen: Die überaus zuverlässige Rückwärtskompatibilität., der Crossplattform-Support in Bezug auf Betriebssysteme und das große Arsenal an Java-Entwicklen, angefangen bei Juniors bis hin zu sehr erfahrenen Leuten, die auf dem Arbeitsmarkt verfügbar sind.

Node.js wird zwar auch in Enterprise-Umgebungen eingesetzt, aber nicht für die selbe Art von Anwendungen. Wir sehen es sehr viel öfter in Startups, benutzt für Prototyping und die schnelle Anwendungsentwicklung. Ich persönlich glaube, dass angesichts der riesigen Probleme, die mittels Technologien gelöst werden können, es reichlich Platz für beide Sprachen gibt, ebenso wie für viele weitere Programmiersprachen und Frameworks.

Vlad Mihalcea: Das glaube ich nicht. Node.js ist sehr gut für das schnelle Prototyping, aber es ist noch lange nicht so reif wie viele der kampferprobten Frameworks aus der Java-Welt.

Jake Wharton: Die JavaScript-Community hat große Fortschritte in Bereichen erzielt, die Java einst zur führenden Sprache gemacht haben: statische Typisierung, das erstklassige Tooling und die große Bandbreite und Tiefe an Bibliotheken. Obwohl JavaScript hier sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung gemacht hat, denke ich, dass JavaScript in all den genannten Bereichen noch deutlich nachlegen müsste, um Java wirklich langfristig ersetzen zu können.

Thorsten Heller: Ja und nein. Ich schließe nicht aus, dass Java den ersten Platz in der näheren Zukunft verlieren könnte – oder zumindest herausgefordert werden könnte. Aber nicht von Node.js. Wenn ich wetten müsste, dann würde ich eher auf Kotlin setzen. Die Einfachheit der Sprache, ihre schlanke Syntax, der funktionale Ansatz – um nur einige der Vorzüge zu nennen -, wird Kotlins Popularität befeuern. Und vielleicht auch den Trend hin zu saubererem Code?

Allgemein denke ich, dass die Zukunft heterogener sein wird: Es geht um die am besten geeignete Programmiersprache für den jeweiligen Anwendungsfall. Für mich ist Java mehr eine Plattform als eine Sprache.

Baruch Sadogursky: Das „Java“ in „JavaScript“ verhält sich wie das „Ham“ in „Hamster“ – beides hat nichts miteinander zu tun. Es gibt unzählige Programmiersprachen, und sie stehen nicht notwendigerweise in Konkurrenz zueinander. JavaScript ist eine treffliche Frontend-Sprache und der wahre König des Browsers. Aber JavaScript auf dem Server – und Node.js im Besonderen – ist zwar ein interessantes Experiment. Doch wird es eine echte Backend-orientierte Sprache wie Java nicht ersetzen können.

Quentin Adam: Ich glaube nicht, dass Node jemals Java ablösen wird. Es sind sehr unterschiedliche Tools für unterschiedliche Zwecke. Node und die zugehörige Tooling Suite helfen dabei, ein echtes Ökosystem für die Webentwicklung aufzubauen, mit guten Build Tools und einigen kleineren Server-seitigen Funktionen. Java hat hingegen bereits ein mächtiges Ökosystem und riesige Codebasen. Die Chancen, hier alles mit Node zu ersetzen, sind sehr gering.

In einigen Bereichen wie Big Data ist die JVM ohnehin die erste Wahl. Node hat dem Ökosystem rund um Hadoop, Kafka & Co. nichts Vergleichbares entgegenzusetzen. Ich denke, wir werden immer mehr Projekte erleben, die Node und Java gemeinsam verwenden. Node wird dabei die Front bilden, mit der die User interagieren. Java ersetzen wird es aber nirgends.

Bruno Borges: Vieles deutet darauf hin, dass Node.js eine großartige Plattform für das schnelle Entwickeln und Deployen ist. Doch die Node-Codebasen werden mit der Zeit immer schwerer zu pflegen, selbst für Microservices-basierte Architekturen. Wenn es eine Plattform gibt, die von Node.js übernommen werden könnte, dann würde ich eher auf Ruby on Rails tippen.

Java ist immer noch zuverlässig und verfügt über eine Vielzahl an hochwertigen Frameworks, die dieselbe Produktivität bzgl. Entwicklung und Deployment bieten wie Node.js, die aber in puncto Stabilität und Wartbarkeit Node.js deutlich überlegen sind. Ganz zu schweigen vom erstklassigen Tooling-Support bei Java für Debugging, etc.

Also nein: Ich glaube nicht, dass Java auf lange Sicht von Node.js als Entwicklungsplattform vom Thron gestoßen werden könnte. Warum? Weil manche Leute uns vor Jahren gesagt haben, dass Ruby on Rails genau das tun würde. Und es ist nicht passiert. Aber hey – es gibt dennoch jede Menge cooler Dinge in Ruby, Node.js und anderen Plattformen und Programmiersprachen, von denen Entwickler-Teams profitieren können.

11 Antworten: Die Universität Stanford hat in ihren Einführungskursen Java durch JavaScript ersetzt. Was bedeutet das für die Relevantz und Popularität von Java?

Markus Eisele: Java als Sprache Nummer 1 im Enterprise-Umfeld bringt ein lebendiges Ökosystem an Tools, Standards und Methodologien mit sich. Es ist vielleicht nicht die präzisesten oder eleganteste Sprache, kann aber in großen Teams skaliert werden. Und wir haben gelernt, wie wir mit Java eine gute Qualität erreichen können.

Das Frontend wurde hingegen schon von JavaScript übernommen. Und ich denke, dass die visuellen Teile von Anwendungen schon immer einen guten Einstiegpunkt für das Erlernen der Programmierung darstellten.

Java ist wahrscheinlich keine gute Sprache für didaktische Zwecke – aber JavaScript ist noch viel schlimmer!

Für mich ist das deshalb eine natürliche Entwicklung und sagt nicht notwendigerweise etwas über die Relevanz oder Popularität von Java aus – viel mehr über seine Usability und Lernkurve.

Mario Fusco: Ich habe diese Nachricht gelesen und mich darüber gewundert. Nicht, weil Java ersetzt wurde, sondern weil JavaScript gewählt wurde. Java ist wahrscheinlich wirklich keine gute Sprache für didaktische Zwecke – aber JavaScript ist noch viel schlimmer! JavaScript verleitet einen Entwickler zu schlechten Hacks – oder erfordet diese manchmal sogar -, anstatt ihn zum klarem Denken zu zwingen.

Eine Universität sollte nicht eine Programnmiersprache wählen, nur weil sie im Trend liegt oder weil sie weit verbreitet ist, sondern weil sie dir etwas beibringt und dein Denken verbessert. Alan Perils sagte einmal: „Eine Sprache, die nicht die Art und Weise beeinflusst, wie du über das Programmieren denkst, lohnt es sich nicht zu lernen.“

Leider glaube ich, dass sowohl Java als auch JavaScript in diese Kategorie gehören. Wir lernen diese Sprachen eher aus Business-Gründen und nicht, weil wir sie so sehr mögen. Meiner Meinung nach wären Sprachen wie Smalltalk für die Objektorientierte Programmierung und Haskell für die funktionalen Aspekte – oder eine moderne Lisp-artige Sprache wie Clojure – die bessere Wahl gewesen.

Marcus Biel: Was mir dabei zuerst in den Sinn kommt, ist: Was sagt das über Stanford aus? Stanford denkt also, dass Java keine gute erste Programmiersprache ist. Das ist zunächst einmal alles – und es geht vollkommen in Ordnung, wenn sie das denken.

Lukas Eder: Das sagt absolut nichts aus. Als ich an der EPFL (der Universität, an der Scala erfunden wurde) studiert habe, umfasste mein Lehrplan so lustige Sprachen wie Ada, VSDL, PL/SQL, SQL, Java, XSLT, Scala, Prolog, C++. Wenn ich heute studieren würde, dann bin ich sicher, dass auch JavaScript zum Curriculum gehören würde. Ich hoffe, dass wir als Industrie – inklusive die universitären Fakultäten – begreifen, dass es nicht auf die einzelnen Sprachen ankommt. Jede Sprache hat ihren Platz und ihre Daseinsberechtigung, und Java ist die populärste Sprache aus vielen verschiedenen Gründen geworden. Einzelne Universitäten werden das nicht ändern – warum sollten sie auch?

Trisha Gee: Auch das ist wieder ein Fall von „Nutze das richtige Werkzeug für den richtigen Zweck.“ JavaScript ist womöglich besser für Anfänger – man kann schneller damit loslegen und produziert weniger Boilerplate-Code. Man kann Tools wie eine REPL nutzen, um schnell Feedback zu erhalten. Obwohl Java 9 auch eine REPL haben wird, erfordert Java doch insgesamt sehr viel mehr zeremonieller Aufwand für das ganze Drumherum: das Aufsetzen der Umgebung, Classpaths, eine IDE, etc. Und man braucht mehr Programmcode für die Typisierung. All das steht dem Ziel, schnell eine Programmiersprache zu lernen, erst einmal entgegen. Es ist deshalb verständlich, dass man in der Lehre etwas Leichtgewichtigeres haben möchte, mit dem Studenten schnell starten können.

Im Übrigen wird Java auch in Stanford noch gelehrt, und zwar in fortgeschritteneren Kursen. Das zeigt, dass es immer noch als relevant und wichtig angesehen wird, Java zu lernen. Insbesondere erschließen sich die Dinge, die auf den ersten Blick stören – statische Typisierung, eine striktere Struktur in Bezug auf Klassen, etc. – einem Entwickler erst, wenn sie verstanden haben, wie das Programmieren grundsätzlich funktioniert.

Vlad Mihalcea: JavaScript hilft vielleicht einem Programmierlehrer, da man Code nicht kompilieren muss und alle Beispiel im Browser ausführen kann. Aber der  Popularität Javas wird das keinen Abbruch tun.

Jake Wharton: Ich denke nicht, dass das gegen Java spricht. Aber es spiegelt doch die positive Entwicklung von JavaScript wider. JavaScript ist eine Sprache, die sehr viel mehr vergibt als Java, etwa durch ihre dynamische Typisierung und Primitive, die auch keinen Kompilierschritt vor der Ausführung verlangen.

Eine Einführung in die Programmierung sollte auf die grundlegenden Prinzipien fokussiert sein, wie das kritische Denken und die Problemlösung – und dafür braucht man nicht unbedingt den Mehraufwand, den Java mitbringt.

Thorsten Heller: Die ersten Schritte mögen mit JavaScript schneller gelingen – ich nehme an, dass das der Grund dafür ist, warum Stanford Java ersetzt hat: die Leute schneller an Bord zu bringen und ihnen schnell Erfolgsmomente zu verschaffen. Nichtsdestotrotz wird Java als Plattform mit ihren verschiedenen Programmiersprachen wie Java, Kotlin, Scala, etc. nicht an Relevanz oder Popularität verlieren. Die Java-Plattform ist und wird die Enterprise-Plattform der Zukunft bleiben.

Baruch Sadogursky: Universitäten hängen den Industrie-Trends üblicherweise Jahre hinterher, wenn es darum geht, Programmiersprachen in ihre Lehrpläne aufzunehmen. In Stanford wurde Java 2002 eingeführt, also 5-6 Jahre nach der ersten Java-Version und 2-3 Jahre, nachdem Java weite Verbreitung gefunden hatte. Stanford holt also lediglich etwas nach und trägt einem Trend Rechnung: der steigenden Popularität von JavaScript unter jungen Entwicklern, in Umfragen wie StackOverflow und Statistiken auf GitHub.

Quentin Adam: Das liegt mehr an der Popularität von JavaScript. Für einen Anfänger ist JavaScript eine gute Wahl, um schnell und einfach ein ansprechendes UI zu bauen. Java wird danach gelernt, wenn die Leute es brauchen.

Bruno Borges: Ich habe das Programmieren durch das Schreiben von Excel Makros gelernt. Es gab noch nicht einmal Visual Basic damals. Dann ging es damit weiter, komplexere Skripte for mIRC zu schreiben. Erinnern Sie sich noch an mIRC? Es war der verbreitetste IRC Client für Windows. Und was war IRC? So etwas wie die 90er-Version von Slack.

Nun, die Zeiten haben sich natürlich geändert. Logo war eine weitere Programmiersprache damals, die oft benutzt wurde, zumindest in Latein-Amerika an einigen Universitäten, um die grundlegende Programmierlogik zu vermitteln.

Wenn junge Entwickler mit der echten Arbeitswelt konfrontiert werden, müssen sie seriösere Sprachen kennenlernen.

Was ich damit sagen will: Studenten brauchen für das Erlernen der Software-Programmierung etwas, das ihnen schnell Feedback gibt, das schnell einen Output liefert, mit so wenig Reibung wie möglich. JavaScript ist genau dafür hervorragend geeignet. Man kann auf dem Server mit Node.js arbeiten, Client-seitig mit jedem Browser, und schnell  Ergebnisse erzielen, die Spaß machen. Aber an einem gewissen Punkt, wenn diese jungen Entwickler mit der echten Arbeitswelt konfrontiert werden, müssen sie seriösere Sprachen kennenlernen, natürlich abhängig vom Bereich, in dem sie arbeiten wollen. Wenn sie als Sysadmins arbeiten, dann ist vielleicht C, C++, Go und Shell Script sinnvoll. Für die Entwicklung von Unternehmensanwendungen sind ASP.NET und Java gute Optionen. Für mobile Apps wird Swift immer mehr zum Mainstream im iOS-Ökosystem, und so weiter.

Das Fazit? Die Relevanz und Popularität von Java, und jeder anderen Programmiersprache, hängt davon ab, welche Anwendungsfälle sie auf einer soliden Basis abdecken. Java hat diese Basis. Und auch wenn Studenten die Programmierlogik mittels JavaScript lernen – eines Tages werden sie vielleicht das „Script“ weglassen wollen.

So geht’s weiter

Lesen Sie im nächsten Teil der Serie, wie die Experten das Jigsaw-Modulsystem in Java 9 bewerten und welchen Stellenwert sie dem Java-9-Release einräumen, um Java im schnelllebigen Technologie-Zirkus auf der Höhe der Zeit zu halten.  

 

Geschrieben von
Gabriela Motroc
Gabriela Motroc
Gabriela Motroc ist Online-Redakteurin für JAXenter.com. Vor S&S Media studierte Sie International Communication Management an der The Hague University of Applied Sciences.
Kommentare
  1. Reiner Kühl2017-07-19 14:19:01

    Falsche Fragenstellung: Java ist deswegen Nummer 1 weil das Ökosystem so vielfältig ist und daher in sehr vielen Bereichen eingesetzt wird. Für mich entspricht Java daher eigentlich mehreren "klassischen" Programmiersprachen. Ist wird immer weniger wichtig, in welcher Programmiersprache entwickelt wird, dagegen wird es immer wichtiger, was das Ökosystem in Sachen Tooling, Frameworks, Methodiken (Best Practices) zu bieten hat. Und da ist Java stark. Und wenn dann auch Bereiche nicht so stark sind (UI im Web z.B.) dann gibt es immer noch genug andere Bereiche (unser Unternehmen setzt z.B. serverseitig auf Java (Spring) und Web-UI seitig auf Angular)

  2. Rüdiger Möller2017-07-20 12:15:23

    Die meisten der "Java Experten" verkennen, daß node.js aufgrund seiner fundamental asynchron gestalteten API's gerade in verteilten (Microservices) Architekturen besser und einfacher skaliert als die traditionell synchron (thread-blockierend) gestalteten Java Frameworks (bis in die API-Specs rein).
    Deshalb (und klar weil js auch Frontendsprache ist) wird Node.js so gerne im Webumfeld eingesetzt.

    Bei klassischem Java-style blockierendem Multithreading sind Latenz und Durchsatz gekoppelt, schlecht für u.U. Datacenter-übergreifende global verteilte Cloud Architekturen.

    Das "Eventloop" Concurrency Modell ähnelt stark dem "Actor-Modell". Skaliert wird auf Prozessebene oder durch mehrere "Eventloops" (shared nothing multithreading, "web worker"). Dies hat auch den netten Nebeneffekt, daß Garbage-Collection immer nur Thread lokal (Eventloop-lokal) durchgeführt werden muß.
    Shared-nothing Systeme lassen sich auch nachträglich einfach auf mehrere Maschinen verteilen, da zwischen Threads (event loops) nur via messaging kommuniziert wird. Fehler durch Multithreading und komplexe Sichtbarkeitsregeln (Java Memory Model) fallen weg.

    Grundätzlich lassen sich natürlich auch in Java voll asynchrone Systeme (nonblocking IO, Aktoren, bsp.: https://github.com/RuedigerMoeller/kontraktor) realisieren, allerdings ist die Auswahl an nutzbaren Bibliothekten dann eingeschränkt.

    Und noch: versucht mal eine React App mit einem Java Backend zu nutzen .. (nein, nashorn ist nicht schnell genug ;) ). Ja es geht, aber nervt.

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