Java ist einfach eine wunderschöne Sprache!

Hartmut Schlosser

„Java ist einfach eine wunderschöne Sprache zum Programmieren“ – heißt es in einem aktuellen Interview mit Josh Bloch, in dem der Java-Kernentwickler den Gründen für den Erfolg von Java nachspürt. Im Vergleich zu C++ mache Java einfach viel mehr Spaß!

Josh Bloch gilt als einer der maßgeblichen Formgeber der Java-Plattform und hat an zahlreichen Kernbibliotheken mitgearbeitet. Neben James Gosling, dem „Vater von Java“, wird Bloch von vielen augenzwinkernd als die „Mutter Javas“ bezeichnet – und bekommt im Interview die Ehre des „Kindergärtners“ zugesprochen, der Java nach seiner Geburt ins Erwachsenenalter geführt hat.

Im Gespräch mit Jeremy Allison ruft Bloch den Pioneer-Geist der frühen Java-Jahre in Erinnerungen, als Java mit dem revolutionären Slogan, „Write Once, Run Everywhere“ die Microsoft geprägte IT-Welt aufzumischen begann.

Ein Großteil des Erfolgs von Java habe ausgemacht, dass das Programmieren mit Java einfach Spaß machte. Es sei gelungen, die akademischen Spielchen, die beim Entwickeln mit C++ nötig waren, zu kapseln und das Programmieren in den Mainstream zu führen. Statt sich um Dinge wie Garbage Collection, Buffer Overruns und Typensicherheit zu kümmern, hatten Entwickler endlich den Kopf frei für echte kreative Problemlösungen.

Java sei C++ ohne „Guns, Knifes and Bombs“ und habe zahlreiche unproduktive C++-Entwickler zu erfüllten, produktiven Programmierern gemacht. Credits für die Java-Plattform!

Ein weiterer Faktor für den Erfolg Javas sei gewesen, dass Java von Anfang an viel Wert auf gute Bibliotheken, Dokumentation und Spezifikation gelegt habe. In den notorisch schlecht dokumentierten C++-Bibliotheken seien zahlreiche Implementierungen durch die nachfolgende Praxis zu De-Facto-Standards mutiert – wobei sich viele unnötige Abläufe und Praktiken eingeschlichen hätten.

Und: Die Java-Plattform war klein, leichtgewichtig und dynamisch – was sich, so Bloch, mit der Zeit unvermeidbarerweise etwas geändert habe.

Das Scheitern Javas

Für einen jungen, C++-geplagten Entwickler war Java eine Verheißung – alle Anwendungen würden harmonisch auf allen Plattformen laufen, alle Fehler von C++ ein für allemal aus der Welt geschafft – Einhörner würden scharenweise vom Regenbogenhimmel herabschweben, und Hund und Katz gemeinsam in den Straßen tanzen..

Doch ganz so ist es dann nicht gekommen. Irgendetwas lief schief – doch was?

Bloch sucht nach Erklärungen, warum die Formel „Write Once, Run Everywhere“ bis heute nicht wirklich umgesetzt werden konnte.

In den Anfangstagen habe man es nicht geschafft, eine den Windows-Systemen vergleichbare User Experience zur Verfügung zu stellen. Die Bereitstellung von Features, die man aus Oberflächen-zentrierten Desktop- und RIA-Anwendungen gewohnt war, lief zu schleppend, die Plattform-Integration nicht immer zeitnah genug, anfängliche Performance-Probleme schadeten dem Ruf der Java-Plattform. Als Ergebnis dieser und anderer Faktoren habe Java lediglich auf Server-Seite die Karriere gemacht, die Java potenziell auch als Client-Technologie hätte machen können.

Von Einhörnern und Regenbögen

Java ist eine wunderschöne Sprache – doch konnte sie die offene Marktnische nur teilweise füllen. Spannend wird indes der weitere Karriereweg der „beliebtesten Programmiersprache der Welt“ zu verfolgen sein – insbesondere deshalb, weil Oracle sich ja die Wiederaufnahme des „Write Once, Run Everywhere“-Paradigmas auf die Fahnen geschrieben hat.

Really leverage platform independent nature of Java Adam Messinger und Steve Harris

Vielleicht kommen bald doch die Einhörner vom Regenbogenhimmel geritten?

Das vollständige Interview mit Josh Bloch sehen Sie unten – weitere Themen betreffen Blochs Philosophie beim Schreiben von APIs, die Wichtigkeit, den Code anderer Entwickler zu lesen und Tipps für angehende Programmierer.

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Hartmut Schlosser
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