Java in den Fängen des Marketing

Hartmut Schlosser

Nicht die Java-Community, nicht ein unabhängiger JCP, nicht einmal die von Oracle bezahlten Java-Ingenieure – Oracle-Produktmanager entscheiden über die Zukunft von Java. So beschreibt Java-Champion Stephen Colebourne in seinem Blogeintrag „Oracle and the Business of Java“ seine Eindrücke von der gerade zu Ende gegangenen JavaOne. Java werde von Oracle vor allem als Produkt und Business gesehen – doch dies sei nicht notwendigerweise eine schlechte Sache!

Was Colebourne auf der JavaOne immer wieder beobachten konnte, war, dass ein technischer Leiter zwar die geplanten Neuentwicklungen vorstellte, bei Fragen der zeitlichen Umsetzung oder Finanzierung jedoch auf einen nebensitzenden Produktmanager verwies. Nicht nur, dass sich jedem technischen Leiter also ein Produktmanager zugesellte – anders als zu Suns Zeiten konnte der Produktmanager tatsächlich Auskunft über Fragen der Verfügbarkeit und Finanzierung geben.

Visionäre Technologen seien also nur die eine Seite der Medaille, so Colebourne – genauso wichtig seien Stakeholder, die über das nötige Budget und Marktwissen für eine effektive Umsetzung und Marktdurchdringung verfügten.

Ingenieurskunst versus Marketing

Java wird Produktmanagern unterstellt – bedeutet das nicht zwangsläufig technologische Stagnation?

Nein, meint Colebourne. Verbesserungen von Java durchzusetzen, sei gerade für Oracle-Produktmanager leichter:

Hätte es bei Sun geheißen: „Diese Veränderung spart der Industrie X Millionen Dollar“, so heißt es nun angesichts der über 10.000 internen Java-Entwickler bei Oracle: „Diese Veränderung spart uns selbst X Millionen Dollar“. Oracle habe also selbst das größte Interesse daran, Java als Sprache weiter voran zu bringen.

Colebournes Fazit:

Oracle now has clear product managers for all the Java technologies, something I am given to understand was lacking prior to the takeover. I see this as an unequivocal Good Thing. Stephen Colebourne

Bedenken äußert Kommentator Baptiste:

Produktmanager seien nicht an sich schon eine Bereicherung für ein Unternehmen – nur „gute“ Produktmanager seien dies! Und allzu oft könne man beobachten, dass Produktmanager der Leistung des „unterstellten technischen Personals“ nur wenig Respekt zollten.

At least in France (I’d be glad to know if this is different in other countries), technical skill is not very valued, and „managers“ are almost always generally seen as the level above.

If management managers would just understand their job is to manage, but that’s they’re not compulsorily more important than techies, then techies mightn’t dislike them as it’s so common today. Baptiste

Interessant wird in den nächsten Wochen zu beobachten sein, wie sich Oracles Business-Orientierung – so ungeliebt diese bei der Java-Community auch sein dürfte – auf die kommenden Java-Releases (JDK 7, JavaFX etc.) auswirken wird.

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Hartmut Schlosser
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