IDE-Vergleich Teil 2

Java-IDEs im Vergleich: Eclipse vs. NetBeans vs. IntelliJ

Hartmut Schlosser

Java-IDEs auf dem Prüfstand: Eclipse & Co.

Die Welt der Java IDEs ist dreigeteilt: Eclipse, NetBeans und IntelliJ IDEA streiten sich regelmäßig um die Krone der besten Entwicklungsumgebung. Um die jeweiligen Stärken und Schwächen der IDEs herauszuarbeiten, fragen wir Sie nach Ihrer Meinung und stellen Ihre Antworten gegenüber. Heute: Benno Markiewicz, Christofer Dutz und Manuel Bork.

1. NetBeans: Benno Markiewicz

Du bist NetBeans User. Warum?

Benno Markiewicz: Ich bin NetBeans IDE-User seit 2011 und mache zwischendurch immer wieder mal Abstecher zu Intellj IDEA. Zuvor habe ich ca. 6 Jahre Eclipse JDT genutzt. Mit den ganzen Schmerzen, wie scheinbar endlos kaskadierenden “Building workspace” tasks in Verbindung mit dem m2eclipse Plug-in und “workspace resolution” sowie der Plug-in-Problematik: Man traut sich nicht Plug-ins zu aktualisieren, weil man sich sonst sein Eclipse “zerschießt”.

Zur NetBeans IDE bin ich durch eine Schulung von Adam Bien gekommen. Innerhalb von wenigen Minuten war alles eingerichtet, und alles Nötige war schon dabei. Glassfish, Tomcat, Maven, Git und ein Profiler – alles out-of-the-box, und es funktionierte sogar. Sicherlich ist seitdem bei Eclipse mit STS o.ä. einiges besser geworden, aber ich bin zufrieden mit der NetBeans IDE. Die akuten Schmerzen mit Eclipse bekomme ich trotzdem durch meine Arbeitskollegen mit. Mit 4.3 Kepler scheint aber wieder mehr Ruhe eingekehrt zu sein oder die Entwickler werden resistenter…

Wie nutzt du NetBeans hauptsächlich?

Benno Markiewicz: Ich nutze die Version 7.4 oder aktuelle „stabile“ Dev Builds von 8.0.

Auf Arbeit entwickle ich in einem Team voller Eclipse-Nutzer an einer großen 24/7-Webanwendung (JavaSE, Spring, Hibernate, GWT, Tomcat, Maven, Git). Zu Hause nutze ich die NetBeans IDE dann zur Entwicklung von Plug-ins, die meine tägliche Arbeit erleichtern, oder ich stelle Fixes/Patches für die NetBeans IDE selbst bereit.

Die wichtigstens Plugins für mich sind

* „Eclipse code formatter“ (damit formatiere ich meinen Java-Code nach dem in der Firma vorherrschenden Eclipse-Code-Style)

* „JRebel plugin“

* „Show path in title“ (damit ich den Pfad der aktuell editierten/selektierten Datei in der Titlebar sehe).

Nenne drei Features, die du an NetBeans liebst.

Benno Markiewicz: * Maven-Integration: Der JDK-Compiler wird verwendet und die Tests werden durch das maven-surefire-plugin durchgeführt. Somit ist die Ausführung 1:1 zu dem, was wirklich auf dem CI-Server ausgeführt wird.

* Git-Integration: Nicht ganz so feature-rich/bloated wie eGit, aber es funktioniert wenigstens, und man sucht nicht die Actions in den Kontextmenüs, welche sich von Perspektive zu Perspektive ändern.

* Erweiterbarkeit: Für kleine Erweiterungen reicht bereits einfaches Java-SE- und Swing-Wissen aus. Es gibt Wizards in der IDE und gute ausführliche Tutorials.

Was findest du an NetBeans nicht gut?

Benno Markiewicz: Debugging: Mir fehlt in der Variablensicht die Übersicht. Warum gibt es Unterknoten für statics und inherited members, die man ständig aufklappen muss? Zudem ist das Remote Debugging bzw. die Auswertung von Variablen/Ausdrücken langsam (im Vergleich zu den anderen IDEs).

Der folgende Punkt ist nicht wirklich negativ, aber manchmal vermisse ich persönlich Extension Points zur Erweiterung der IDE. Laut meiner Erfahrung sind die NetBeans-Entwickler sehr auf API-Kompatibilität bedacht und geben nicht viele APIs preis. Vielleicht auch ein Grund, warum viele der „alten“ Plug-ins immer noch problemlos unter neuen Versionen funktionieren?!

Welche Verbesserungen wünscht du dir für die Zukunft in NetBeans?

Benno Markiewicz: * Mehr noch Features für Java Core Developer (Quick-Outline, Filter auf Views, …)

* Mehr Usability und Geschwindigkeit beim Debugging

* Mehr Fokus auf Tastaturnutzung (analog Intellj IDEA)

2. IntelliJ IDEA: Christofer Dutz

Welche IDE nutzt du?

Christofer Dutz: Ich bin seit 5 Jahren ein totaler IntelliJ Fan.

Was liebst du an IntelliJ?

Christofer Dutz: – Content Assist lässt den von Eclipse wie ein Kinderspielzeug aussehen.

– Volltextsuche über ein gesamtes Projekt ist pfeilschnell dank Index auf alle Sourcen sowie komplettes lokales Maven Repo.

– Ein neues Plug-in kann Funktionalität im normalen Editor hinzufügen, anstatt wie bei Eclipse für alles eine eigene Ansicht zu haben. Somit kann man eine Java-Datei editieren und bekommt Hilfe zum Thema Java, AspectJ, Spring, JPA. Queries werden anhand der JPA-Konfiguration und der Datenbank validiert, und man bekommt beispielsweise mitgeteilt, dass das betreffende Property eigentlich einen anderen Typ hat oder eine Property noch nicht in der DB existiert.

– Wenn man wirklich mit Maven arbeitet (mehr als 4-5 Module), kann man mit IntelliJ nach einem pom-update nach kurzer Verzögerung weiter arbeiten. Bei Eclipse kann man sich da jedes Mal einen Kaffee holen und teilweise sogar trinken gehen.

– Die Verfügbaren Plug-ins funktionieren im Zusammenspiel (nicht wie bei Eclipse, wo man sich entscheiden muss, welches Plug-in man weglässt, weil es sich mit den anderen nicht verträgt).

– Support ist der absolute Hammer … vom Feature Request bis zur Verfügbarkeit des Features sind es teilweise nur wenige Tage, bei Bugs geht es teilweise noch schneller.

Was findest du an IntelliJ nicht gut?

Christofer Dutz: – Es kostet Geld (wenn auch verkraftbar viel … für Open-Source Committer gibt’s IntelliJ sogar kostenlos).

– Keine wirklich nutzbare Antlr-Unterstützung.

– Oft kann man in anderen Firmen noch nicht IntelliJ nutzen, dann muss man einen echten harten Entzug durchmachen.

Dein Fazit:

Christofer Dutz: Jeder, den ich kenne, der mal mit IntelliJ gearbeitet hat, ist total verdorben und will nichts anderes mehr.

3. Eclipse: Manuel Bork

Du bist Eclipse User. Warum?

Manuel Bork: Aus zwei Gründen: Erstens weil Eclipse meinen persönlichen Vorstellungen wie eine Entwicklungsumgebung sich anfühlen, aussehen und funktionieren sollte, am nächsten kommt. Zweitens weil Eclipse kein geschlossenes Produkt in Abhängigkeit von einem Hersteller ist, sondern eine offene Plattform mit einer sehr lebendigen Community, die die Weiterentwicklung aktiv und persönlich vorantreibt.

Wie nutzt du Eclipse hauptsächlich?

Manuel Bork: Zur Produktentwicklung / Eclipse-RCP-Entwicklung: Eclipse Kepler SR1, mit EGit, Mylyn, EMF/Ecore und UML Lab

Zur Webentwicklung: Eclipse Kepler SR1, mit EGit, Mylyn, m2e, Google GWT, JBoss Developer Studio und natürlich UML Lab 😉

Nenne drei Features, die du an Eclipse liebst.

Manuel Bork: – Offenheit und Erweiterbarkeit von Eclipse (Open-Source Plattform).

– Das View- und Perspektivenkonzept.

– Riesige Bandbandbreite an Plug-ins (sowohl Open Source als auch kommerzielle) durch die große, professionelle Community von Entwicklern und Unternehmen.

Nenne drei Punkte, die du an Eclipse nicht gut findest.

Manuel Bork: – Die Performance. Leider ist e4 insgesamt träge geworden. Außerdem beim Durchführen einzelner Operationen, wie z.B. beim Darstellen der Type-Hierarchy oder beim Durchführen von Refactorings.

– Die uneinheitliche (teilweise auch schlechte) Usability der Plug-ins.

– Maven-Unterstützung ist leider noch immer unzuverlässig

Welche Verbesserungen wünscht  du dir für die Zukunft in Eclipse?

Manuel Bork: Eclipse lebt von der Vielzahl an Plug-ins und Paketen für die verschiedensten Projekte. Es gibt nicht „das“ Eclipse. Wir müssen es aber zum einen Anwendern leichter machen, mit „ihrer“ Eclipse IDE (Plug-ins, Workspaces, Preferences) zu arbeiten. Das muss einfach tun und Spaß machen. Zum anderen müssen Anforderungen der Anwender besser und zielgerichtet in die Weiterentwicklung von Eclipse fließen.

Zum Glück reift aber allmählich das Bewusstsein, dass Open Source zwar frei verfügbar, aber nicht umsonst ist. Wir brauchen mehr Entwickler, die sich selbst aktiv einbringen und Unternehmen, die Eclipse als Anwender oder Anbieter unterstützen. Denn ich möchte, dass Eclipse sich auch langfristig als offene Entwicklungsumgebung für möglichst alle Arten von Softwareentwicklung im Markt behauptet. Ich möchte nicht meine komplette Entwicklungsumgebung jedes Mal wechseln, wenn ich Web Development mache oder RCP-Anwendungen entwickle, oder wenn ein einzelner Tool-Anbieter seine Firmenpolitik ändert. Das kennen wir schon von anderen Tools…

Welche Meinung hast du zu Eclipse, NetBeans und/oder IntelliJ IDEA?
Mach‘ mit in unserem IDE-Vergleich und beantworte die folgenden 5 Fragen zu deiner präferierten IDE:- Du bist Eclipse/NetBeans/IntelliJ User. Warum?
– Wie nutzt du Eclipse/NetBeans/IntelliJ hauptsächlich – (z.B. in welcher Version, für welche Zwecke, mit welchen Plug-ins/Features)?
– Nenne drei Features, die du an Eclipse/NetBeans/IntelliJ liebst.
– Nenne drei Punkte, die du an Eclipse/NetBeans/IntelliJ nicht gut findest.
– Welche Verbesserungen wünscht du dir für die Zukunft in Eclipse/NetBeans/IntelliJ?
Sende die Antworten einfach an die JAXenter-Redaktion.
Geschrieben von
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Content-Stratege, IT-Redakteur, Storyteller – als Online-Teamlead bei S&S Media ist Hartmut Schlosser immer auf der Suche nach der Geschichte hinter der News. SEO und KPIs isst er zum Frühstück. Satt machen ihn kreative Aktionen, die den Leser bewegen. @hschlosser
Kommentare

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8 Kommentare auf "Java-IDEs im Vergleich: Eclipse vs. NetBeans vs. IntelliJ"

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Fatih Zorlu
Gast

Siehe Fazit von oben! Mehr gibt es für IntelliJ nicht zu sagen. Eine Klasse für sich.

Tom Madison
Gast

Schon ein Shit wenn man bedenkt, dass man ein jdk in einem Ordner hat, und sehrwohl IntelliJ als auch Eclipse nicht in der Lage sind zumindest hochzustarten und den User nach dem JDK Pfad zu fragen… Kein Vergleich zu Netbeans welches startet und man dann sogar mehrere JDK's für verschiedene geöffnete Projekte setzen kann. Out of the box solution: Netbeans. Die anderen sind nur Rumgefrickel. Auch wenn die IDE's an sich nicht schlecht sein mögen, derartige Dinge sind einfach lausig.

Andreas
Gast

Nachdem ich jetzt fast 10 Jahre Eclipse Anhänger war, musste ich ihm nach der Einführung von git in unserem Projekt, den Rücken kehren. Die maven und git integration bei großen multi modularen Projekten ist einfach zu träge. Die Arbeitsweise mit git und Performance ist bei intellij einfach besser.

Andreas
Gast

Obwohl ich blutiger Anfänger bin, war die Installation von Eclipse ein Kinderspiel.

Maximilian
Gast

Ich bin seit 4 Jahren Eclipse-Nutzer und habe mich in letzter Zeit nach Alternativen umgesehen. Bei IntelliJ hat mich die Tatsache, dass man, um alle Features nutzen zu können, einen für Privatanwender heftigen Preis zahlen muss, abgeschreckt. Obwohl mir das Design ziemlich gute gefällt, habe ich hier nicht das Gefühl, eine nutzerfreundliche IDE zu nutzen.

Da mich bei Eclipse die oft bemängelten Ladezeiten immer mehr stören, werde ich mir wohl NetBeans etwas genauer anschauen.

Simon
Gast

IntelliJ ist und bleibt einfach die Beste IDE für Java und paar andere Sachen.

Andreas Dietrich
Gast
Ich bin begeistert von Eclipse für alle mögl. Anwendungen (Java EE, GWT, Maven, ANT, Gradle, GIT, Python, Groovy, Jasper Reports, BIRT Reports, Datenbank-Entwicklung/Wartung, SSH/SCP, Logging uvm.), aber evtl. nur, weil ich mich auch hin und wieder hinsetze, und es zentral für alle Entwickler aufsetze/update und umfangreiche Dokus zur Workspace-Konfiguration pflege. Man kann alles ausreichend performant in einer IDE machen. Man darf nur nicht glauben, dass es alles so leicht schmiert wie IntelliJ oder Netbeans in spezielleren Anwendungsgebieten mit insgesamt eher limititerer Funktionalität (in spezielleren Bereichen). Eclipse für EIN gezieltes Anwendungsgebiet zu nutzen, geht einfach und performant. Sobald man mehr will,… Read more »
Andreas Dietrich
Gast

(limitierter Funktionalität anderer IDEs war gemeint)