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Java-GUIs in Rekordzeit erstellen: RAD-Tool EntireJ freigegeben

Hartmut Schlosser

Das Entwickler-Tool EntireJ steht ab sofort kostenlos zur Verfügung. Das hat der gleichnamige Tooling-Anbieter mit Sitz im schweizerischen Neerach auf der W-JAX 2013 bekannt gegeben.

EntireJ ist eine RAD-Umgebung (Rapid Application Development) für das Bauen von skalierbaren Enterprise-Anwendungen. Es ordnet sich in den Kontext der 4GL-Sprachen ein, da mit wenigen deklarativen Elementen ganze Business GUIs erstellt werden können, ohne die Programmiersprachen der verschiedenen Client Frameworks zu kennen.

EntireJ hinterlegt alle GUI-Definitionen technologieneutral in einem XML-Format und kann dieses anschließend an verschiedene Client-Technologien weiterleiten. Der Client-Code wird dabei nicht kompiliert sondern durch verschiedene Client-Komponenten zur Laufzeit gerendert. Möglich ist dies derzeit für Desktop-Applikationen in RCP und JavaFX, Web-Anwendungen mit RAP (Eclipse Remote Application Platform) und native Mobile-Apps für Android und iOS. 

Im Gespräch mit JAXenter bezeichnet EntireJ-Gründer Paul Harrison die Vorgehensweise als „Point & Click“. Zwar wird kein echter WYSIWYG-Editor geboten, doch können visuell GUIs zusammengeklickt werden, die Just-in-Time in einem Preview-Modus zur Verfügung stehen. Laut Harrison lassen sich so nach einer kurzen Einarbeitungszeit Business-Masken in Rekordzeit erstellen. Nur minimale Java-Kenntnisse seien erforderlich, sodass sich Entwickler voll auf die Businesslogik konzentrieren könnten.

Hervorgegangen ist EntireJ aus einem Großprojekt bei der Schweizer Bank, in dem eine Oracle-Forms-Anwendung nach Java migriert werden sollte. Damals sei das Konzept entstanden, das in den letzten zwei Jahren verfeinert wurde und jetzt in Form von EntireJ als allgemeines Tooling bereit gestellt wird.  

In der unten stehenden Präsentation wird EntireJ kurz vorgestellt. Die Formel lautet dort: „A Service Oriented 4GL Approach to Java Application Developers.“ Statt sich also mit den unterschiedlichen GUI-Technologien im Java-Bereich herumzuplagen, die leicht komplex werden und zudem schnellen Änderungszyklen unterliegen, wird die Business-Logik von der GUI-Darstellung getrennt. Der „Gordische Knoten“ zwischen GUI und Logik wird so quasi durch EntireJ als Zwischenschicht durchschnitten.

Diese Idee der Entkoppelung ist nicht neu und wird beispielweise von Projekten wie OpenDolphin (canoo) oder Tabris (EclipseSource) umgesetzt. Die Einbettung in den RAD-Kontext der visuellen Programmierung stellt jedoch eine Besonderheit dar – mit den bekannten Vor- und Nachteilen. So lassen sich durch den „Rapid Application Development“-Ansatz komplette Anwendungen ohne weitreichende Programmierkenntnisse erstellen. Andererseits bleibt man typischerweise an die Vorgaben des jeweiligen RAD-Tools gebunden, sodass individuelle Änderungswünsche nur schwer umzusetzen sind.

Inwiefern EntireJ dieser Spagat zwischen einfacher Konfiguration und flexibler Gestaltungsmöglichkeit gelingt, können Sie am besten selbst nach dem Download des Tools auf der EntireJ-Projektseite beurteilen. Benötigt wird eine Installation des EntireJ Plug-ins in Eclipse, vorzugsweise in eine der neuesten Distributionen für Java EE Developer. Für JavaFX-Anwendungen wird das e(fx)clipse-Projekt empfohlen.  

Für Januar 2014 ist übrigens eine Apache-2.0-basierte Version von EntireJ geplant, mit der das Tool dann auch komplett Open Source werden soll. Unter anderem steht hier die Integration des EclipseSource-Projektes Tabris auf der Roadmap.

Geschrieben von
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser ist Redakteur und Online-Koordinator bei Software & Support Media. Seine Spezialgebiete liegen bei Java-Enterprise-Technologien, JavaFX, Eclipse und DevOps. Vor seiner Tätigkeit bei S & S Media studierte er Musik, Informatik, französische Philologie und Ethnologie.
Kommentare
  1. robert2013-11-19 07:43:58

    Echtes WYSIWYG kann z.B. VisionX das auf dem OpenSource Application Framework JVx basiert. Es ist auch leichtgewichtig und man braucht keine aufwändigen config files.

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