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Uwe Schindler kommentiert Oracles neue Lizenz- und Release-Politik

Ist Java endlich frei? – Ein Kommentar

Hartmut Schlosser

© Shutterstock / Merydolla

 

Oracle hat letzte Woche wichtige Veränderungen in der Lizenz-Politik für Java angekündigt. Ab JDK 9 soll das OpenJDK unter der GPL verteilt werden. Zudem sollen die Binaries des OpenJDK und des kommerziellen Oracle JDK angeglichen werden. Ist Java damit nun endgültig Open Source? Wir sprechen mit Uwe Schindler über die Auswirkungen dieser Entwicklung.

Java – endlich frei?

Historische Veränderungen stehen an im Java-Land. Einerseits hat Mark Reinhold von Oracle angekündigt, Java-Releases nicht mehr Feature-getrieben, sondern nach einem fixen Zeitplan zu veröffentlichen. Demnach wird es alle 6 Monate eine neue Java-Version geben, alle drei Jahre zudem eine Version mit Langzeit-Support.

Doch vielleicht ist nicht das die wirkliche News der Woche gewesen. Noch größere Wirkung könnte nämlich die erklärte Absicht entfalten, die OpenJDK Builds zukünftig unter der Open-Source-Lizenz GPL zu veröffentlichen und mittelfristig alle Unterschiede zwischen den Binärversionen des OpenJDK und des kommerziellen Oracle JDK abzubauen.

Mike Milinkovich, Direktor der Eclipse Foundation, stellt in seinem Blogbeitrag „Java: Free At Last“ die historische Tragweite dieser Veränderungen klar heraus:

Java will finally be freed of the explicit and implicit field of use restrictions which have dogged it since its invention. Developers will be free to use Java on any device, without requiring any additional licensing or other permission. I believe that this is going to lead to a resurgence of innovation in the Java ecosystem.
[…]
A little over a decade ago, Sun Microsystems started the process of open sourcing Java. It seems that Oracle is finally finishing the job. Good for them.

Wir haben Uwe Schindler, PMC-Mitglied von Apache Lucene und Contributor am OpenJDK-Projekt, gebeten, die von Oracle vorgeschlagenen Veränderungen einzuschätzen. Was genau bedeutet die neue Release- und Lizenzpolitik für User?

Wie Open Source ist Java?

JAXenter: Oracle hat angekündigt, OpenJDK Builds zukünftig unter der GPL zu veröffentlichen und keinen Unterschied mehr zwischen den OpenJDK Binaries und den Oracle JDK Binaries mehr zu machen. Was genau bedeutet das? War Java nicht ohnehin schon Open Source?

Uwe Schindler

Uwe Schindler: Der Kern von Java ist bereits seit Java 7 identisch zwischen den OpenJDK Builds und den Oracle Builds. Damit war es auch eigentlich seit Java 7 problemlos möglich, beide auszutauschen, zumindest im Serverumfeld. Insofern kann man sagen: “Java ist Open Source”. Aber es gab teilweise Unterschiede in der Implementierung einiger Komponenten. Gerade im GUI-Umfeld (AWT/Swing) gab es einige Teile, welche in OpenJDK ausgespart waren (Soundausgabe, Grafikbearbeitungsfunktionen).

Die OpenJDK-Builds, die dann in Linux-Distributionen verteilt wurden (IcedTea), hatten dafür teilweise Ersatz als Patches eingebaut. Der Anteil von proprietären internen Implementierungen hat jedoch im Laufe der Zeit stark abgenommen.

Noch heute gibt es allerdings Unterschiede im Lieferumfang der zwei Builds. Die Oracle-Variante enthält noch extra Tools wie den Flight Recorder. Diese sollen jetzt auch Open Source gemacht werden. Allerdings wurden schon mit Java 9 zahlreiche solche Tools entfernt (das ist auch eine Variante, dem “Open-Source-Problem” aus dem Weg zu gehen); unter anderem betraf das jhat und hprof.

Ist Java mit der Umstellung auf die GPL und der Binary-Angleichung nun komplett Open Source wie z.B. Apache Lucene?

Uwe Schindler: Im Prinzip schon, allerdings ist teilweise die Entwicklungskultur anders als in klassischen Open-Source-Projekten. Diese leben davon, dass alle mitmachen können. Hier hapert es aber noch! Alles, was zu OpenJDK/Java hinzugefügt werden soll, muss durch ein Review, das sehr Oracle-dominiert ist. Bei Apache-Projekten wie Lucene ist das anders: Hier ist eher Review-After-Commit angesagt, und jeder kann mitreden, nicht nur ausgewählte Leute.

Es gab zur Lizenzpolitik Javas in der Vergangenheit ja einige Streitigkeiten: Ich denke da z.B. an Apache Harmony und Googles Android. Sind diese Streitigkeiten damit vom Tisch?

Uwe Schindler: Durch die letzten Änderungen hat sich an dem Statement der Apache Software Foundation nichts geändert. Das Problem damals ging ja um das TCK (Technology Compatibility Kit). Allerdings hat Oracle noch kein öffentliches Statement dazu abgegeben, wie das zu handhaben sein wird. Doch scheint sich auch da etwas zu bewegen, warten wir’s ab!

Wie schätzt du persönlich Oracles Entscheidung ein?

Uwe Schindler: Ich hoffe, dass zukünftig vor allem durch die viel kürzeren Entwicklungszyklen neue Features frühzeitiger den Usern zur Verfügung gestellt werden. Dies wird bestimmt auch viele Entwickler dazu animieren, an OpenJDK mitzuwirken. Die langen Release-Zyklen derzeit sind wirklich für Developer nicht animierend, Vorschläge zu machen oder Code/APIs vorzuschlagen. Bis zurzeit ein Feature draußen ist, ist man schon fast in Rente oder bei einer anderen Firma und braucht es gar nicht mehr!

JAXenter: Vielen Dank für deine Einschätzung!

Uwe Schindler ist Mitglied des Project Management Committee im Apache-Lucene-Projekt. Er ist mit seiner Consulting-Firma SD DataSolutions GmbH in Bremen ansässig und kümmert sich am Zentrum für Marine Umweltwissenschaften (MARUM) um die Suche nach geowissenschaftlichen Daten in der Umweltdatenbank PANGAEA.Blog: http://blog.thetaphi.deTwitter: @ThetaPh1

HINTERGRUND ZUM THEMA:

Java SE: Neue Versionen zukünftig zweimal im Jahr & viele Features auch Open Source

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Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser ist Redakteur und Online-Koordinator bei Software & Support Media. Seine Spezialgebiete liegen bei Java-Enterprise-Technologien, JavaFX, Eclipse und DevOps. Vor seiner Tätigkeit bei S & S Media studierte er Musik, Informatik, französische Philologie und Ethnologie.
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