Java-Fork? Die 4 Optionen für Java-Entwickler

Hartmut Schlosser

Die Idee der Abspaltung einer alternativen Java-Variante vom Oracle-kontrollierten Java wird derzeit heiß diskutiert in der Blogosphäre. Während die einen sich bereits als Taufpaten anbieten und die Namen Lava, Hava oder Mava ins Spiel bringen, reagieren die anderen mit Skepsis.

Als eine von vier Optionen betrachtet Joseph Ottinger von TheServerSide den Java-Fork in seinem Blogposting „The Future of Java: forking, death, or stasis„. Die Community steht für ihn derzeit vor folgenden Handlungsmöglichkeiten:

  1. Den Status Quo akzeptieren
  2. Einen Java-Fork durchführen
  3. Eine unabhängige Java Foundation gründen
  4. Java aufgeben und zu einer alternativen Sprache wechseln

Zu Option 1: Entwickler könnten einfach den aktuellen Stand der Dinge hinnehmen: Oracle kontrolliert die Java-Spezifikationen, hält den JCP kurz und geht gerichtlich gegen jeden vor, der gegen Lizenzen des Technology Compatibility Kits verstößt. So furchtbar ist diese Möglichkeit für Ottinger nicht: Es würde der Community 2011 eine neue Java-Version bescheren, 2012 eine weitere – und sei ohnehin nicht so weit vom Zustand unter Sun in den letzten Jahren entfernt. Problem dabei wäre allerdings, dass durch die Oracle-Dominanz kein Wettbewerb stattfinden könnte und die Community mit der Oracle-Definition leben müsste: Gut für Java ist nur, was auch gut für Oracle ist!

Zu Option 2: Die Etablierung einer alternativen, Community-getriebenen Java-Variante: Änderungen im Oracle-Java würden auch ins Community-Java aufgenommen, Community-getriebene Änderungen würden aufgrund des Marktdrucks auch in das Oracle-Java einfließen. Allerdings bleibe das Patent-Problem auch bei einem Java-Fork bestehen: Oracle könnte auch hier Urheberrechte geltend machen, ein ähnliches Abhängigkeitsverhältnis wie Mono zum .NET-Framework könnte entstehen (wo nur ein Patentabkommen zwischen Microsoft und Mono-Entwicklerhaus Novell Urheberrechtsklagen verhindert). Zweiter Problempunkt: Unternehmenspolitik würde noch stärker auf dem Rücken der Java-Plattform ausgetragen als das ohnehin schon der Fall ist.

Zu Option 3: Die Gründung einer unabhängigen Java Foundation würde zwar von einer breiten Unternehmensbasis unterstützt – auch Oracle selbst hatte eine solche Institution vor der Sun-Übernahme gefordert. Bedeuten würde dies allerdings, dass Oracle die Kontrolle über Java aufgeben müsste (und damit z.B. auch die Klage gegen Google wegen Android). Zum jetzigen Zeitpunkt eine eher unwahrscheinliche Entwicklung.

Zu Option 4: Vielleicht öfter als gedacht entscheiden sich Entwickler dafür, Java schlicht hinter sich zu lassen und sich anderen Programmiersprachen zuzuwenden: Google Go, Python, Ruby erwähnt Ottinger hier. Oft genug werde Java heute schon als Legacy-Umgebung angesehen. Die Zuwendung der Java-Community hin zu einer Sprachalternative würde der neuen Sprache einen Produktivitätsschub bescheren. Die bei Java vermisste Freiheit wäre gegeben, die von Java her bekannten Fehlentwicklungen könnten vermieden werden.

1, 2, 3 oder 4?

Zu welcher Option tendieren Sie? Ottinger lässt Sympathien für Nr. 1 und Nr. 4 durchblicken. Einem Fork steht er kritisch gegenüber, eine Java Foundation werde es schwerlich geben.

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Hartmut Schlosser
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