Java Everywhere – Oracle lässt den Duke tanzen

Hartmut Schlosser

In der ersten JAX-Keynote berichtete Dennis Leung direkt aus dem Oracle Headquarter. Auf dem Programm stand Oracles Plattform-Strategie, die Java für die Herausforderungen der nächsten Jahre fit machen soll. Leung´s Fazit: Java Everywhere – The Vision Becomes True, Again.

Dennis Leung: Java Everywhere – The Vision Becomes True, Again.

Leungs Keynote schloss nahtlos an, an Sebastian Meyens Eröffnungsrede, in der der JAX Program Chair aktuelle Trends nachzeichnete, die insgesamt zu einer Neuorientierung alteingesessener Technologien führen müssen. Auch Leung sieht Entwicklungen wie die mobile Revolution, Cloud Computing und die immer erschwinglicher werdende Hardware als Katalysator für technologische Veränderungen. Wie stellt sich Oracle diese Veränderungen für die Java-Plattform vor?

Community Driven, Proven Technology, Oracle Leadership – diese drei Schlagworte machen laut Dennis Leung Java heute aus. Und so war es dem Vice President of Development, Oracle Fusion Middleware, zunächst ein Anliegen, zwei Jahre nach der Übernahme von Sun durch Oracle eine Bilanz zu ziehen:

Nach einer ersten Evaluierungsphase, in der eine Neustrukturierung und strategische Investitionsplanung vorgenommen werden musste, seien 2011 die ersten Ergebnisse des Oracle-Bekenntnisses sichtbar geworden, Java wieder voran zu bringen (Moving Java forward):

  • JDK 7 Release
  • JRockit unter der JDK-Lizenz
  • Glassfish 3.1.1
  • Java EE 7 auf den Weg gebracht
  • JavaFX 2.0
  • JCP-Reform
  • Einbezug der Java User Groups
  • Wiederaufnahme der JavaOne

Interessanter war der folgende Blick auf die strategischen Roadmaps, die bis zum Release von Java 8 im „Sommer 2013“ und darüber hinaus reichten.

Mit dem Java 8 Release wagt Oracle den großen Wurf. Neben den geplanten Sprachverbesserungen wie Modularisierung (Project Jigsaw) und Closures (Project Lambda) ist im Zuge des Releases auch die Konvergenz der Java VMs, JavaFX 3.0 (JCP-standardisiert als OpenJFX-Projekt), NetBeans.next, die Verfügbarkeit der JVM-JavaScript-Engine Nashorn und die Fertigstellung von Java EE 7 angesagt. GlassFish 4.0 soll Ende 2013 kommen, die Java Enterprise Suite für eingebettete System bereits im Laufe des Jahres 2012.

In Java EE 7 steht bekanntermaßen die Cloud im Zentrum, die sich zunehmend als eine Art „Self Service Data Center“ etabliere. Die Java-Community benötige einen Standard für das Bauen von Cloud-Anwendungen – und dieser Standard heißt laut Leung Java EE 7. Im Gegensatz zu heutigen Systemen, die von proprietären Geschäftsmodellen getragen seien, habe der Java-EE-Standard den Vorteil, einen Vendor-Lock-in zu vermeiden.

Ein Multi-Tenancy-Standard ist geplant, außerdem JMS 2.0, Caching API, JSON API, CDI und erweiterter REST Support, zudem Concurrency APIs innerhalb von Containern. Leung betonte, dass für all die angedachten Features bereits JSRs existieren, viele Entwurfspapiere liegen bereits vor. Auf den Slides war auch zu lesen, dass es sich bei Java EE 7 um ein „Datums-getriebenes“ Release handeln wird. Vorteil: Wir können sicher sein, Mitte 2013 ein Java EE 7 Release zu erleben. Nachteil: Alles, was bis dahin noch nicht fertig ist, wird auf Java EE 8 verschoben.

In die Rubrik „Beyond Java 8“ ordnete Leung – neben Interoperabilität (Write Once, Run Everywhere), einer „Selftuning JVM“ und einem einheitlichen Typensystem – das Projekt Avatar ein. Mit Avatar plant man bei Oracle die Hochzeit zwischen HTML5 und Java. Die technologischen Grenzlinien des bereits zur JavaOne angekündigten Projektes blieben aber auch heute noch etwas unscharf. Die Art und Weise soll vereinheitlicht werden, wie Java ME, Java SE und Java EE verwendet werden kann. HTML und hybride Java-Anwendungen, „JSON over WebSockets“, das Ganze mit inhärenter Cloud-Anbindung über Java EE. Von einer „kompletten Lösung“ für die Entwicklung dynamischer Rich Clients war die Rede. Doch für Genaueres müssen wir wohl noch warten, bis der Avatar in öffentlichere Bahnen gelenkt wird.

Duke´s Auftritt auf der JAX-Bühne

Eines hörte man als Java-Entwickler auch gerne: Java soll (wieder) Spaß machen! Produktivitätssteigerungen und Easy of Development stehen bei Oracle hoch auf der Prioritätsliste. Und so verließ man den Keynote-Saal mit dem guten Gewissen, als Java-Entwickler einer Community anzugehören, die sich rüstet, den Herausforderungen der Zukunft zu begegnen – mit einem Java-Steward im Rücken, dem viel daran gelegen ist, den Duke auf allen Hochzeiten tanzen zu lassen: Java Everywhere – The Vision Becomes True, Again.

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Hartmut Schlosser
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