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Spring versus Java EE – Ein sinnloser Streit?

Java EE oder Spring? Weder noch!

Michael Thomas

© Shutterstock/rangizzz

Die in der Java-Community erst vor kurzem wieder einmal aufgeflammte Diskussion „Spring versus Java EE“ geht in eine neue Runde. Oder vielleicht besser gesagt: Darüber hinaus. Denn wie Lukas Eder auf dem jOOQ-Blog klar stellt, ist das Problem aus seiner Sicht die Schwäche des (de facto) existierenden Java EE-Standards sowie die zur Zeit nicht existente Alernative zu Spring und Java EE.

Der Großteil des aufgewirbelten Staubs in der Diskussion „Spring versus Java EE“ lässt sich Eder zufolge auf, wie er es nennt, „Troll-Marketing“ zurückführen: Den Versuch – den auch sein eigenes Unternehmen Data Geekery immer wieder unternimmt – in eine kontroverse Diskussion einzugreifen (bzw. diese überhaupt loszutreten), um eine Marketing-Botschaft los zu werden. Das Problem ist nun nicht, dass die „Standard-Evangelisten“ zu heftig auf derartige Konflikte reagieren oder dass zwei Anbieter versuchen, ihre jeweilige Community auf sich einzuschwören. Vielmehr, so Eder, ist das Problem, dass eine Partei (der JCP bzw. Oracle) versucht, sich auf dieselbe Stufe wie Normungsorganisationen à la ISO oder W3C zu schwingen.

Schwacher de facto-Standard

Zwar sei Java EE de facto ein Standard (was im übrigen auch für Spring gilt). Allerdings ein eher „schwacher“ Standard, was wiederum überhaupt der Grund für Springs Existenz sei. Die verschnupften Reaktionen von Seiten Oracles könnten laut Eder als Zeichen interpretiert werden, dass sich Java EE aufgrund seiner Schwäche von Spring als möglicher Alternative bedroht fühlt – bedenkt man den stetig gewachsenen Markterfolg von Spring kein unlogischer Gedankengang. Java EE dürfe, so Eder weiter, sich nicht hinter dem Standardisierung-Argument verstecken, sondern müsse einfach wieder schneller und besser als Spring werden – wofür er jedoch zumindest zur Zeit keine Hinweise sehen kann.

Trotzdem glaubt Eder nicht, dass Spring am Ende „gewinnen“ wird. Vielmehr glaubt er, dass aufgrund der zahlreichen (Nischen-)Anbieter und (Nischen-)Lösungen die Standards des Java-Ökosystems schwach bleiben: Auch aufgrund des raschen Wandels der Industrie sei es Organisationen oder Komitees wie dem JCP nicht möglich, Schritt zu halten. Beim Java-EE-Standard handele es sich deshalb eigentlich nicht um einen Standard, sondern statt dessen um eine bloße Ansammlung von nachweislich funktionierenden (und veralteten) Technologien. Der Umstand, dass Pivotal es geschafft habe, den Standard auf eigene Faust herauszufordern – und das schon seit Jahren – ist für Eder ein Hinweis darauf, dass in absehbarer Zeit mit weiteren Alternativen von anderen Anbietern gerechnet werden kann.

Typesafe und Microsoft im Aufstieg begriffen?

Wer diese Anbieter sein werden? Eder gibt zwei Tipps ab: Zum einen das schon bald einen neuen Namen tragende Typesafe, das seiner Einschätzung nach versucht, einen völlig neuen Software-Ansatz mit der JVM zu verfolgen (und auch ganz gerne auf Troll-Marketing zurückgreift). Zum anderen Microsoft, dessen letzte Schritte im Bereich Open Source darauf hinauslaufen könnten, .NET auf Basis von Linux zu etablieren – der Schritt zur JVM ist dann nicht mehr allzu weit. Ob es wirklich dazu kommt, ist natürlich völlig offen. Eines ist für Eder jedoch ausgemacht: Die derzeitigen Standards werden an Bedeutung verlieren, während der Wettbewerb zu mehr Alternativen im Bereich Infrastruktursofware führen wird. Die Diskussion „Spring versus Java EE“ würde sich also von selbst erledigen.

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Aufmacherbild: Fight, close up of two fists hitting each other von Shutterstock / Urheberrecht: rangizzz 

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Michael Thomas
Michael Thomas studierte Erziehungswissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und arbeitet seit 2013 als Freelance-Autor bei JAXenter.de. Kontakt: mthomas[at]sandsmedia.com
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