Interview mit Bernd Rücker

Java EE kann fast alles, außer BPM!

Bernd Rücker

Die Kombination von Business Process Management (BPM) und Java-EE-Technologien gehört zu den vielversprechenden Ansätzen, die jeder Architekt in sein Ideen-Reservoir aufnehmen sollte. Auf der W-JAX nächste Woche wird das Thema im Rahmen der Business Technology Days behandelt. Weiter können Sie sich mit dem Ansatz auf dem Java EE Summit beschäftigen, der vom 9. bis 11. Dezember in Berlin stattfindet (das vollständige Programm finden Sie im Zeitplaner auf der Event-Seite). Wir sprachen vorab mit Speaker Bernd Rücker über Java EE, BPM und eine mögliche Standardisierung im Rahmen des JCP.

JAXenter: Hallo Bernd! Java EE kann fast alles, außer BPM – das schreibst du in deinem Abstract für den Java EE Summit. Ist BPM ein Blind Spot der Java-EE-Spezifikation?

Bernd Rücker: Aus meiner Sicht auf jeden Fall. Eigentlich gehört dazu ein JSR für Process Engines her. Den gab es sogar schon einmal, doch ist er damals im Sande verlaufen – es war aber auch einfach zu früh dafür. Inzwischen gibt es mit BPMN 2.0 einen akzeptierten ISO Standard, und ein API für Process Engines sollte halbwegs generalisierbar sein. Aber ich denke, jeder weiß um die politischen Hürden eines JSR und einer  Standardisierung. Uns fehlt leider aktuell die Zeit dafür, das voran zu treiben – auch wenn ich es begrüßen würde.

JAXenter: Wie lassen sich Process Engines am besten in Java-EE-Architekturen integrieren?

Bernd Rücker: Es gibt meiner Ansicht nach drei Varianten, eine Process Engine zu betreiben: Embedded (als Framework/jar in der eigenen Anwendung), Shared als Container-Dienst (wie z.B. JPA oder CDI) und Remote via REST/SOAP. Alle haben ihre Berechtigung, aber ich glaube, dass die Shared Variante perfekt in die Java-EE-Welt passt, da sie sich verhält wie andere Komponenten auch und als Teil des Containers mit kommt. Damit muss man sich nicht mit Konfiguration und Bootstrapping beschäftigen, sondern kann es einfach verwenden. Diese starke Vereinfachung kann dem Thema helfen, besser angenommen zu werden.

JAXenter: Du selbst bist maßgeblich für die Open-Source-Lösung camunda BPM verantwortlich. Welche Lösungen gibt es daneben noch?

Bernd Rücker: In der Open-Source-Welt – und nur hier gibt es IMHO überhaupt Engines, die die notwendige Einbettbarkeit mitbringen – gibt es neben camunda BPM vor allem Activiti von Alfresco (camunda BPM ist ein weiter entwickelter Fork von diesem Projekt), JBoss jBPM, Bonita BPM und Eclipse Stardust. Diese Lösungen haben alle ihre Unterschiede – aber wir sind natürlich die Besten 😉 Spannend ist auf jeden Fall zu sehen, dass sich bis auf Stardust alle auf BPMN 2.0 konzentrieren.

JAXenter: Welche Zielgruppe willst du mit deinem Workshop „Java EE meets BPM(N)“ ansprechen?

Bernd Rücker: Ganz klar: Java Entwickler – gerne auch ohne Workflow/BPM Erfahrung. Ich kann ihnen dann konkret und hands-on zeigen, dass BPM auch für sie spannend sein kann und man keine Angst davor haben muss. Damit ich mir in Zukunft einfach nicht mehr so viele selbstgeschriebene Workflow Engines ansehen muss – man schreibt ja auch keinen OR-Mapper mehr von Hand!

JAXenter: Vielen Dank für dieses Gespräch!

Bernd Rücker ist Mitgründer und Geschäftsführer der camunda. Aber er ist auch Softwareentwickler, Trainer und Consultant. Er hat vor camunda BPM aktiv an der Entwicklung der Open Source Workflow Engines JBoss jBPM 3 und Activiti mitgearbeitet. Bernd begleitet seit zehn Jahren Kundenprojekte rund um BPM, Process Engines und Java Enterprise. Er ist Autor mehrerer Fachbücher, zahlreicher Zeitschriftenartikel und regelmäßiger Sprecher auf Konferenzen.

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