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Apache vs. Eclipse?

Die Zukunft von Java EE sieht rosig aus: Das sagen die Experten

Gabriela Motroc
Java EE

© Shutterstock.com / Banke

Die Zukunft von Java EE wird derzeit heißer diskutiert als je zuvor. War Oracles Entscheidung, Java EE an eine Open-Source-Foundation abzutreten, richtig? Welches wäre die beste Foundation für Java EE? Sollte Java EE umbenannt werden? Diese und weitere Fragen stehen aktuell im Raum. Wir haben mit Ivar Grimstad, Martijn Verburg, Reza Rahman und Josh Juneau über die Thematik gesprochen.

Es ist immer wieder interessant zu sehen, was alles in einem einzigen Jahr passieren kann. Letztes Jahr wollten noch einige Leute versuchen, Java EE zu retten und dessen Erbe zu beschützen. Mitglieder der großen Community hatten seinerzeit zu diesem Zweck die „Java EE Guardians“ formiert. Kurz darauf öffnete MicroProfile seine Tore, ein offenes Forum, das gegründet wurde, um Enterprise Java mit Microservices zu vermählen. Viele fragten sich im vergangenen Jahr, wie man Java EE am Leben erhalten könnte.

Nun, ein Jahr später, sieht es aus, als sei Java EE endlich auf dem rechten Pfad angelangt. Letzten Freitag kündigte Java EE Evangelist David Delabassee in einem Blog-Post an, dass mit der nahenden Veröffentlichung von Java EE 8 für Oracle die Möglichkeit bestehe, die Art und Weise der Entwicklung von Java EE zu überdenken. Ein agileres Java EE sei das Ziel, das besser auf die Veränderungen der Bedürfnisse von Industrie und Technologie reagieren könne.

We believe that moving Java EE technologies to an open source foundation may be the right next step, in order to adopt more agile processes, implement more flexible licensing, and change the governance process.

— David Delabassee

Bei Red Hat fand diese Entscheidung vollste Zustimmung. Das Unternehmen unterstrich in diesem Zuge noch einmal seinen Willen zur Unterstützung und Weiterentwicklung von Java EE. Red Hat machte dabei deutlich, dass Java EE in den Händen einer Open-Source-Foundation viele Vorteile genießen dürfte, zum Beispiel

  • die Open-Source-Kultur, die Red Hat ebenfalls begeistert lebe,
  • die Chance auf eine wachsende Community,
  • eine etwas tolerantere Lizenz, die die Mitarbeit erleichtern und neue Implementierungen bzw. Distributionen ermöglichen könnte,
  • die Flexibilität, sich schneller zu entwickeln und
  • eine Community-getriebene Führung und Verwaltung sowie Einbringungen und Feedback aus besagter Community.
  • Auch Payara Services begrüßt den Wechsel zu einem Open-Source-Modell:

    Ist Oracles Entscheidung richtig? War sie überfällig? Das sagen die Experten

    Unsere Experten

    Ivar Grimstad ist Java Champion, JUG Leader & Softwarearchitekt mit einem Fokus auf Enterprise Java. Als Mitglied des Executive Committees nimmt er am Java Community Process (JCP) teil. Er ist zudem Spec Lead für den JSR 371 (MVC 1.0) und Mitglied der Expertengruppe für den JSR 375 (Java EE Security API).

    Martijn Verburg ist Co-Gründer & CEO von jClarity. Verburg ist Co-Leader der London Java Community und treibt die Arbeit an Java-Standards mit seinem Engagement bei den „Adopt a JSR“ & „Adopt OpenJDK“ Programmen voran. Seit 2012 ist er ein Java Champion.

    Reza Rahman ist Gründer der Java EE Guardians. Er war offizieller Java Technologist bei Oracle & war Mitglied der Expertengruppen für Java EE, EJB & JMS. Reza implementierte u.a. den EJB-Container für den Resin Open Source Java EE Application Server.

    Josh Juneau ist Entwickler für Java-Anwendungen und Mitglied des JCP, wo er Mitglied der Expertengruppen für den JSR 372 (JSF 2.3) und den JSR-378 (Portlet Bridge for JSF 2.2) ist. Er ist Java Champion sowie Mitglied des NetBeans Dream Teams und der Java EE Guardians.

    Ivar Grimstad: Ich halte das Ganze für eine großartige Idee! Es ist definitiv eine gute Gelegenheit für die Community, um noch weiter zu wachsen und anderen Anbietern durch eine tolerantere Lizensierung die Mitarbeit zu ermöglichen. Was das Timing angeht, sollten wir nicht in der Vergangenheit leben und uns nicht fragen, ob der Schritt hätte früher erfolgen sollen. Beginnt die Neulizensierung nach der Veröffentlichung von Java EE 8, haben wir ein starkes Fundament, auf dem wir aufbauen können.

    Martijn Verburg: Die Entscheidung an sich ist fantastisch, hat aber leider einen Haken: Zu diesem Zeitpunkt ist Oracle nicht bereit, neben den Reference Implementations (RIs) und den Technology Compatibility Kits (TCKs) auch das Branding zu stiften. Dies wiederum bedeutet, dass sich das, was bei der Open-Source-Foundation entwickelt wird, nach aktuellem Stand nicht Java EE wird nennen dürfen. In meinen Augen würde sich das sehr negativ auf den Erfolg des Projektes auswirken.

    Was auch immer bei einer Foundation entwickelt wird, dürfte sich nicht Java EE nennen.

    Die Übersiedlung zu einer Open-Source-Foundation halte ich jedenfalls für überfällig. Auch wenn ich Oracles wirtschaftliche Gründe nachvollziehen kann, hätten sie möglicherweise rein kommerziell mehr aus Java EE herausholen können, wenn sie sich auf das Anbieten von Zusatzprodukten und die Öffnung neuer Märkte für die Java-EE-Technologie konzentriert hätten, während sie Java EE selbst Open Source zur Verfügung gestellt hätten.

    Reza Rahman: Es ist in jedem Fall ein positiver Schritt. Unterm Strich ist es genau das, was viele große Anbieter schon seit langem in Bezug auf Java EE und auch Java selbst fordern, Oracle und Sun allerdings bislang ablehnten. Um ehrlich zu sein, ist es auch das, was sich die Community schon seit Ewigkeiten erhofft, sich aber nie zu fragen wagte. Insgesamt kann somit jeder gleichermaßen Java EE nach vorne bringen und ein essentieller Teil des Java-EE-Ökosystems werden.

    Jetzt ist es an der breiten Community und der Industrie, das Beste daraus zu machen und Server-seitiges Java kurz- und mittelfristig auf einen stärkeren und offeneren Pfad zu führen. Ich hoffe außerdem, dass Oracle selbst sich auch weiterhin an der Entwicklung beteiligt und Teil einer rosigen Zukunft sein sowie selbige in der Cloud haben wird.

    Wir sind allerdings noch ganz am Anfang und es gibt viele Details zu besprechen. Wir müssen alle weiter engagiert bleiben und darüber sprechen, was wir für den richtigen Weg halten. Wie man sieht, ist es so möglich, Dinge zu erreichen, die noch vor wenigen Monaten als unmöglich galten. Das Geheimnis ist es, prinzipientreu, konstruktiv, engagiert und beharrlich zu bleiben.

    Oracle hat Java EE zu einer stabilen, ausgereiften und sehr modernen Plattform gemacht.

    Josh Juneau: Ich denke Oracle trifft hier eine weise Entscheidung, die Java EE wirklich gut tun wird. Hinter Java EE steht eine große Community, die nach meinem Gefühl im Open Space gedeihen wird. Keine Ahnung, ob dieser Schritt bereits überfällig war, immerhin hat Oracle Java EE in den letzten Jahren zu einer stabilen, ausgereiften und sehr modernen Plattform gemacht. Ich persönlich denke zwar, dass es Zeit ist, Java EE offener zu machen, aber ich bin Oracle dankbar dafür, dass sie es in einen so guten Zustand gebracht haben, bevor sie diesen Schritt gehen.

    Java EE dürfte sich nach dem Umzug zu einer Open-Source-Foundation nicht mehr Java EE nennen, wie Martijn Verburg oben erklärte. Reza Rahman hat auf Twitter unterdessen eine Umfrage zum Thema gestartet, ob Java EE umbenannt werden sollte und wenn ja, in was:

    Welche Foundation sollte die neue Heimat von Java EE werden? Eine neu zu gründende Java EE Foundation, Eclipse, Apache oder eine ganz andere Organisation?

    Ivar Grimstad: Dazu habe ich keine wirkliche Meinung. Ich finde die Art und Weise, wie der JCP funktioniert und würde es begrüßen, wenn man dies beibehielte. Der JCP ist einer der Gründe dafür, dass Java und Java EE so erfolgreich sind.

    Martijn Verburg: Die Eclipse Foundation und die Apache Software Foundation würden sich beide wunderbar dafür eignen, denn immerhin haben sie sich doch beide bereits seit langem als Heimat für Java-Technologien bewährt.

    Reza Rahman: In meinen Augen sind die Eclipse Foundation und die Apache Software Foundation beide eine gute Wahl dafür. Es sprechen allerdings einige Gründe dafür, dass die Eclipse Foundation an dieser Stelle das Rennen machen wird. Das MicroProfile-Projekt ist bereits dort und die Eclipse Foundation eignet sich besser für großunternehmerische Stakeholder, die Java EE hat und auch, neben der Unterstützung durch Einzelpersonen, Communities und kleinere Anbieter, weiterhin brauchen wird. Ich denke nicht, dass es nötig ist, das Rad mit der Gründung einer weiteren Open-Source-Foundation neu zu erfinden. Die etablierte Präsenz einer bereits existierenden Foundation wird dabei helfen, mit Java EE einen frischen und starken Neubeginn durchzuführen.

    Josh Juneau: So ganz hundertprozentig bin ich noch nicht sicher, welche Foundation die richtige wäre, dazu müsste ich mich erst eingehender mit den Kandidaten befassen. Es ist dabei natürlich zu beachten, dass Projekte wie MicroProfile in der Eclipse Foundation sehr gut aufgehoben zu sein scheinen. Aber auch die Apache Software Foundation ist nicht zu verachten, wo bereits etliche Projekte mit Bezug zu Java gehostet werden – und das seit Jahren. Auch Netbeans ist derzeit auf dem Weg, ein Apache-Projekt zu werden. Bei dem ganzen Übergang wird die Öffnung der TCKs eine zentrale Rolle spielen. Es macht also durchaus Sinn herauszufinden, welche Foundation den nahtlosesten Übergang garantieren kann.

    Laut einer Umfrage von Reza Rahman sind 64 Prozent der 1.116 Teilnehmer davon überzeugt, dass die Apache Software Foundation die richtige Wahl wäre, 17 Prozent präferieren die Eclipse Foundation. Lediglich 11 Prozent sind dafür, dass Java EE weiterhin von Oracle verwaltet wird.

    Die ganze Idee, Java EE Open Source zu machen, wird weiterhin von der Community, den Lizenzinhabern und verschiedenen Foundations besprochen werden. Fakt ist, dass vor der Veröffentlichung von Java EE 8 nichts in dieser Richtung passieren wird.

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Geschrieben von
Gabriela Motroc
Gabriela Motroc
Gabriela Motroc ist Online-Redakteurin für JAXenter.com. Vor S&S Media studierte Sie International Communication Management an der The Hague University of Applied Sciences.
Kommentare
  1. Rüdiger Möller2017-08-30 01:17:58

    Das Pfeiffen im Walde...

    Sieht man sich die Anzahl der "Stars" der zugehörigen Projekte auf Github an, könnte man auf den Gedanken kommen, daß da nicht viel Community ist (weil: leider unsexy). Die Entwicklung muss also durch die Firmen finanziert und bei den Dev's "durchgedrückt" werden.

    Wenn ich die Spec sehe kräuseln sich mir die Fingernägel. Man bäckt die Protokollcodierung tief in den Standard, damit ist man auf jeden Fall mal an Http/REST+Request/Response als Kommunikationinfrastruktur gebunden.
    Microservices lassen sich aber auch prima auf TCP oder WebSockets bauen (schneller und flexibler). Rest ist vor ja vorwiegend sinnvoll für public-facing services.
    Eine Messaging/Kommunikations-Abstraktion täte hier not um anforderungsabhängig eine geeignete Messaging-/Kommunikationsinfrastruktur wählen zu können.

    Performen wird das eher nicht (hoher en-/decoding aufwand, ineffizientes Protokoll), Datenstreaming ? - nicht vorgesehen bzw. nur mit lahmen Hacks (Polling und seinen hässlichen Brüder) zu realisieren.

    Meine Einschätzung: Im Zeitalter des technischem Tribalismus wird die Masse der Dev's das Kommitee ignorieren und sich auf Nodejs stürzen (die machen da nämlich einiges richtig). Es finden sich aber bestimmt auch einige enthusiastische Enterprise Architekten, die Ihrer Entwicklungsmannschaft ein derart halbgares Framework zumuten möchten (Diagnose: zu viel Content-Marketing gelesen - zu wenig selbst experimentiert).

    Achja, der obligatorische Link: https://github.com/RuedigerMoeller

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