Interview mit Jens Schumann

'Java EE 8 sollte das Server-Denkmodell ein wenig verlassen'

Hartmut Schlosser
Jens Schumann

Java EE 7 ist zwar der aktuelle Standard, real arbeiten viele aber noch mit älteren Versionen der Java Enterprise Edition. Das Thema „Migration“ steht deshalb in zahlreichen  Unternehmen auf der Agenda. Wir sprachen mit Jens Schumann (open knowledge) über Migrationsstrategien und wagen einen Ausblick auf die nächste Version Java EE 8.

JAXenter: Java EE 7 ist der aktuelle Standard. Wie stark ist der deiner Erfahrung nach bereits in den Unternehmen im Einsatz?

Jens Schumann: In unserem direkten Umfeld und insbesondere bei unseren Kunden sehen wir ein starkes Interesse an Java EE 7. Auslöser sind zum einen bestimmte Java EE 7 Features (neue JAX-RS Version, JSF FacesFlow, Batch API,…), aber auch der Zeitpunkt des Releases von EE 7. Heute, 9 Jahre nach dem Release von Java EE 5 und knapp fünf Jahre nach dem Release von EE 6 ist in den Unternehmen Potential für Neues, aber auch Potential für Konsolidierung. Gerade auch für technologisch sehr konservative Unternehmen.

Aufgrund der üblichen Projektlaufzeiten unserer Kunden erwarten wir den produktiven Einsatz von EE 7 erst gegen Ende des Jahres. Die Projekte sind umfassende Neu-Entwicklungen aber auch Java-zu-Java-Migrationen, in denen zum Java EE Stack migriert oder von einer alten Java-EE-Version zu EE 7 upgraded wird. Dies betrifft vor allem J2EE-1.4- bzw. EE-5-Anwendungen, aber auch Anwendungen aus den Anfängen serverseitiger Enterprise-Java-Entwicklung.

JAXenter: Oracle hatte die Community ja nach deren Priorisierung der Features für Java EE 8 gefragt. Die Cloud-Specs fielen dabei durch. Für dich eine Überraschung?

Jens Schumann: Eher nicht. Mein Standpunkt zum Thema Cloud hat sich seit den ersten Ankündigungen von Oracle kaum verändert. Ich sehe die EE-Plattform und viele typische EE-Nutzer noch weit weg von der Cloud, und die Cloud nach Oracle-Verständnis noch weit weg von einer Lösung für den typischen EE-Nutzer. Das soll nicht bedeuten, dass die Cloud nicht große Chancen für viele Unternehmen bietet. Die bisher diskutierten Ansätze von Oracle passen meiner Meinung nicht dazu.

JAXenter: Was würdest du selbst gerne in Java EE 8 sehen?

Jens Schumann: Zugegebenermaßen ruft es sich immer leicht nach dem nächsten großen Ding, und natürlich erwartet man das auch von mir.

Ich halte mich aber an dieser Stelle bewusst zurück und wünsche mir stattdessen deutlich mehr Mut bei der Java-EE-Vergangenheitsbewältigung. Beispielsweise kann die JSF Spec deutlich dünner werden, wir benötigen auf keinen Fall mehrere Varianten an Managed Beans, und gerade die EJB Spec enthält immer noch zu viel, das eigentlich in andere Specs gehört. Darüber hinaus würde ich mir wünschen, dass die kleinen Verbesserungspotentiale weiterhin Beachtung finden und so die weißen Flecken in den Java-EE-Spezifikationen immer weniger werden. Dies betrifft vor allem das Zusammenspiel von Technologien und insbesondere die Nutzung von CDI-Features in allen anderen Java-EE-Technologien.

Freuen würde ich mich, wenn die Java-EE-Plattform ein wenig das Server-Denkmodell verlassen würde und Konzepte entwickelt, wie heutige Client-Systeme besser in die Plattform integriert werden können. Hier stellt sich auch noch im Jahr 2014 zu oft große Ernüchterung ein.

JAXenter: In deinem Workshop zeigst du ja Strategien auf, um Legacy-Anwendungen auf Java EE 6 oder EE 7 zu bringen. Kannst du hier schon als Appetizer einen Tipp verraten?

Jens Schumann: Einen Appetizer? Natürlich nicht! Schließlich erwarte ich viele Teilnehmer in meinem Workshop.

Aber Scherz beiseite: Es gibt verschiedene Gründe, warum man gerade jetzt zu EE und insbesondere zu EE 6/7 migrieren möchte. Wir sehen bei unseren Kunden nicht nur Migrationen von anderen (Nicht-Java-)Plattformen sondern auch von 5-10 Jahren alten Java-Anwendungen hin zu Enterprise Java und insbesondere zu EE 6/7. Dabei zeigt sich, dass je nach Ausgangslage und zu migrierender Technologie eine Migration vergleichsweise einfach (und sogar automatisiert) erfolgen kann. Andere Bereiche hingegen, zum Beispiel der Präsentationslayer von Web-Anwendungen, sind eine ziemliche Hürde. Gerade für diese Bereiche ist es extrem wichtig, die Komplexitäten einer möglichen Migration und dessen Konsequenzen für die Zukunft zu verstehen.

Neben den Strategien werde ich im Workshop auch zeigen, wie man eine Java-zu-Java-(und damit eine beliebige Enterprise-Java-zu-EE 6/7) Migrationen mit eigenen Refactorings vereinfachen kann und so parallel zur normalen Entwicklung eine stufenweise Migration ermöglicht wird.

JAXenter: Dein zweiter Workshop nennt sich „Surviving the Jungle.“ Worum wird es gehen? 

Jens Schumann: Selbst wenn man die Zeit und Möglichkeit hat, sich zu den neuen Features der Java-EE-Plattform regelmäßig zu informieren, bleiben oft viele Fragen, die über die Aspekte einer einzelnen Technologie hinaus gehen. Im Rahmen des Ganztagesworkshops werde ich anhand eines durchgehenden Beispiels nicht nur einzelne Technologien, sondern auch ihr Zusammenspiel vorstellen. Dabei wechselt sich Theorie und Praxis ab, und am Ende werden wir gemeinsam wesentliche Technologien der Java-EE-6- und -7-Plattform in konkreten Use Cases eingesetzt haben.

Dabei benötigt jeder ein eigenes Notebook mit installiertem JDK 7, damit sich die Erfolgserlebnisse schon während des Workshops einstellen. Natürlich gibt es zu den Workshop-Übungen am Ende auch die fertigen Lösungen, sodass jeder mit funktionierenden Beispielen im Handgepäck den Java EE Summit ausklingen lassen kann.

JAXenter: Vielen Dank für dieses Interview!

Geschrieben von
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Content-Stratege, IT-Redakteur, Storyteller – als Online-Teamlead bei S&S Media ist Hartmut Schlosser immer auf der Suche nach der Geschichte hinter der News. SEO und KPIs isst er zum Frühstück. Satt machen ihn kreative Aktionen, die den Leser bewegen. @hschlosser
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