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Interview mit Reza Rahman

„Es gibt viele Gründe dafür, dass die Eclipse Foundation die richtige Wahl für Java EE war“

Gabriela Motroc

Reza Rahman

Habemus nomen! Java EE hat offiziell seine ersten Schritte in Richtung der Eclipse Foundation gemacht und EE4J (Eclipse Enterprise for Java) ist der Name des neuen Top-Level-Projektes. Aber zurück zu Java EE 8: Laut Reza Rahman, Senior Java Technologist, Autor und Speaker, ist die neue Enterprise Edition eine „entscheidende Version“. Wir haben mit ihm unter anderem über bereits liebgewonnene Features gesprochen sowie über Features, die er gerne in Java EE 8 gesehen hätte.

Zum Release von Java EE 8 vor wenigen Wochen wussten alle, dass dieser Name schon bald abgelegt werden wird. Wie lange es dauern würde wussten wir nicht, doch nun ist der neue Name „Eclipse Enterprise for Java“ (EE4J) da, allerdings ist dies laut Mike Milinkovich nur der Projektname, noch nicht der endgültige Name für das quelloffene Java EE unter dem Dach der Eclipse Foundation. Dennoch gibt es bereits einen Entwurf für eine Charta und das Versprechen, eine FAQ bald zu veröffentlichen.

Gemäß der Charta „ist das anfängliche Ziel des EE4J-Projekts, während des späten Kalenderjahrs 2017 und des frühen Kalenderjahrs 2018 bestehende Java-EE-8-Technologien auf das Projekt umzustellen und Prozesse für die Weiterentwicklung der Plattform zu definieren“.

Wir haben uns mit Reza Rahman, Gründer der Java EE Guardians, ehemaliger offizieller Java EE Evangelist bei Oracle und langjähriger Contributor der Java EE JSRs im JCP, über die von ihm bevorzugten Java EE 8 Features, über die Features, die er sich in der Version gewünscht hätte und darüber, ob Java EE und MicroProfile zusammengeführt werden sollten, unterhalten.

JAXenter: Java EE 8 wurde kürzlich veröffentlicht. Was ist dein Lieblingsfeature?

Reza Rahman: Es handelt sich bei Java EE 8 um ein so wichtiges Release, dass das Auswählen eines Lieblingsfeatures wirklich schwer ist. Ich mag die neuen deklarativen Security Provider Annotations sehr gerne. Ich denke, dass diese Annotations es einfacher machen werden, Java-EE-Anwendungen sicher zu machen, als es jede andere Technologie auf dem Markt derzeit könnte.

Servlet 4 ist offensichtlich, dank HTTP/2-Support, ein sehr wichtiges Features des Ökosystems. Auch die Java-SE-8-Angleichungen mit APIs wie JSF, JPA oder JAX-RS werden sich für Entwickler als unschätzbar wertvoll erweisen.

Lesen Sie auch: Java EE 8: Hält es, was die lange Wartezeit versprochen hat?

JAXenter: Gibt es Features, die du gerne in Java EE 8 gesehen hättest, die aber nicht integriert wurden?

Reza Rahman: Ich habe mich jahrelang dafür eingesetzt, EJB zugunsten von CDI-zentrierten Features, die zu zentralen JSRs hinzugefügt werden sollen, zu entfernen. Leider ist nicht viel davon in dieser Version passiert. Insbesondere hätte ich mir einen leistungsfähigeren MDB-Ersatz in JMS sowie @Asynchronous, @Schedule und @Lock in den Java EE Concurrent Utilities gewünscht. Ich würde dies sehr gerne in der nächsten Version von Java EE Realität werden lassen.

Java EE außerhalb der Mauern von Oracle

JAXenter: Die Java-EE-Technologien befinden sich derzeit mitten im Umzug zur Eclipse Foundation. Was sind die Vorteile von Open Source Java EE? War die Entscheidung von Oracle, Java EE an eine Open Source Foundation zu übertragen, eine gute Entscheidung?

Raza Rahman: Es ist definitiv eine gute Idee von Oracle gewesen, Java EE aus der Hand zu geben – vermutlich eine schon lange überfällige. Viele von uns haben es schon länger herbeigesehnt und hoffen nun, dass es Java SE genauso ergehen wird.

Vorteile gibt es dabei viele. Entscheidungen über den zukünftigen Werdegang und die Investitionen bzgl. Java EE werden vollständig von Oracle entkoppelt, wodurch Oracle hofft, ein gleichberechtigter Akteur der Plattform zu werden. Höchstwahrscheinlich bedeutet das ein komplett offenes und völlig freies TCK. Dementsprechend könnte jeder daran mitarbeiten und das TCK nutzen, ohne etwas dafür zu bezahlen. Jeder könnte sich einer Technologie annehmen und diese vorantreiben, ohne sich mit Oracles stark konservativem Rechtsweg auseinandersetzen zu müssen.

Ich glaube, dass diese Änderung Java EE hohe Investitionen, wichtige Fortschritte und ein gesteigertes Interesse bescheren wird – insbesondere von Branchenneulingen. Aber wer weiß das schon? Womöglich fangen auch Größen wie Microsoft, Google oder Amazon an, in Java EE zu investieren.

Es ist definitiv eine gute Idee von Oracle gewesen, Java EE aus der Hand zu geben – vermutlich eine schon lange überfällige. Viele von uns haben es schon länger herbeigesehnt und hoffen nun, dass es Java SE genauso ergehen wird.

JAXenter: Inwiefern wird die Community von dem Wechsel profitieren?

Reza Rahman: Community und Industrie werden beide von einem agileren, robusteren, schnelleren und offeneren Java EE profitieren. Der Kern der Java EE Community wird in der Lage sein, Java EE konkreter weiterzuentwickeln, anstatt sich Gedanken darüber machen zu müssen, wie man Arbeit voranbringen könnte, wenn Oracle sich nicht zeitnah damit beschäftigen möchte. Dadurch wird Java EE zu einem maßgeblich Community-gesteuerten Standard, und ich glaube, dass die Hersteller den Bedürfnissen der Community deutlich mehr Aufmerksamkeit widmen werden. Ich hoffe Oracle wird Java EE eher als ein Asset ansehen, von dem auch sie profitieren können.

JAXenter: Wir hatten eine kleine Umfrage unter unseren Lesenden durchgeführt und festgestellt, dass sie Java EE unter der Leitung der Apache Software Foundation sehen wollten. Ist die Eclipse Foundation eine bessere Wahl?

Reza Rahman: Ehrlich gesagt glaube ich aus mehreren Gründen, dass die Eclipse Foundation die richtige Wahl für Java EE war.

  • Die Eclipse Foundation ist sehr attraktiv für Großkunden und Java EE wird auch weiterhin die Unterstützung von großen Unternehmen brauchen, die es in der Vergangenheit genossen hat.
  • Die Leitung der Eclipse Foundation ist deutlich besser mit dem Ökosystem der Java-EE-Anbieter verbunden – insbesondere IBM.
  • Letztlich muss auch gesagt werden, dass die Eclipse Foundation Java EE in einer Weise wertschätzen wird, in der es Apache nie würde. Das allein macht die Eclipse Foundation schon zur richtigen Wahl für Java EE.

Persönlich muss ich auch sagen, dass ich mich nie viel für die übertrieben ideologischen Positionen bei Apache, bzw. für einige der stark unprofessionellen Methoden der Apache-Mitarbeiter begeistern konnte. Im Vergleich finde ich die Mitarbeiter der Eclipse Foundation pragmatischer, reifer und professioneller, da sie meist einen ziemlich tiefgehenden Unternehmenshintergrund haben – so wie die meisten Java-Entwickler.

JAXenter: Sollen Java EE und Eclipse MicroProfile zusammengeführt werden?

Reza Rahman: Auf gewisse Weise sollten sie zusammengeführt werden, ja. Ich denke, was derzeit MicroProfile ist, muss zum Incubator Upstream Project von Java EE werden. Vieles von dem was MicroProfile aktuell repräsentiert mag für Java EE nicht so sehr geeignet sein, aber einige Features sind offensichtlich nützlich – selbst wenn sich nach einigen Jahren herausstellen sollte, dass Microservices nur ein kurzer Hype waren und anschließend Anti-Pattern wurden. Java EE hat einen offiziellen Ikubationsraum wie diesen benötigt, in dem sich neue Features beweisen oder wegfallen können, sollten sie sich nicht als nützlich entlarven. Ein solcher Inkubationsraum kann sogar mehrere Möglichkeiten beinhalten, das Gleiche zu tun.

Vielen Dank für dieses Interview!

Geschrieben von
Gabriela Motroc
Gabriela Motroc
Gabriela Motroc ist Online-Redakteurin für JAXenter.com. Vor S&S Media studierte Sie International Communication Management an der The Hague University of Applied Sciences.
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