Java EE 6 und das Ende von Spring

Hartmut Schlosser

Die Zeit der Java-Framework à la Spring ist vorbei: Java EE 6 ist da! Mit dieser Aussage hat Cameron McKenzie eine Diskussion über die Zukunft von Java Enterprise ins Rollen gebracht, in der sich viele Protagonisten zu Wort gemeldet haben.

McKenzies Argument in aller Kürze:

Spring ist nur deshalb populär geworden, weil es die offensichtlichen Schwächen der J2EE-Plattform beseitigte. Mit Java EE 6 steht nun aber eine Neuauflage der Java-Enterprise-Plattform bereit, die den „Lückenfüller“ Spring ablöst. Die Zukunft gehört Java EE 6 mit zugehörigen Erweiterungen wie Seam, Weld und CDI-Technologien.

Frameworks like Spring are really just a bridge between the mistakes of the J2EE past and the success of the Java EE 6 future. Frameworks are out, and extensions to the Java EE 6 platform are in. Now is the time to start looking past Spring, and looking forward to Seam and Weld and CDI technologies. Cameron McKenzie

Spring versus Java EE 6

Als Scheindebatte bezeichnet Eberhard Wolff die Gegenüberstellung „Spring versus Java EE“ in seinem Blogeintrag „Spring vs. Java EE and Why I Don’t Care„. Technologische Unterschiede zwischen beiden Standards seien zwar gegeben und Argumente zum Einsatz des einen oder anderen könnten gefunden werden (Wolff präferiert selbst Spring als das seiner Meinung nach „flexiblere Framework“). Im Grunde seien diese Unterschiede jedoch nicht entscheidend für die Produktivität eines Projektes.

Ein wirklicher Produktivitätsschub sei nicht auf der Ebene der Frameworks oder Programmiermodelle zu erreichen. In dieser Frage spielten Erweiterungen wie Groovy/Grails oder Spring Roo eine viel größere Rolle.

So if you look at productivity the comparision should not be „Java EE vs. Spring“ but rather „Groovy / Grails vs. Spring Roo vs. Ruby on Rails“. Better productivity is not gained on the level of the framework or the programming model any more. Eberhard Wolff

Sonderheft Java EE 6

Das Java-Magazin-Sonderheft Java EE 6 stellt die neuen Möglichkeiten von Java EE 6 anhand zahlreicher Praxisartikel vor. Auch Eberhard Wolffs Beitrag wird enthalten sein und ausführlich mit anderen Autoren diskutiert. Weitere Infos unter: www.javamagazin.de/javaee.

Weiter argumentiert Wolff, dass in Projekten aktuelle Herausforderungen wie Technologie-Integrationen, Caching, Cloud Computing, nichtrelationale Datenbanken, Social-Media-Dienste oder Messaging weder von Spring, noch von Java EE allein gelöst würden. Nötig seien stets Zusatztechnologien, die den Enterprise-Stack ergänzten.

Wolffs Fazit:

  • You won’t see a lot of change in your productivity if you use Spring or the newest Java EE releases. The next level of productivity is not about these programming models but about Groovy / Grails or Spring Roo.
  • Spring and Java EE will only be a part of your technology stack. You will need to look at solutions for a lot of issues outside these. That is why SpringSource and others are currently investing heavily in creating such solutions for the Java crowd. And a lot of these solutions are well integrated with Spring.

Eberhard Wolff

Das Zeitalter der Frameworks

Auch Matt Raible antwortet in seinem Blog auf McKennzie und zählt die Vor- und Nachteile der unzähligen Java-Frameworks auf, bevor er zu dem Schluss kommt: Java EE 6 stellt vielleicht eine bessere Grundlage für die Entwicklung von Enterprise-Anwendungen dar, wird deshalb aber die spezialisierten Frameworks noch lange nicht ablösen können.

Viele Features von Java EE 6 selbst könnten als Frameworks betrachtet werden, die auch außerhalb eines Java EE Containers eingesetzt werden können. Raible stimmt Wolff zu, dass für eine moderne Anwendung viel mehr als nur die Standard-Spezifikationen von Java EE 6 (oder Spring) nötig sind, für eine hochperformante Webanwendung beispielsweise Komponenten wie JRebel. Zudem bestehe derzeit ein großes Interesse an JVM-Sprachen wie Scala, Groovy und JRuby, die alle ihre eigenen Frameworks mit in die Waagschale werfen.

Beim heutigen Stand der Erweiterungs- und Integrationsmöglichkeiten verschiedener Technologien und Frameworks kommt Raible zu dem Schluss:

Here’s to the Age of Frameworks – may it live as long as the JVM! Matt Raible

Womöglich hat das Zeitalter der Frameworks gerade erst begonnen?

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Hartmut Schlosser
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