Das Ende von Java im Browser?

Java deprecated: Oracle beerdigt das Java-Browser-Plug-in

Hartmut Schlosser

(c) Shutterstock / SKARIDA

Das Java-Browser-Plug-in wird bald der Vergangenheit angehören. Wie Dalibor Topic auf Oracles Java-Platform-Blog ankündigt, soll das Plug-in schon im kommenden JDK 9 als „deprecated“, veraltet markiert werden. Ist das das Ende von Java in Browser-Anwendungen?

Jein. Fest steht, dass Oracle das Java-Browser-Plug-in, mit dem sich seit den Anfängen Javas Java-Applets bauen bzw. betreiben lassen, nicht mehr weiter pflegen wird. Der von Oracle angekündigte Abschied sieht vor, die Nutzung des Plug-ins in der nächsten Java-Version (JDK 9, angekündigt für Anfang 2017) nicht mehr zu empfehlen. Danach soll die Technologie in – wie es heißt – „einem folgenden Java SE Release“ vom offiziellen Oracle JDK und JRE entfernt werden.

Begründet wird diese Entscheidung mit der Ankündigung diverser Browser-Anbieter, den Support für Standard-basierte Plug-ins wie Flash, Silverlight und eben auch Java zu streichen. Bereits im Oktober 2015 hatte Oracles Donald Smith die Maßnahme Mozillas, im Firefox-Browser keine Unterstützung für das NPAPI (die Basis des Java-Browser-Plug-ins) mehr anzubieten, mit dem Ratschlag kommentiert, auf Plug-in-freie Technologien wie Java Web Start umzusatteln.

Die selbe Migrationsstrategie schlägt jetzt Topic vor: Wer noch Java Applets nutzt, die auf einem Browser-Plug-in basieren, sollte sich nach Alternativen umsehen, um Java-basierte Anwendungen doch noch in Browsern zu betreiben:

Developers of applications that rely on the Java browser plugin need to consider alternative options such as migrating from Java Applets (which rely on a browser plugin) to the plugin-free Java Web Start technology.

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Abschied ohne Schmerzen

Überraschend kommt dieser Schritt freilich nicht. Das Java-Plug-in, das in der Vergangenheit regelmäßig für Sicherheitslücken in Browser-basierten Java-Anwendungen verantwortlich zeichnete, wurde bereits 2013 von Firefox blockiert bzw. vom Standard-Plug-in-Set entfernt. Oracle selbst hatte das Plug-in mehr und mehr hinter Sicherheitswarnungen versteckt und musste sich sonst auch mit der negativen Publicity herumschlagen, die die häufigen Sicherheitslücken in Mainstream-Medien verursachte. Dass der serverseitige Einsatz von Java kaum von den „spektakulären Zeroday Exploits“ betroffen war, wurde in populären Berichten allenfalls in einem Nebensatz erwähnt.

Nachtrauern wird dem Plug-in kaum jemand. Chrome hat sich im April 2015 von Java verabschiedet, Firefox im Oktober 2015, Microsoft Edge plant von Beginn an ohne Java. Wer jetzt Protest schreit, hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Oracle entledigt sich konsequenterweise einem Klotz am Bein, der dem Unternehmen keinen kommerziellen Nutzen einbringt und zudem kaum technisch zu beherrschen ist. Java dürfte damit in absehbarer Zeit von solch fragwürdigen Listen der unsichersten IT-Programme verschwinden. Gut so!

Wer immer noch Applets einsetzt, hat noch einen realistischen Zeithorizont für die Umstellung auf andere Technologien – wie das etwa das Elster Steuerprogramm schon 2013 veranlasst hat. JDK 9 kommt 2017, ein folgendes Release frühestens 2 Jahre später – wobei die Praxis der Verschiebungen von Java-Releases einer Umstellungsstrategie sogar noch in die Hände spielen dürfte. Zudem scheint Oracle noch nicht entschieden zu haben, wann genau das Java-Plug-in aus dem JDK verbannt werden soll – die Rede war bisher lediglich von „einem späteren Release“.

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Wie dem auch sei – ein Migrations-Guide (PDF) von Oracle soll bei der Umstellung von Java Applets auf Plug-in freie Java-Technologien helfen. Dass sich viele Anbieter bei einer Refaktorisierung ihrer Anwendungen an anderen Technologie-Welten orientieren dürften – Stichwort HTML5 -, steht auf einem anderen Blatt.

Aufmacherbild: Java icon. Programming language von Shutterstock / Urheberrecht: SKARIDA

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Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Content-Stratege, IT-Redakteur, Storyteller – als Online-Teamlead bei S&S Media ist Hartmut Schlosser immer auf der Suche nach der Geschichte hinter der News. SEO und KPIs isst er zum Frühstück. Satt machen ihn kreative Aktionen, die den Leser bewegen. @hschlosser
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Thomas Behrend
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Das wird dem Elster Entwicklern gar nicht gefallen. Alleine die Anmeldung mit dem Software Zertifikat benötigt ein offizielles Java 1.7 über Applet, OpenJDK funktioniert nicht und das ist für Linux Nutzer aktuell das einzige Portal für Steuererklärung Online.