Interview mit Harald Uebele

Java in der Cloud: „Entwicklungen wie Quarkus helfen ungemein“

Dominik Mohilo

Sind Serverless und Microservices der endgültige Todesstoß für Monolithen? Und wie passen Java und der neue „serverlose“ Technologieansatz eigentlich zusammen? In unserem Interview mit Harald Uebele, Developer Advocate für das IBM Developer-Team, werden diese und weitere Fragen beantwortet. In dem Gespräch, das wir im Zuge der JAX 2019 führten, sprachen wir außerdem über die Zukunft von Serverless und wie es den Aufgabenbereich von Administratoren und Operators verändert.

JAXenter: Serverless als Begriff ist ein recht umstrittenes Buzzword: Server sind ja nach wie vor im Einsatz. Außerdem scheint jeder etwas anderes unter Serverless zu verstehen – zum Beispiel FaaS oder BaaS. Daher zunächst einmal die Frage: Was ist Serverless für dich persönlich?

Harald Uebele: Für mich ist Serverless eine FaaS-Plattform wie OpenWhisk. Serverless ist aber auch alles, was ich für meine Anwendung brauche, nicht selbst betreiben möchte, aber mein Cloud-Provider mir zur Verfügung stellt. Dazu gehören z.B. Object Storage („S3“), Datenbank as a Service, OAuth-Services, DevOps Pipelines usw.

JAXenter: Aus Entwicklersicht bringt Serverless viele Vorteile. Einer davon ist, sich um die Infrastruktur praktisch gar nicht mehr kümmern zu müssen. Wie verändert Serverless in deinen Augen den Entwickleralltag?

Das wochenlange Warten, wie bei klassischen Infrastrukturen, ist mit Serverless Geschichte.

Harald Uebele: Ich werde wesentlich produktiver, weil ich mich nicht um Beschaffung zu kümmern brauche. Meine Testumgebung klicke ich mir zusammen und habe sie somit innerhalb weniger Minuten verfügbar. Im Gegensatz dazu kann es sein, dass ich auf eine klassische Infrastruktur mehrere Wochen warten muss. Wenn ich dann etwa einen Bug-Report habe, der sich auf eine ältere Version meines Codes bezieht, kann ich mir diese Umgebung schnell zusammen bauen (lassen) und muss sie nicht ständig verfügbar haben.

JAXenter: Entwickler sind aber, gerade wenn man an DevOps denkt, nicht die einzigen, auf die sich das neue Modell auswirkt: Welche Folgen hat der Serverless-Ansatz für Operator/Admins?

Harald Uebele: Ich denke, für die Betreiber der Plattformen ändert sich nicht viel – wie du Eingangs geschrieben hast: Server sind nach wie vor im Einsatz. Für Ops meiner Anwendung wird aber auch vieles einfacher: Die Umgebungen müssen nicht beschafft und groß eingerichtet werden; sie sind, im Idealfall auf Knopfdruck, in wenigen Minuten da.

JAXenter: Simon Wardley hat die wilde These aufgestellt, dass Container und Kubernetes nur eine Randerscheinung in der Geschichte der Softwareentwicklung darstellen und bald schon komplett obsolet werden könnten, da Serverless – wie einst Software – die Welt verschlingt. Wie stehst du dazu?

Harald Uebele: Wahrscheinlich kommt vorher noch etwas viel Besseres als Serverless. Rechnende Bakterien vielleicht? 🙂

Es gibt immer noch genug Platz für Monolithen.

JAXenter: Bei Serverless geht es vor allem um die Skalierbarkeit und die damit verbundenen Kosten: Lohnt sich heute noch die Nutzung eigener Server oder ist das Preis-Leistungs-Verhältnis von Serverless unschlagbar?

Harald Uebele: Ich sehe im Moment noch kein ERP-, CRM-, PPS- oder -System, das ausschließlich serverless implementiert ist, da ist immer noch genug Platz für Monolithen und alles mögliche dazwischen.

JAXenter: Zum Abschluss vielleicht ein kleiner Blick in die Kristallkugel: Welche Rolle wird Serverless im Jahr 2020 spielen?

Harald Uebele: Eine größere als heute … das ist doch sehr diplomatisch ausgedrückt.

JAXenter: Auf der JAX 2019 sprichst du über Cloud-native Java-Anwendungen: Wie passen Java und Serverless denn zusammen?

Harald Uebele: Man kann es kaum glauben, aber es geht! Entwicklungen wie Quarkus helfen da ungemein. Wir beschreiben in unserem Vortrag aber Microservices, Java und Kubernetes/Istio.

Harald Uebele ist Developer Advocate für das IBM Developer-Team und in Stuttgart tätig. Er hat in den letzten sechs Jahren mit Cloud-Technologien gearbeitet und ist ein Fan von Open Source. Als Developer Advocate unterstützt er Entwickler bei Open-Source- und Cloud-Technologien.
Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
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2 Kommentare auf "Java in der Cloud: „Entwicklungen wie Quarkus helfen ungemein“"

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Ben
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Quarkus baut auf graahlvm auf.

Das gehört Oracle und es gibt dato noch keine Möglichkeit, es zu lizenzieren, obwohl eine Lizenz für kommerzielle Nutzung notwendig ist.

Es gibt somit derzeit keinen lizenzgetreuen weg, die Software kommerziell zu verwenden.

Echt kluge Burschen

Peter
Gast
Ich finde die aktuellen Entwicklungen derzeit eher bedenklich. Quarkus, Micronaut und co – alle versuchen Java in die Cloud zu bringen, verfolgen sicher gute Absichten, doch alle bringen proprietäre APIs mit sich, folgenden keinerlei Standard mehr, bringen Nutzer wieder in eine Art Abhängigkeit. Alle haben Angst. Oracle demontiert JEE, die Community ist irritiert, stellen teilweise sogar Jakarta EE und Microprofile in Frage und springen in ihrer Unsicherheit auf sicherlich nicht schlechte (aber halt auch irgendwie eigene) Alternativen wie z.B. Spring Boot mit auf (weil das jetzt alle machen). Ich finde die Entwicklung bedenklich. Es gibt so viele Legacy-Anwendungen da draussen… Read more »