Java-9-Quellcode ist jetzt modular: Mission Jigsaw accomplished?

Hartmut Schlosser

Unglaublich, aber wahr. Der Quellcode des JDK ist jetzt modular. Mark Reinhold hat auf der OpenJDK-Mailingliste bekannt gegeben, dass die Arbeiten am JEP 201 „Modular Source Code“, in den OpenJDK 9 Master-Branch übernommen wurden. Ist damit das seit Jahren angestrebte Modulsystem für Java endlich Realität geworden?

Java 9: Auf dem Weg zur Modularisierung

Die Antwort auf obige Frage lautet: Noch nicht! Der JEP 201 stellt lediglich den ersten Schritt zum ausgegebenen Ziel dar, ein Modulsystem für Java-Anwendungen und für das JDK selbst zu definieren.

Was im Rahmen des JEP 201 jetzt umgesetzt wurde, ist die Neuorganisierung des JDK Quellcodes in Module. Außerdem ging es darum, das Build-System für die Kompilierung von Modulen anzupassen und Module-Grenzen zur Build-Zeit festzusetzen.

Während innerhalb des JDK nun also ein neues modulares Source-Code-Layout existiert, das auch außerhalb des JDK Verwendung finden kann, ist es ausdrücklich nicht das Ziel gewesen, jetzt bereits ein weitflächig akzeptiertes Modulsystem für Java-Anwendungen vorzulegen. Ebenfalls noch nicht verändert wurden die Struktur des JRE (Java Runtime Environment) und die JDK Binary Images.

Diese noch ausstehenden Arbeiten sollen jetzt im Rahmen weiterer JEPs – oder je nach Tragweite sogar JSRs – ausgeführt werden, um dem Gesamtziel des Projekts „Jigsaw“ näher zu kommen. Mark Reinhold hatte die Ziele folgendermaßen formuliert:

  • Skalierbarkeit der Java SE Plattform bis hinunter zu den kleinen Geräten
  • Verbesserung der Sicherheit und Wartbarkeit der Implementierungen der Java SE Plattform, speziell des JDK.
  • Verbesserung der Application Performance
  • Vereinfachung beim Bau und bei der Verwaltung von Bibliotheken und Anwendungen für Entwickler, sei es Java SE oder Java EE.

Java 9: Next steps

Der nächste Schritt dürfte nun darin bestehen, eine modulare Struktur für das JDK selbst zu definieren. Ein entsprechender JEP ist mit der Nummer 200 bereits in Arbeit: JEP 200 „The Modular JDK“ soll das JDK in Module aufteilen, die zur Compile-, Build-, Install- und Laufzeit kombiniert werden können. Konfigurationen sollen zum einen der vollen Java SE Plattform, der gesamten JRE und dem JDK entsprechen können. Außerdem sollen Konfigurationen möglich sein, die den in Java 8 eingeführten Kompaktprofilen ähneln. Und zu guter Letzt sollen auch individuelle Kombinationen erstellt werden können, die aus einem spezifischen Set an Modulen und den von diesen transitiv benötigten Modulen bestehen.

Viel Arbeit liegt also noch vor uns, bis Java 9 mit einem fertigen Modulsystem ausgeliefert werden kann – geplant ist bekanntlich ein Release im Jahr 2016.

Doch die gute Botschaft: Durch die Einteilung in kleinere Schritte und dem jetzigen Merge der Vorarbeiten aus JEP 201 in den OpenJDK Branch sind wir dem Ziel wohl näher als je zuvor.

Was sonst noch für Java 9 geplant ist, können Sie im Artikel Sieben Java-9-Features, auf die Ihr euch freuen könnt nachlesen.

Geschrieben von
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Content-Stratege, IT-Redakteur, Storyteller – als Online-Teamlead bei S&S Media ist Hartmut Schlosser immer auf der Suche nach der Geschichte hinter der News. SEO und KPIs isst er zum Frühstück. Satt machen ihn kreative Aktionen, die den Leser bewegen. @hschlosser
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