Interview mit Falk Sippach zu Java 9

Java 9 Release: „Das Hauptargument für Jigsaw ist die Modularisierung des JDK selbst“

Dominik Mohilo

Falk Sippach

Das Modulsystem von Java 9, auch bekannt als Project Jigsaw, wurde schon vor der Veröffentlichung der neuen Java-Version sehr kontrovers betrachtet. Im Zuge der gestern erfolgten Veröffentlichung des neuen Java 9 haben wir uns mit Falk Sippach über Java im Allgemeinen und Jigsaw im Speziellen unterhalten. Im Gespräch erklärt er, welche Features im in Java 9 fehlen und ob Jigsaw die Warterei wirklich wert war.

JAXenter: Projekt Jigsaw bringt das Modulsystem für Java. War Jigsaw das lange Warten wert?

Falk Sippach: Das Hauptargument für Jigsaw ist die Modularisierung des JDK selbst, womit in Zukunft Java-Anwendungen mit angepassten, kleineren Laufzeitumgebungen ausgeliefert werden können. Das ist insbesondere für Embedded- und Mobile-Devices spannend. Die klassischen in Java entwickelten Geschäftsanwendungen profitieren zunächst mal kaum von Jigsaw. Aber in Zukunft könnte man diese Art der Anwendungen natürlich dank Jigsaw auch besser modularisieren.

JAXenter: Wirst du gleich mit Jigsaw durchstarten, oder siehst du die Modulsache eher skeptisch?

Falk Sippach: Ich bin nicht skeptisch, habe aber im Moment keinen Anwendungsfall für Jigsaw. Wie so oft wird es jetzt einige Monate oder auch Jahre dauern, bis Unternehmen überhaupt den Umstieg durchführen, oft erst dann, wenn der Support für Java 8 endet. Aktuell kann man die Auswirkungen von Jigsaw auch noch relativ einfach durch einen Schalter ignorieren, aber Java 10 müssen wir aber unsere Anwendungen an Jigsaw und seine Eigenheiten (Modul-Path, …) anpassen.

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JAXenter: Welche Features fehlen deiner Meinung nach?

Falk Sippach: Es gibt immer Dinge, die man gern noch gehabt hätte. Aus Ressourcengründen ist das Release irgendwann voll. Bei Java 10 freue ich mich aber schon auf Value Objects.

JAXenter: Java soll bald in regelmäßigen Abständen releast werden, eine gute Idee?

Falk Sippach: Meines Wissens ist das bisher nur ein Vorschlag und keiner weiß, ob es wirklich so kommen wird. Auf der einen Seite finde ich die Idee gut, weil so kleinere Features nach kurzer Zeit ausgeliefert werden können. Auf der anderen Seite grenzen sich die Releases nur noch durch wenige Features ab. Wenn man aktuell Java 8 verwendet, dann ist den meisten Entwicklern klar, welchen Funktionsumfang das betrifft. Eine Version 2018.9 wird sich von 2019.3 nur noch in kleineren Details unterscheiden. Das erfordert dann einfach ein Umdenken bei uns Entwicklern. Und eine neue Java-Version wird dann natürlich auch kein großes Ereignis mehr sein, auf das wir uns bisher gefreut haben.

Falk Sippach hat über fünfzehn Jahre Erfahrung mit Java und ist beruflich als Trainer, Softwareentwickler und Projektleiter bei der OIO Orientation in Objects GmbH im Umfeld von Java-EE-Technologien unterwegs. Von Zeit zu Zeit schreibt er Blogeinträge, Artikel und tritt gelegentlich bei Konferenzen auf. In seiner Wahlheimat Darmstadt organisiert er mit anderen die örtliche Java User Group.

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Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
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