30 Tage Aufschub

Java 9 am Scheideweg: JCP lehnt Modulsystem Jigsaw ab

Hartmut Schlosser
Java 9 Kill Switch

13 Mal „Nein“, 10 Mal „Ja“. Überraschend eindeutig hat das Exekutiv-Komitee des Java Community Process (JCP) den Entwurf für das Java-9-Modulsystem abgelehnt. Der Abstimmung über den zugehörigen JSR 376 waren kontroverse Debatten über die technische Reife des Jigsaw-Modularisierungsprojekts vorangegangen.

Im JCP-Exekutiv-Komitee waren 23 Unternehmensvertreter und individuelle Mitglieder aufgerufen, über die Annahme der Public Review für JSR 376 abzustimmen.

Mit „Ja“ stimmten die folgenden JCP-Komitee-Vertreter:

  • Azul Systems
  • Gemalto M2M GmbH
  • Goldman Sachs
  • MicroDoc
  • Intel
  • NXP Semiconductors
  • V2COM
  • Fujitsu
  • Oracle
  • SouJava

Die „Nein“-Stimmen ergingen von:

  • Hewlett Packard Enterprise
  • London Java Community
  • Red Hat
  • Tomitribe
  • Credit Suisse
  • IBM
  • SAP SE
  • Twitter, Inc.
  • Eclipse Foundation
  • Software AG
  • Hazelcast
  • Keil, Werner
  • Grimstad, Ivar

Mit diesem Ergebnis ist die nötige 2/3-Mehrheit für die Annahme des JSR 376, in dessen Rahmen das für Java 9 geplante Modulsystem (aka Jigsaw) erarbeitet wird, klar verfehlt. Eine derart deutliche Ablehnung eines wichtigen JSR kann als Präzedenzfall in der Geschichte des JCP angesehen werden.

Hier das offizielle Ergebnis auf einen Blick:

Quelle: https://jcp.org/en/jsr/results?id=5959

Gründe für die Ablehnung

In den Begründungen für die Nein-Stimmen spiegeln sich die Argumente der vorangegangenen Debatten wider. So geht Red Hat auf die technischen Probleme ein, die ihrer Meinung nach gegen die aktuelle Spezifikation sprechen. Insbesondere verfehle der jetzige Entwurf das Ziel, die Basis für kommende Java EE Releases darzustellen.

SAP kommentiert, das Modulsystem JPMS sei zwar gut geeignet für die Modularisierung der Java-Plattform. Doch für Libraries und Frameworks, die nicht Teil der Java-Plattform seien, gebe es noch „raue Ecken“, die vor einer Verabschiedung des JSRs abgeschliffen werden sollten.

Bemängelt wird insgesamt das Fehlen einer direkten Kommunikation Oracles mit der Expertengruppe. In der Folgezeit seien deshalb regelmäßige Meetings wichtig, um die verbleibenden Probleme auszuräumen und einen neuen Entwurf auszuarbeiten.

Java 9 Release-Termin auf der Kippe

Laut den Regularien des Java Community Process hat der Spezifikationsleiter Oracle nun 30 Tage Zeit, einen überarbeiteten Entwurf für das JPMS-Modulsystem auf den Weg zu bringen. Ob der geplante Release-Termin für Java 9, vorgesehen für den 27. Juli 2017, unter diesen Umständen noch zu halten ist, bleibt abzuwarten.

Java 9 – Konsens über das Feature Set

Ebenfalls zur Abstimmung stand der übergeordnete JSR 379, in dem der funktionale Inhalt des Java SE 9 Releases festgelegt wird. Dieser sogenannte Umbrella JSR wurde klar vom JCP Exekutiv-Komitee angenommen:

Quelle: https://jcp.org/en/jsr/results?id=5962

Dieses positive Ergebnis kann als Zeichen gewertet werden, dass das Modulsystem Jigsaw nicht generell abgelehnt, sondern als sinnvolles und wünschenswertes Feature angesehen wird. Allerdings scheinen es tatsächlich Bedenken über die konkrete Ausgestaltung der Spezifikation zu sein, und nicht vorrangig unternehmenspolitische Erwägungen, wie von Oracle angedeutet, die zur Ablehnung des Spezifikationsentwurfs geführt haben.

Geschrieben von
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser ist Redakteur und Online-Koordinator bei Software & Support Media. Seine Spezialgebiete liegen bei Java-Enterprise-Technologien, JavaFX, Eclipse und DevOps. Vor seiner Tätigkeit bei S & S Media studierte er Musik, Informatik, französische Philologie und Ethnologie.
Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.