"Java 8 muss seine Deadlines einhalten" – Gil Tene über JCP, Zing und Project Jigsaw

JAXenter: Reden wir einmal von einem etwas aktuelleren Thema: Project Jigsaw wird kein Teil von Java 8 sein. Was halten Sie davon, war der Aufschub die richtige Entscheidung?

Gil Tene: Ich habe das bedauert, denn eine Modularisierung wäre ein sehr nützliches Feature gewesen, das eine große Produktivität in der Community entfesseln könnte. Ich denke aber auch, dass es wahrscheinlich die richtige Entscheidung war, wenn man sich den Zeitplan und den Status des Projektes anschaut. Meiner Meinung nach ist es vorerst wichtiger, pünktlich zuverlässige Java Releases zu liefern als eine Menge Features darin zu haben. Java 7 hat schon viel zu lange gebraucht – und das hat, was noch schlimmer ist, die öffentliche Erwartung bröckeln lassen, dass es voran geht.

Wichtig ist, dass es nach Java 7 ein weiteres Java Release in der zweiten Hälfte des nächsten Jahres geben wird – das sollte man nicht aufschieben. Features sollte man nur in die Releases einbauen, die diesen auch Rechnung tragen können. Jigsaw ist kein Java 8, 9 oder 10 Feature, sondern eines, das wir uns wünschen und das deshalb einen realistischen Veröffentlichungstermin haben sollte.

Um nun aus einer JCP-Position zu sprechen: Java 8 muss seine Deadlines einhalten, der Java 8 JSR muss Fortschritte machen und einen finalen Entwurf präsentieren. Die Java TCKs müssen in einer Form vorliegen, die wir untersuchen und kommentieren können, denn wenn wir mit einem Java 8 Release im Sommer rechnen wollen, müssen wir vorher einem JSR stattgegeben haben. In diesem Zusammenhang ist im OpenJDK zwar guter Fortschritt zu erkennen, nichtsdestotrotz würde ich gerne eine lebhaftere JSR-Aktivität sehen, mit Diskussionen und mehr Feedback als nur „Wir haben schon die ganze Arbeit im OpenJDK gemacht, jetzt müssen wir sie nur noch bestätigen lassen“.

JAXenter: Und welche Pläne stehen nun bei Azul System an?

Gil Tene: Wir haben erst kürzlich den Übergang von einem Hardware-zentrierten Geschäftsmodell hin zu einem rein Software-konzentrierten geschafft. Das alles gipfelt in Zing, unserer nativen JVM für Linux x86 Server. Ein ähnlich großer Schritt ist in naher Zukunft nicht geplant! Wir denken, dass dieser Schritt große Märkte für unser Produkt eröffnet, die vorher unerreichbar waren. Unser Plan ist, weiter in diese Märkte vorzustoßen und hier zu wachsen.

Technisch gesehen haben wir schon seit Jahren ununterbrochen verschiedenste Aktivitäten rund um die Garbage Collection verfolgt, und jetzt können wir die Resultate in einer einfacher zu kosumierenden Form anbieten. In den Niedriglatenz-Bereichen verbessern wir ständig unsere Metriken. Zing schafft es, dass man an Garbage Collection selbst in Enterprise-Anwendungen mit menschlichen Reaktionszeiten keinen Gedanken mehr verschwenden muss.

Aber trotzdem ist in den Niedriglatenz-/Hochfrequenz-Bereichen noch Einiges zu tun. Wir sind hier wahrscheinlich viel besser als irgendein anderer, aber wir können immer noch besser werden. Ich glaube, dass wir einen hypothetischen Worst Case von 20 Millisekunden Garbage-Collection-Latenz einer Anwendung erreichen können. Zing bewegt sich nicht ansatzweise in diesen Bereichen und liegt verlässlich auf dem Niveau unter einer Millisekunde. Aber wir können deutlich weiter gehen und werden es auch tun.

Aus der Produkt-Perspektive wollen wir das ausliefern, was wir bereits haben, und uns stängig verbessern. Momentan ist Zing eine Java-6-JVM, wir werden aber schon bald auch eine Version für Java 7 veröffentlichen.

JAXenter: Vielen Dank für dieses Gespräch!

Gil Tene (Twitter: @giltene) ist CTO und Co-Gründer von Azul Systems. Er beschäftigt sich schon seit 20 Jahren mit VM-Technologien und entwickelt seit 1995 Java-basierte Produkte. Gil war ein Pionier bei Azuls Continuously Concurrent Compacting Collector (C4), Java Virtualisierung, Elastic Memory und verschiedenen weiteren Managed-Runtime- und Systems-Stack-Technologien. 2006 wurde er von Silicon.com in die Top 50 der bedeutendsten Personen in der Technologie-Branche aufgenommen. Bevor er Azul mitgründete, hatte Gil Schlüsselpositionen bei Nortel Networks, Shasta Networks und Check Point Software Technologies inne.
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