Java 6 für Mac OS X: Eine Bestandsaufnahme

Landon Fuller hat bereits eine offene To-Do-Liste (z.B. Integration von Quaqua als Aqua Look and Feel, Abb. 1), welche durch weitere Projektteilnehmer sicherlich einerseits schneller abgearbeitet werden und andererseits auch mehr Wünsche aufnehmen kann. Die Anzahl der Wünsche wird sicher mit der Verbreitung von SoyLatte proportional ansteigen.

Quaqua Look and Feel
Was macht Apple?

Nach einem großen Medienrummel über das Release von Mac OS X Leopard war zwar in der Entwicklergemeinde einiges an Aufregung und Aufruhr angesagt, aber Apple selbst hat sich ausnahmsweise zunächst einmal in Schweigen gehüllt und zu dem Thema Java 6 auf dessen Betriebssystem nicht viel verlauten lassen. Es musste anscheinend wirklich erst die Mühe und Aktivität aus der Open-Source-Gemeinde kommen, und somit liegt die Vermutung nahe, dass erst die Arbeit von Landon Fuller dazu beigetragen hat, dass auch der Großkonzern Apple endlich einige Ressourcen in ein „offizielles“ Java 6 steckt. Aber trotz dieses kleinen Aufbäumens ist auch im Februar 2008 noch kein endgültiges Release des J2SE 6 auf der Seite der Apple Developer Connection (ADC) zu sehen und ein Termin der endgültigen Version ist auch in der aktuellsten Pressemeldung zu diesem Thema (Datum: 20.12.2007) nicht zu finden. Der letzte Versionsstand ist ein „Developer Preview 9“ (Datum: 12.02.2008). Wann ein endgültiges Release zu erwarten ist, lässt sich derzeit noch nicht absehen. Man könnte schon munkeln, dass das Release von Java 7, getrieben durch das OpenJDK Projekt, vorher erscheinen wird.

Mehr als nur heiße Luft?

Bereits wenige Tage nach dem Erscheinen haben die ersten großen Namen im Java-Lager begonnen, mit Giftpfeilen auf Apple loszugehen. Natürlich ist es traurig, dass Apple diesen Schritt gegangen ist, aber insgesamt ist es nicht unbedingt verwunderlich, dass Apple für sich zunächst Leopard als Endbenutzerbetriebssystem positioniert haben möchte und bei gedrängten Zeitplänen die Java-Entwickler an dieser Stelle leider etwas das Nachsehen haben. Denn die große Käuferschicht ist nun mal nicht der Java-Entwickler, sondern eher der Designer oder Endbenutzer. Den Punkt, dass ohne vernünftige Entwicklergemeinde ein Betriebssystem schnell das Nachsehen haben kann, sollte Apple nicht unterschätzen. Das Gewicht, welches die Aussage von James Gosling, der lauthals verkündet hat von Mac OS X zu wechseln, ist auch nicht zu unterschätzen und sollte Apple schon zum Nach- bzw. Umdenken anregen. Nun ist es einerseits sicherlich schön zu sehen, dass Apple doch noch Energie in Java steckt, aber andererseits würde man sich hier doch etwas mehr Geschwindigkeit wünschen. Man könnte auch meinen, dass erst die Einzelleistung von Landon Fuller dazu beigetragen hat, dass sich Apple nun bemüht, endlich Java 6 verfügbar zu machen. Die Entscheidung von Apple hat nicht nur dem Ansehen von Apple, sondern auch Java als Plattform geschadet. Insgesamt ist die Politik, die Apple an dieser Stelle betreibt, nicht richtig transparent. Denn einerseits war zunächst kein Java 6 für Mac OS X verfügbar und nun sind Developer Previews verfügbar. Was möchte Apple an dieser Stelle? Die Frage, die man hier sicherlich stellen muss, ist, ob ein SoyLatte auch neben einem von Apple angetriebenen Java 6 bestehen kann. Nun lässt der bisherige Verlauf nichts besonders Gutes in Bezug auf ein Java 7 auf Mac OS X erhoffen. Deshalb wäre es schade, wenn SoyLatte aufgrund dieser Entwicklung wieder einschlafen würde. Eines ist aber sicher, sollte das Projekt SoyLatte überleben, benötigt es mehr als nur einen ambitionierten Entwickler. Als Fazit bleibt die Empfehlung, dass man seinen Leoparden zur Sicherheit schon mal etwas an Soja gewöhnen sollte.

Markus Stäuble ist Senior Software Engineer bei namics (deutschland) GmbH, einem führenden IT- und Webdienstleister. Schwerpunkt in der täglichen Arbeit ist neben der Projektleitung und dem Coaching die Architektur von Java-EE-Anwendungen und deren Qualitätssicherung. Darüber hinaus ist er freier Autor von Fachartikeln.
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