James Gosling wechselt zu Liquid Robotics

Hartmut Schlosser

Tausende von kleinen, ferngesteuerten Roboterbooten durchziehen die Ozeane und sammeln Daten, die sie über eine Cloud-Infrastruktur bereitstellen. Angetrieben werden diese Mini-Wellengleiter von der Energie, die sie autonom aus den sie umgebenden Wasserbewegungen gewinnen. Wettervorhersagen, Verstehen der Meeresströme, Aufspüren von Ölvorkommen und Funklöchern, neue Formen des Fisch-Farming werden möglich.

Was sich anhört wie ein ambitioniertes Forschungsprojekt ist das handfeste Business-Modell von Liquid Robotics und das Szenario, mit dem sich kein geringerer als „Java-Vater“ James Gosling zukünftig beschäftigen wird. Nach nur fünf Monaten Engagement bei Google hat Gosling bekannt gegeben, einen Posten als leitender Software-Architekt bei dem kleinen Startup-Unternehmen Liquid Robotics angenommen zu haben.

Wave Glider, Bild: http://liquidr.com/

Wie Gosling in seinem Blog beschreibt, wird er sich einerseits um die Onboard-Software der Mini-Boote kümmern, die die Steuerung der Sensortechnik, autonome Energieversorgung und Navigation beinhaltet. Andererseits geht es um die Verarbeitung der riesigen Mengen an Daten, die die Boote während ihrer bis zu 2,5 Jahre währenden Einsätze sammeln.

Potenzial scheint die Geschäftsidee von Liquid Robotics allemal zu haben. Das 2007 gegründete Unternehmen zählt bereits Kunden wie das Monterey Bay Aquarium Research Institute, verschiedene Energiekonzerne, Telekommunikationsunternehmen und das U.S. Militär zu seinen Auftraggebern. Derzeit soll Liquid Robotics rund 30 Prozent seines Umsatzes aus den Verkäufen der gesammelten Daten beziehen. Diese Zahl soll durch die Errichtung einer Infrastruktur Cloud-basierter Daten-Dienste auf 90 Prozent anwachsen, heißt es vonseiten Liquid Robotics. Laut CEO Bill Vass erlaubt es die neue Technologie, die Summe von 60 Milliarden US-Dollar, die heute jährlich für das Sammeln von Meeresdaten via Satelliten, Bojen und Schiffen ausgegeben wird, drastisch zu senken. Verträge sollen bereits unterschrieben sein, um in den nächsten zwei Jahren tausende von Wellengleitern auf die Reise durch die Ozeane zu schicken.

Liquid Robotics is changing the economics of ocean operations. […] James is one of the best software engineers in the industry and will help us revolutionize global oceanic knowledge on a scale and dimension unknown in history. Bill Vass, CEO Liquid Robotics

Robotik + Cloud Computing + Big Data – eine Kombination, die Gosling offenbar mehr faszinierte als seine letzte Position bei Google, die ohnehin nicht wirklich definiert gewesen war. „This is going to be a lot of fun“, kommentiert Gosling seine neue Herausforderung in gewohnt flapsigem Stil. Ob Gosling dann auch eine Lösung finden wird, die gelegentlichen Hai-Angriffe auf die Roboter-Boote zu verhindern?

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Hartmut Schlosser
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