James Gosling macht seinen Frieden mit Oracle: Note 1-2 für Java, 6 für Solaris

Hartmut Schlosser

Wie bewertet James Gosling die aktuelle Situation im Java-Ökosystem? Zwar spinnt der Java-Erfinder seit der Übernahme Suns durch Oracle 2010 nicht mehr am Schicksalsfaden seiner Sprache mit, doch gilt er immer noch als eine Art moralische Instanz, um deren Wohlwillen sich auch Oracle bemüht – siehe Goslings letzte Auftritte auf der JavaOne. Und so hat seine Zensurvergabe in einem Infoworld-Artikel für Oracles Technologie-Entscheidungen der letzten Jahre für reichlich Diskussionsstoff gesorgt.

  • Solaris erhält dabei die schlechteste Note F- (also die deutsche 6) : Völlig tot sei das Unix-basierte Betriebssystem, vor allem da Oracles Solaris-Lizenzgebühren so unrealistisch hoch seien, dass ein Einsatz keinen wirklichen Sinn mache. Gosling selbst hat seine Solaris-Systeme auf Linux umgestellt.
  • Java erhält die Note B+ (etwa 1-2): Überraschend gut habe sich Oracle Goslings Sprache angenommen. Einziger Wermutstropfen: Die Sicherheitsprobleme müsse man noch besser in den Griff bekommen.
  • MySQL gibt Gosling die Note C (etwa 3): NoSQL sei nicht tot, verschwinde aber mehr und mehr aus dem Diskurs zugunsten von MySQL-Forks und NoSQL-Lösungen.
  • Unentschieden zeigt sich Gosling bei der Mikroprozessor-Architektur SPARC: Sparc sei schon vor der Übernahme in Schwierigkeiten gewesen.
  • Der GlassFish-Applikationsserver erhält die Note B- (etwa 2-3): GlassFish habe Fortschritte gemacht, erhalte aber wenig Promotion. Nicht erwähnt Gosling dabei die Entscheidung Oracles, die kommerziell unterstützte GlassFish-Version zugunsten des WebLogic-Servers einzustellen.
  • Auch NetBeans wird mit der Note B- bedacht: Technisch erhalte die IDE wichtige Innovationen, die von der Community gut aufgenommen würden. Doch scheine das „Oracle-Mutterschiff“ nicht den wahren Wert dieses Juwels schätzen zu wissen. Schließlich seien Tools eine fantastische Möglichkeit, die Entwickler-Community zu beeinflussen.

Gemischte Bewertungen gibt Gosling also dem Java-Schirmherr Oracle. Dabei sind die Noten durchaus nachvollziehbar – auch wenn sie keiner ökonomischen sondern einer sehr Entwickler-zentrischen Sichtweise entspringen dürften. Doch scheinen immerhin die Zeiten, als ein polternder Gosling Stimmung gegen Oracle machte, vorbei zu sein. Gosling, der in seiner Position bei Liquid Robotics an autonomen, Daten-sammelnden Mini-Booten arbeitet – und dabei wohl eine erfüllende neue Spielwiese gefunden hat -, hat seinen Frieden mit Oracle gemacht.

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Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Content-Stratege, IT-Redakteur, Storyteller – als Online-Teamlead bei S&S Media ist Hartmut Schlosser immer auf der Suche nach der Geschichte hinter der News. SEO und KPIs isst er zum Frühstück. Satt machen ihn kreative Aktionen, die den Leser bewegen. @hschlosser
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