James Gosling kommentiert: Steve Jobs hat unrecht

Hartmut Schlosser

James Gosling reagiert in seinem Blog auf Steve Jobs Aussage, Apple werde es zukünftig wie andere Hersteller halten und sich nicht selbst um eine Java-Version für Apple-Betriebssysteme kümmern. Jobs hatte diesen Schritt damit begründet, dass Sun/Oracle schließlich das Java für alle anderen Plattformen bereitstelle.

Diese Aussage sei schlicht nicht richtig, bemerkt Gosling in seinem Blog. Es sei nicht wahr, dass Sun/Oracle die Java-Versionen für alle anderen Plattformen entwickelt habe. Nur in zwei Fällen sei Sun diesbezüglich aktiv geworden:

Erstens für Windows: Microsoft habe zu Beginn zwar auch selbst ein Java für Windows am Start gehabt – bis Microsoft aber vertragsbrüchig wurde und Windows-Java-Code nicht mehr auf anderen Systemen lauffähig war. Erst zu diesem Zeitpunkt sei Sun eingesprungen.

Zweitens für Linux: Einfach deshalb, weil sonst niemand dafür in der Lage gewesen sei.

Alle anderen Unternehmen seien selbst für die Java-Portierung auf die eigene Plattform verantwortlich gewesen: IBM, HP und Azul entwickelten beispielsweise jeweils selbst eine eigene JVM für ihre Systeme – genauso wie dies Apple lange getan hat.

Soweit die Gosling´sche Sichtweise der Dinge. In typischer Gosling-Manier werden im Folgenden technologische Details ausgebreitet, die sowohl Apple als auch Oracle in die „Böse-Buben-Ecke“ stellen. Ob Oracle/Sun die Herausforderung Apples annehmen und eine Java-Implementierung für Mac OS forcieren sollte, kommentiert Gosling nicht.

Nachhilfe in Sachen Community-Building

Klarere Worte fallen von anderer Seite: Ian Skerrett, Marketing Chef der Eclipse Foundation, wendet sich in einem offenen Brief an Oracle und fordert Big Red dazu auf, sich gefälligst mehr um Community-Building zu kümmern. Geradezu desaströs habe sich Oracle in diesem Bereich seit der Sun-Übernahme verhalten – sagt Skerrett und empfiehlt den Oracle-Oberen gleich die Lektüre des Buches „The Cluetrain Manifesto„, das sich beispielsweise die Konkurrenten IBM und SAP zu Herzen genommen hätten.

Skerrett kritisiert insbesondere Oracles Abstinenz in den wogenden Community-Diskussionen um die Zukunft von Java und das Vorgehen bei den laufenden Executive-Committee-Wahlen des JCP, linientreue Kandidaten in das Gremium einschleusen zu wollen.

I am sure you have a very logical reason for nominating Hologic. Don’t you think it is reasonable to tell the Java community these reasons? Ian Skerrett

Skerrett fordert Oracle direkt auf, die Sprachlosigkeit aufzugeben und auch angesichts der von Apple vollzogenen Abkehr von Java Stellung zu beziehen. Oracle solle die Situation als Chance begreifen, die OpenJDK-Community tatkräftig dabei zu unterstützen, selbst eine Mac JVM auf den Weg zu bringen:

In fact this is an opportunity to make the OpenJDK shine. Get the community to start building and packaging a Mac JVM, embrace the effort and make it part of the standard platforms. Embrace the community, make open source work for your advantage! Ian Skerrett

Skerretts Fazit: Die Java-Community bestehe aus leidenschaftlichen Java-Enthusiasten, die liebend gerne dabei helfen würden, Java erfolgreich zu machen. Nur habe Oracle selbst noch nicht begriffen, dass die Blockade dieser Java-Begeisterung Oracle selbst nur schaden könne.

The great thing about the individuals in the Java community is they are passionate about Java and really want to help you succeed. However, you are making it really hard to keep the passion. Loosen up, talk to people, listen to people, most of us don’t bite but you really need to get a clue. Ian Skerrett

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Hartmut Schlosser
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