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Unsere Interview-Serie zu Jakarta EE: Sebastian Daschner

Jakarta EE im Klartext: „Jakarta EE sollte möglichst ohne großen Programmieraufwand in Cloud-nativen Umgebungen laufen“

Dominik Mohilo, Gabriela Motroc

© Shutterstock / LuckyN (modifiziert)

Na, auch ein wenig den Anschluss in Sachen Jakarta EE verloren? Das macht nichts. In unserer Interview-Reihe sprechen Experten der Enterprise-Java-Szene Klartext darüber, was sich im Laufe der letzten Wochen und Monate verändert hat und in welche Richtung sich Jakarta EE entwickelt. Zentrales Thema ist dabei unter anderem, wie Jakarta EE zum neuen Zuhause für Cloud-native Java werden soll. Unser heutiger Gast ist Sebastian Daschner, Java Champion und freiberuflicher Softwareentwickler. Ab geht die Reise ins Jakarta-EE-Universum!

Es ist wahrlich kein leichtes Unterfangen, dieser Umzug der Java-EE-Technologie von Oracle zur Eclipse Foundation. Die Marke „Jakarta EE“ entwickelt sich prächtig und schnell. Zeit, für einen Moment innezuhalten und all die Pläne und Veränderungen Revue passieren zu lassen, um die Technologie fit für die neuen Herausforderungen in Sachen Cloud, Containern, Microservices, Serverless und reaktiver Programmierung zu machen.

Die Vision der technischen Zukunft von Jakarta EE beinhaltet Folgendes:

  • Eine verbesserte Unterstützung von Microservices-Architekturen.
  • Der Weg hin zu Cloud-native Java, was unter anderem die bessere Integration mit Technologien wie Docker und Kubernetes bedeutet.
  • Das Beschleunigen der Innovationsgeschwindigkeit.
  • Den Aufbau einer aktiven und engagierten Entwickler-Community.
  • Das Bereitstellen von produktionsreifen Referenzimplementierungen.

Immer auf dem Laufenden zu bleiben, was in Sachen Jakarta EE gerade in und was gerade out ist, bleibt ein kontinuierlicher Prozess. Mit Sicherheit können allerdings die bereits akzeptierten und in der Eclipse Foundation offiziell verorteten Projekte identifiziert werden. Unsere Liste von bereits angenommenen Projektvorschlägen hilft dabei, sich einen Überblick über den Status Quo zu verschaffen, aber das ist natürlich nur die Spitze des Eisbergs.

Welchen Herausforderungen sieht sich Jakarta EE derzeit gegenüber? Welche werden wohl in naher Zukunft aufkommen? Wohin geht die Reise überhaupt und wie wird die Zukunft von Enterprise Java aussehen? Mit unserer Interview-Serie wollen wir euch helfen, die aktuellen Entwicklungen im Blick zu behalten. Unsere Experten beleuchten die Hintergründe und klären darüber auf, wie es um die Zukunft der Technologie bestellt ist und wie man plant, Jakarta EE als neues Zuhause für Cloud-native Java zu etablieren.

Unsere Interview-Reihe: Jakarta EE im Klartext

In unserer Interview-Reihe sprechen Experten der Enterprise-Java-Szene Klartext darüber, was sich im Laufe der letzten Wochen und Monate verändert hat und in welche Richtung sich Jakarta EE entwickelt. Zentrales Thema ist dabei unter anderem, wie Jakarta EE zum neuen Zuhause für Cloud-native Java werden soll.

Ab geht die Reise ins Jakarta-EE-Universum mit unseren Experten!

Unser heutiger Experte ist Sebastian Daschner, Java Champion und freiberuflicher Softwareentwickler. Ab geht die Reise ins Jakarta-EE-Universum!

JAXenter: Hallo, Sebastian! Glaubst du, es wäre eine gute Idee, Eclipse MicroProfile mit Jakarta EE zu verschmelzen?

Sebastian Daschner: Das wäre meiner Meinung nach nur dann wirklich sinnvoll, wenn Jakarta EE auf der Arbeit von MicroProfile aufsetzen würde. Die meisten MicroProfile-Spezifikationen, wie etwa Metrics, Fault Tolerance oder Health Check zielen darauf ab, die in Java EE 8 enthaltenen Lücken zu schließen. Es wäre wohl am besten, wenn beide Technologien weiterhin koexistieren würden und MicroProfile sozusagen als Inkubator für Jakarta-EE-Standards dient. Ich habe auf meinem Blog (LINK) meine Gedanken zur Rolle von MicroProfile im Detail dargestellt.

JAXenter: Der Pfad, den man mit Jakarta EE beschreiten möchte, wurde bereits klar definiert und nennt sich Cloud-native Java. Wie erreicht man dieses Ziel?

Sebastian Daschner: Für mich ist Cloud-native eigentlich eher ein schlichtes Buzzword, allerdings eines, das definitiv wichtige Ansprüche an moderne Enterprise-Anwendungen verkörpert. Abgesehen davon bin ich ganz glücklich mit der Richtung, in die das Ganze geht.

Veraltete Features sollten würdevoll und nicht in Hauruck-Aktionen ausgebaut werden, sodass die Rückwärts- kompatibilität gewisser Features gewährleistet bleibt.

Es gibt allerdings meiner Meinung nach noch ein paar andere Punkte, die Jakarta EE ansteuern sollte. Jakarta EE sollte einerseits natürlich dort weitermachen, wo Java EE aufgehört hat – also auf Spezifikationen aufbauen, die Businesslogik ins Zentrum stellen, eine effiziente und stabile Entwicklung ermöglichen, Spezifikationen für die Interoperabilität definieren, anbieterneutrale Lösungen zur Verfügung stellen und wie gesagt 12-Faktor-Anwendungen sowie Cloud-native Technologien unterstützen.

Andererseits sollte Jakarta EE einige der früheren Mängel ausgleichen und sich anhand dieser Erfahrungen weiterentwickeln. Beispielsweise sollte der Fortschritt nicht überstürzt vorangetrieben und möglichst agil durchgeführt werden. Veraltete Features sollten würdevoll und nicht in Hauruck-Aktionen ausgebaut werden, sodass die Rückwärtskompatibilität gewisser Features gewährleistet bleibt. Außerdem wäre es in meinen Augen wichtig, weitere und passende Profile zu definieren und in Java EE fehlende Funktionen für Jakarta EE umzusetzen. Meine Gedanken dazu habe ich detaillierter auch meinem Blog zusammengefasst.

JAXenter: Wie kann Jakarta EE die Cloud-bezogenen Bedürfnisse der Nutzer befriedigen?

Sebastian Daschner: Die Bedürfnisse würden wohl am besten abgedeckt, wenn Jakarta EE möglichst ohne großen Programmieraufwand in modernen, Cloud-nativen Umgebungen laufen würde. Für mich ist die Cloud nur eine weitere Umgebung, in der die Umgebungsplattform verwaltet wird. Der wirklich Wert für das Unternehmen und Entwickler gleichermaßen liegt in Cloud-nativen Technologien, die oft in bestimmten Clouds zur Verfügung stehen und effektives Entwickeln ermöglichen.

JAXenter: Konzentrieren wir uns auf die Ergebnisse des Jakarta EE Surveys. Über 60 Prozent der Teilnehmer würden eine bessere Unterstützung von Microservices begrüßen. Wie würdest du dem nachkommen?

Sebastian Daschner: Es gibt einige Voraussetzungen, wie Resiliency, Observability und Service Discovery, die in Java EE noch fehlten und von MicroProfile-Projekten adressiert werden. Diese sollten in Jakarta EE in Form von Enterprise-Standards implementiert werden. Einige dieser Anforderungen werden aber bereits abgedeckt, sobald der Workload in orchestrierten Container Clustern und Service Meshes ausgeführt wird.

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mit Christian Schwendtner (PROGRAMMIERFABRIK)

JAXenter: Die native Integration von Kubernetes ist ein weiterer wichtiger Faktor, wie die Umfrage gezeigt hat. Sollte dies für Jakarta EE eine Priorität darstellen?

Sebastian Daschner: Um ehrlich zu sein, glaube ich nicht, dass großartige Veränderungen notwendig sind, damit Java EE anständig in Verbindung mit Kubernetes genutzt werden kann. Eine kleine Verbesserung wäre es, wenn Health Checks einfacher durchführbar wären.

Jakarta EE sollte einige der früheren Mängel ausgleichen und sich anhand dieser Erfahrungen weiterentwickeln.

Abgesehen davon erhält man mit Java EE aktuell bereits eine wunderbare Nutzbarkeit in Verbindung mit Containern bzw. der Container-Orchestrierung, da die Auslieferung von Thin-Deployment-Artefakten unterstützt wird. Das Copy-on-Write-Dateisystem von Containern erlaubt sehr effiziente Deployments in Verbindung mit diesem Ansatz.

JAXenter: Würdest du eine höhere Release-Kadenz (wie es nun bei Java der Fall ist) oder lieber größere und langsamere Releases bevorzugen?

Sebastian Daschner: Ich würde eine schnellere Weiterentwicklung individueller Spezifikationen und Profile bevorzugen, während man die Standard-basierte Natur von Enterprise Java nicht über Bord wirft.

JAXenter: Wie planst du dich in den Entwicklungsprozess von Jakarta EE einzubringen? Gibt es irgendwelche Spezifikationen oder TCKs, die dich besonders interessieren?

Sebastian Daschner: Mein Plan ist es, mich weiter bei den Spezifikationen von JAX-RS, Config und JSON-P zu engagieren. Zusätzlich möchte ich gerne an zukünftigen Spezifikationen beteiligen, die aus MicroProfile-Projekten hervorgehen.

JAXenter: Wie sollte die Community mit den Veränderungen umgehen, die in letzter Zeit stattgefunden haben?

Sebastian Daschner: Ich finde, die Enterprise Java Community muss sich nicht großartig verändern. Wir werden hoffentlich in naher Zukunft endlich mehr Resultate sehen und Technologiestandards schneller vorantreiben können, als das in der Vergangenheit der Fall war. Da viele Unternehmen nach Fortschritt dürsten, würde das der Industrie vermutlich gut gefallen.

Sebastian Daschner is a self-employed Java consultant, author and trainer and is enthusiastic about programming and Java (EE). He is the author of the book ‘Architecting Modern Java EE Applications’. Sebastian is participating in the JCP, helping forming the future standards of Java EE, serving in the JAX-RS, JSON-P and Config Expert Groups and collaborating on various open source projects. For his contributions in the Java community and ecosystem he was recognized as a Java Champion, Oracle Developer Champion and double 2016 JavaOne Rockstar. Besides Java, Sebastian is also a heavy user of Linux and container technologies like Docker. He evangelizes computer science practices on his Blog, his newsletter, and on Twitter via @DaschnerS. When not working with Java, he also loves to travel the world — either by plane or motorbike.
Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
Gabriela Motroc
Gabriela Motroc
Gabriela Motroc ist Online-Redakteurin für JAXenter.com. Vor S&S Media studierte Sie International Communication Management an der The Hague University of Applied Sciences.
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