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IT-Wissen: Nach 5 Jahren obsolet?

Redaktion JAXenter

© Shutterstock/Creativa Images

Manches Wissen besitzt eine Halbwertszeit, ist nach einer gewissen Zeit veraltet und somit unbrauchbar. Das gilt auch für die Kenntnisse und Fähigkeiten von Programmierern. Dabei ist nicht die Tatsache an sich verwunderlich, sondern die Zeitspanne:

So stellte Philippe Kruchten, Professor für Software Engineering an der Univerity of British Colombia, im Jahr 2008 nach der Lektüre einiger Ausgaben des IEEE Software Magazines aus den späten 1980er Jahren seine Fünf-Jahres-Hypothese auf. Dieser zufolge sind nach gut fünf Jahren knapp die Hälfte der Schlüsselideen, -konzepte und -technologien entweder vergessen oder marginalisiert. Seine aus diesem Umstand gezogenen Schlussfolgerungen enthalten Planungen, die auch einen Standard für die berufliche Weiterbildung umfassen. Dabei weiß Kruchten aus erster Hand, wovon er spricht: Bevor er sich in die akademischen Gefilde begab, verfolgte er für knapp 30 Jahre eine Karriere als Entwickler und  Manager.

Bevor näher auf seine Überlegungen eingegangen wird, bietet sich eine Definition dessen an, was überhaupt unter Entwicklerwissen zu verstehen ist.

Die 3 Dimensionen des Entwicklerwissens

Denn über diese Frage wurde schon viel geschrieben und geredet. Der schwedische Software-Entwickler Henrik Warne skizzierte die drei Dimensionen des IT-Wissens kürzlich folgendermaßen:

Programmieren: Sprachen, Paradigmen, Techniken. Kernkonzepte, die sich unabhängig von der Syntax häufig von einer Sprache auf die andere übertragen lassen.

Domain: Wissen um die Umgebung (z. B. Telekommunikation), in der ein Programm genutzt wird. Ein Warne zufolge oft vernachlässigtes, nichtsdestotrotz wichtiges Feld. Denn je länger man in einem Sektor arbeitet, desto wertvoller kann der eigene Arbeitsbeitrag sein.

Codebasis: Charakteristisch für den jeweiligen Arbeitsplatz. Je länger am selben gearbeitet wird, desto besser weiß man über den Code sowie interne Arbeitsabläufe Bescheid.

Warne zufolge sind die besten Entwickler diejenigen, die sich in allen drei Dimensionen gleichermaßen auskennen. Erfahrungen beim Programmieren sind wichtig, machen jedoch nicht das ganze Entwicklerwissen aus. Und hier wird die Debatte interessant: Denn wenn der Code nicht das einzig Wichtige ist, heißt das dann auch, dass das Wissen um die anderen Bereiche ebenfalls nach fünf Jahren obsolet ist?

Warne verneint dies und weist darauf hin, dass das Wissen um die Dimensionen Programmieren und Domain relevant bleiben. So bilden etwa die Kenntnisse in verschiedenen Programmiersprachen gewissermaßen Referenzpunkte dafür, wie Dinge auf unterschiedliche Art und Weise erledigt werden – auch wenn sich die Grundlagen unterscheiden. Der Knackpunkt ist für Warne und Kruchten gleichermaßen, dass aufgrund der ständigen Innovation im IT-Umfeld eine kontinuierliche berufliche Weiterbildung essentiell ist.

Lebenslanges Lernen

Für die Beschreibung derartiger professioneller Bildungsprozesse greift Kruchten auf das Konzept des Continuing professional development (CPD) zurück. Die Grundidee ist nicht neu: In manchen Berufsständen – man denke an den Gesundheitssektor – gehören regelmäßige Weiterbildungen schon lange zum Alltag. Auch wenn beispielsweise Zertifizierungen wie die zum „IEEE Certified Software Development Professional“ existieren, fehlen vergleichbare Standards in der IT bislang noch.

Um fit für den Markt zum bleiben, müssen Entwickler anpassungsfähig bleiben und sich einen offenen Geist bewahren. Vor dem Hintergrund von Neuentwicklungen bzw. massiven Änderungen in den Bereichen Sprachen und Frameworks tut es Not, am Puls der technologischen Entwicklung zu bleiben und eine Strategie des lebenslangen Lernens zu verfolgen.

Kruchten glaubt, dass Entwickler gar eine ethische Verpflichtung dazu haben, mit den Entwicklungen in ihrem professionellen Umfeld Schritt zu halten. Eine interessante Formulierung, die reichlich Stoff für weitere Diskussionen liefern dürfte.

Wer sich zusätzlich für die Vorteile beruflicher Weiterbildung aus Unternehmenssicht interessiert, dem sei der ebenfalls auf JAXenter erschienene Artikel „Warum Weiterbildung fester Bestandteil des IT-Budgets sein sollte“ ans Herz gelegt.

Der Originalartikel erschien auf Jaxenter.com. Übersetzung: Michael Thomas.

Aufmacherbild: Confused businessman with paper head gesturing confuse von Shutterstock.com / Urheberrecht: Creativa Images

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