Aus dem Entwicklernähkästchen - Teil 5

Prognose: Diese elf IT-Trends werden 2019 wichtig

Hartmut Schlosser

© Shutterstock /  kheira benkada

Aus dem Entwicklernähkästchen plaudern IT-Profis aller Couleur über das Technologiejahr 2018 und geben Ausblicke auf 2019. Im fünften Teil unserer Serie geht es um die Trends 2019.

Deine Prognose: Welcher Trend wird 2019 besonders wichtig werden?

Machine Learning und Artificial Intelligence sind sehr komplexe Themen, wenn man sie von Grund auf verstehen möchte. Die wenigsten Teams haben Expertinnen und Experten, die das notwendige Wissen in Sachen Statistik und Informatik mitbringen, um nicht triviale Lösungen in diesem Bereich zu bauen. Aus meiner Sicht sind fertige AI-Services in der Cloud wie zum Beispiel die Cognitive Services von Microsoft eine Lösung für dieses Problem. Die Einstiegshürde in die Welt von ML und AI wird durch sie deutlich gesenkt. Ich glaube, dass 2019 viele spannende, neue Dienste auftauchen und die bestehenden stark an Beliebtheit gewinnen werden. Der Vorteil für die Anwender ist, dass sie ohne riesige Forschungsbudgets intelligente Programmfunktionen erhalten, die bis vor kurzem nicht finanzierbar gewesen wären.
Rainer Stropek – software architects / www.IT-Visions.de

 

AI und wie es sonst so genannt wird, wird ein riesen Trend. Die Anwendungsbereiche sind überall. Die Prototypen, welche von Google und Co. im Spieleumfeld gezeigt werden (Schach, Go, etc.) zeigen nur annährend auf, wie mächtig AI in näherer Zukunft werden wird. Dabei handelt es sich in den nächsten Jahren nicht um eine „echte“ künstliche Intelligenz, sondern um Algorithmen, welche mit dem Big Data Hype der letzten 10 Jahre endlich etwas anfangen können, nämlich die Analyse all dieser Datenpunkte zwecks Optimierung von Prozessen.

Man stelle sich vor, ein Logistikunternehmen bringt es hin, 30% ihrer Energieaufwände zum Transport von Gütern einzusparen, dank AI-basierter Weg- und Lageroptimierung. Das passiert ja bereits heute schon bei Firmen wie Amazon (Produkte werden schon geliefert, bevor bestellt wird) oder Google (Data Centers werden von AI gemanagt).

Ich denke, dass 2019 AI zur „Commodity“ wird, sodass auch kleinere Unternehmen, die nicht selber so fortgeschrittene AI herstellen können, AI für beliebige Zwecke lizenzieren können werden. Meine Herstellerwette fällt hier auf Microsoft und Azure AI als klarer Gewinner in diesem Markt.
Lukas Eder – Gründer Data Geekery, der Firma hinter jOOQ

 

Nachdem in Deutschland dieses Jahr nun endlich Apple Pay und Google Pay auf den Markt gekommen sind (ich selbst benutze es hierzulande schon länger über den Umweg mit ausländischen Banken), hoffe ich, dass sich die Technologie nun auch hier überall durchsetzen wird! Auch im Online-Handel werden diese Technologien nun vermehrt angewendet werden, nationale Payment-Insellösungen verschwinden, und vor allem sollten sich die deutschen Banken nicht weiter sperren! Es wird auch noch viel im Umfeld der PSD2-Payment-Richtlinie der EU zu erwarten sein. Da wird auch auf uns Entwickler viel Arbeit zukommen!
Uwe Schindler – Entwickler bei SD DataSolutions und PMC-Mitglied Apache Lucene

 

Ich bin sehr gespannt, wie die Sache mit IBM und RedHat ausgeht. Das könnte sehr spannend werden. Dementsprechend neugierig bin ich auch, was Microsoft mit GitHub anstellen wird. Die Transformation der großen Standard-Software-Hersteller hin zu Dienstleistern wird weitergehen.

In Sachen Techniktrend glaube ich, dass Themen wie Kubernetes noch viel stärker durchstarten werden, vor allem in Europa. Und ich bin sehr gespannt, wie die Geschichte rund um PHP / LLVM / usw. weitergeht bzw. ausgeht…
Joachim Arrasz – Software- und Systemarchitekt bei synyx, Leiter der CodeClinic

 

Machine Learning wird als Thema 2019 heiß bleiben und der Zugang dazu wird auch für Nicht-Statistiker und Nicht-Entwickler immer leichter. Nach „self-service Business Intelligence“ der vergangenen Jahre wird nächstes Jahr „self-service Artificial Intelligence“ folgen.

Markus Ehrenmüller-Jensen – Data Platform MVP und Professor für Datenbanken und Projekt-Engineering an der HTL Leonding

 

Ich denke, dass 2019 noch mehr das Thema „Künstliche Intelligenz“ im Fokus stehen wird. Hier würde ich mir aber auch begrifflich etwas mehr Zurückhaltung wünschen: Nicht jedes Spracherkennungssystem ist gleich eine ausgewachsene „Künstliche Intelligenz“. Ich sehe bei dem Thema durchaus viele Potentiale, aber ich würde mir auch eine stärkere Diskussion der Risiken wünschen.
Manuel Mauky – Software-Entwickler bei der Saxonia Systems AG

 

Kubernetes erfährt weitere Vereinfachungen – bzw. es wird weitere Tools geben, die den Umgang mit Kubernetes für den „Durchschnittsnutzer“ effektiver machen. Derzeit tauchen wieder vermehrt Stimmen auf, die Docker Swarm wegen dessen Einfachheit bevorzugen, und ich denke, dass wir uns die alten Prizipien wie KISS wieder stärker bewusst machen sollten. Vielleicht sind CNABs (https://cnab.io/) ein Weg in die richtige Richtung.
Tobias Gesellchen -Softwareentwickler bei der Europace AG

 

Ich glaube, dass es zunehmend wichtig wird, Technologie durch Abstraktion zu verbergen, um sich auf das eigentlich Wichtige konzentrieren zu können: die Fachlichkeit. Dazu trägt dann auch Serverless seinen Teil bei, aber ich glaube, dass man hier noch viel weiter gehen muss. Softwareentwicklung muss weg vom Image des einsamen Nerds, der im Keller im Alleingang eine geniale Software entwickelt, und hin zu einem Verständnis für interdisziplinäre Teams, die gemeinsam viel mehr leisten können, als ein einzelner Entwickler für sich. Dazu gehört aber auch eine funktionierende Kommunikation, gerade auch im Hinblick auf andere Disziplinen, was aber leider nicht in der gängigen Ausbildung vorkommt: Wer hat als IT-ler schon gelernt, beispielsweise mit einem Biologen zu sprechen? Oder mit einem Bauingenieur? Oder einem Musiker? Genau diese Menschen sind aber unsere Kunden, und sie liefern die Gründe, warum letztlich Software entwickelt wird. Darauf müssen wir mehr eingehen, wenn wir als Branche einen vernünftigen Beitrag zu einer funktionierenden Wirtschaft und gegebenenfalls sogar zu einer besseren Welt leisten wollen.
Golo Roden – Microsoft MVP und Gründer von the native web.

 

thomas_kruseIch kann mir gut eine Fortsetzung von Microservices hin zu Function-as-a-Service oder Serverless-Architekturen vorstellen.
Thomas Kruse – Architekt bei der trion development GmbH und Leiter der Java Usergroup Münster.

 

Ich denke, wir werden 2019 eine Welle neuer Geräte mit Sprachunterstützung zu sehen bekommen. Die Alexa-Mikrowelle ist nur ein erster Vorbote. Smarte Kühlschränke, smarte Waschmaschinen oder auch eine noch tiefere Integration in Autos erwartet uns im nächsten Jahr.
Ralf Eggert – Geschäftsführer der Travello GmbH, Zend-Framework-Experte und Alexa Champion.

loewenstein_bernhard_sw1-170x190Ich denke, dass die Cloud als Applikationsplattform heuer so richtig angekommen ist. Dieser Trend wird sich in den nächsten Jahren noch verstärken. Kubernetes wird also auch 2019 viele neue Freunde gewinnen.

Zum Abschluss wünsche ich noch allen Lesern: Happy Coding 2019 – May the Ultimate Programming Power Be with You!

Bernhard Löwenstein – Lion Enterprises & Gründer des Instituts zur Förderung des IT-Nachwuchses www.ifit.education.

Geschrieben von
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Content-Stratege, IT-Redakteur, Storyteller – als Online-Teamlead bei S&S Media ist Hartmut Schlosser immer auf der Suche nach der Geschichte hinter der News. #java #eclipse #devops #machinelearning #seo. Zum Lächeln bringen ihn kreative Aktionen, die den Leser bewegen. @hschlosser
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