Interview mit Johan van den Boogaart, Sales Manager für die DACH-Region bei Zerto

BC/DR, IT Resilience & Continuous Data Protection: „Unternehmen benötigen ständige Verfügbarkeit“

Dominik Mohilo
© Shutterstock / Bakhtiar Zein

Die Digitale Transformation stellt Unternehmen vor immer neue Herausforderungen. In unserer mittlerweile hochvernetzten Welt ist der Super-GAU, wenn Services nicht erreichbar sind. Wie schützen sich unternehmen davor? Welche neuen Möglichkeiten gibt es, um für die digitale Zukunft gewappnet zu sein? Johan van den Boogaart spricht im Interview über BC/DR (Business Continuity / Disaster Recovery), IT Resilience sowie Continuous Data Protection (CDP).

JAXenter: Die Digitale Transformation stellt große Herausforderungen an die Branche, welche sind das im Allgemeinen?

Johan van den Boogaart: Die allgemeine Digitalisierung bringt natürlich viele Vorteile mit sich, verschärft auf der anderen Seite jedoch auch viele der Probleme, mit denen IT-Manager bereits jetzt tagtäglich zu kämpfen haben. Beispielsweise müssen, anders als früher, alle Applikationen immer hoch performant und verfügbar sein. Downtime oder langsame Performance, egal aus welchen Gründen, wird nicht mehr akzeptiert. Ein anderes, grundlegendes Problem sind die exorbitant steigenden Datenmengen und die immer größer werdende Komplexität des Systems, die viele Teile der heutigen IT an ihre Grenzen bringen, wie etwa die Prozesse für Business Continuity und Disaster Recovery.

JAXenter: Was genau ist unter dem Fachterminus „BC/DR“ (Business Continuity / Disaster Recovery) zu verstehen?

Johan van den Boogaart: BC/DR umfasst eine Reihe von Prozessen und Techniken, die einem Unternehmen dabei helfen, sich von einem Desaster, oder auf Deutsch, dem K-Fall zu erholen und den laufenden Geschäftsbetrieb fortzusetzen oder wieder aufzunehmen. Dieser Ansatz funktioniert heute eher schlecht als recht und bedarf bei vielen Unternehmen einer Erneuerung.

JAXenter: Welchen Herausforderungen sieht man sich im Bereich BC/DR durch die Digitale Transformation gegenüber?

BC/DR in seiner bisherigen Form ist deswegen ein großes Problem für Unternehmen, weil der Ansatz eben nicht das bietet, was Unternehmen benötigen.

Johan van den Boogaart: Die Digitale Transformation stellt die IT wie bereits gesagt auf allen Ebenen vor Herausforderungen. BC/DR in seiner bisherigen Form ist deswegen ein großes Problem für Unternehmen, weil der Ansatz eben nicht das bietet, was Unternehmen benötigen und zwar: Ständige Verfügbarkeit durch den Schutz vor jedweden Gründen für Downtime, ganz gleich ob geplant oder ungeplant.

Der traditionelle BC/DR-Ansatz hat ganz grundsätzliche Probleme, die man seit Jahren mit immer neuen technologischen Tricks zu lösen versucht. Doch mit den steigenden Anforderungen kommen diese Lösungen bereits jetzt an ihre Grenzen. Wenn man das derzeitige Datenwachstum ansetzt, muss man eingestehen, dass dies schon in wenigen Jahren so nicht mehr funktionieren kann.

JAXenter: Warum ist dieser Ansatz mit seinen traditionellen Technologien (aufbauend auf synchronen Spiegeln mit Backups und Snapshots) nicht für die digitale Zukunft geeignet?

Johan van den Boogaart: Derzeit lösen Unternehmen BC/DR mit Stretched-Clustern auf der Hardwareseite mit Synchronen Spiegeln und mit Backups sowie Snapshots auf der Softwareseite. Das klappt bereits mit geringen Datenmengen nicht so gut, weil die Technologie unter anderem viel zu komplex ist, viel Speicherbedarf verschwendet und dabei Systeme und Daten nur in den Intervallen von gespeicherten Snapshots und Backups wiederherstellen können. Mit der steigenden Datenmenge und dem Anspruch, Dienste jederzeit unterbrechungsfrei anbieten zu können, ist dieser Ansatz schon heute nicht mehr vereinbar. Neue umfassende Ansätze wie IT-Resilienz und Technologien wie Continuous Data Protection bieten hier jedoch Abhilfe.

JAXenter: Was genau beschreibt das neue Konzept der IT-Resilience? Wie funktioniert Continuous Data Protection (CDP)?

IT Resilience zielt darauf ab, die Infrastruktur so flexibel zu gestalten, dass sowohl geplante als auch ungeplante Ausfälle jederzeit vermieden werden.

Johan van den Boogaart: IT Resilience ist ein umfassender Ansatz, der darauf abzielt, die Infrastruktur so flexibel zu gestalten, dass sowohl geplante als auch ungeplante Ausfälle jederzeit vermieden werden. Im Zuge dessen können Lösungen unter dem Schirm der IT Resilience den nicht ausreichenden Schutz althergebrachter BC/DR-Strategien deutlich erhöhen. Technologien, die dabei zum Einsatz kommen, sind etwa Hypervisor-basierte Replikation oder Continuous Data Protection (CDP), der aktuelle Stand der Technik der Backup-Technologie.

CDP wird manchmal auch kontinuierliches Backup oder Echtzeit-Backup genannt. Der Unterschied zu herkömmlichen BC/DR-Strategien mit vollen Backups und Snapshots besteht darin, dass CDP jede einzelne I/O automatisch auf Blockebene speichert. Dies bedeutet, dass die Sicherung nicht mehr in Intervallen, sondern kontinuierlich in einem Journal gespeichert wird. Der Vorteil liegt auf der Hand: Man kann Daten und Workloads wie in einer Zeitmaschine mit nur wenigen Klicks auf jeden Stand in der Vergangenheit wiederherstellen.

JAXenter: Das klingt alles sehr praktisch. Warum setzen nicht schon mehr Unternehmen auf diesen moderneren Ansatz?

Johan van den Boogaart: IT-Resilience ist noch recht jung und der Begriff an sich wurde auch erst im vergangenen Jahr von Gartner etabliert. Die großen der Branche haben den Nutzen aber erkannt und setzen entsprechende Lösungen bereits ein. Generell müssen wir jedoch noch viel Aufklärungsarbeit leisten, um IT-Manager, CIOs, CDOs und mancherorts auch CEOs von den Vorteilen einer IT-Resilience-Plattform zu überzeugen.

Johan van den Boogaart ist Sales Manager für die DACH-Region bei Zerto.
 
 
 
 
Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
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