Nähern sich die fetten Jahre langsam dem Ende?

IT-Freiberufler: Stundensätze ziehen insgesamt nur leicht an

Michael Thomas

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Einer Umfrage des Personalvermittlungsportals GULP zufolge hat sich der durchschnittliche Stundensatz von IT- und Enigneering-Freelancern im Jahr 2015 um lediglich 50 Cent erhöht. Eine wachsende Zahl der Selbstständigen geht zudem davon aus, ihren Stundensatz vorerst nicht weiter erhöhen zu können – bzw. ihn demnächst senken zu müssen.

Den Angaben der Teilnehmer zufolge betrug das durchschnittliche Honorar im Jahr 2015 bis dato 80,50 Euro pro Stunde (Netto, exklusive MwSt.). Der Großteil der Freelancer (67,8 %) berechnete dabei einen Stundensatz von 60 bis 99 Euro, 15,4 % verdienten weniger als 60 Euro und 16,8 % mehr als 100 Euro.

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52,1 % der Selbstständigen gehen davon aus, dass sich in Zukunft nichts an ihrem Stundensatz ändern wird, was im Vergleich zum Vorjahr einen Anstieg um 4,2 % ausmacht. Gestiegen ist allerdings auch der Prozentsatz derjenigen, die im Hinblick auf ihren Verdienst eine etwas pessimistischere Sichtweise an den Tag legen: Nur noch 41,3 % der Freelancer glauben, ihren Stundensatz demnächst anheben zu können – ein Rückgang um 6,7 %. 6,6 % der Selbstständigen gehen sogar davon aus, ihre derzeitigen Honorarforderungen künftig zurückschrauben zu müssen – im Vorjahr dachten dies nur 4,1 %.

Im Hinblick auf den von ihnen geforderten Stundensatz konnten 48,5 % ihre ursprüngliche Forderung beim Kunden durchsetzen. 25,9 % mussten ihr Angebot um 1-5 Euro nach unten korrigieren, weitere 16,3 % um 6-10 Euro. Nur 9,3 % mussten bei den Verhandlungen noch höhere Abschläge akzeptieren. Im Schnitt erhielten diejenigen Freelancer, die zurückstecken mussten, 9,62 Euro weniger als anfänglich verlangt.

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Im Jahr 2014 erwirtschafteten die befragten IT- und Engineering-Freiberufler im Durchschnitt einen Bruttoumsatz von 125.541 Euro, von denen nach Abzug der Kosten für Altersvorsorge, Kranken- und Pflegeversicherung, Steuerberater etc. ein Gewinn von durchschnittlich 69.328 Euro verblieb.

Weitere Ergebnisse

Abgesehen von den Verdienstaussichten hat die GULP-Umfrage noch einige weitere interessante Zahlen erhoben: So ist annähernd die Hälfte (42,4 %) der Freiberufler für eine der drei folgenden Branchen tätig: Banken & Finanzinstitute (15 %), Automobilindustrie (14,2 %) und IT-Unternehmen (13,2 %).

Mit 52,2 % war die Mehrzahl der Freelancer in ihrem letzten oder aktuellen Projekt in Unternehmen mit mehr als 5.000 Beschäftigten (weltweit) tätig. Auf Unternehmen mit weniger als 100 Mitarbeitern entfallen nur 11,0 % der Projekte. Eingesetzt werden die Freelancer vor allem als Programmierer (38,2 %), gefolgt von Berater (20,8 %) und Projekt-Manager oder -Leiter (16,5 %).

Im Hinblick auf die Dauer der Beschäftigung entfallen 69,7 % der Aufträge auf Projekte mit einer Laufzeit von maximal einem Jahr. Ein interessanter Ausreißer zeigt sich bei sehr langfristigen Projekten (länger als 7 Jahre): Ganze 7,19 % der Freelancer waren zum Zeitpunkt der Umfrage in derartige „Methusalem“-Projekte involviert.

Die durchschnittliche Arbeitszeit beträgt 37 Stunden, 56,5 % arbeiten zwischen 31 und 40 Stunden die Woche, weitere 21,5 % zwischen 41 und 50 Stunden. Die Workaholics mit mehr als 50 Wochenstunden machen lediglich eine Minderheit von 2,6 % aus.

Interessant ist auch die Altersstruktur: Ganze 74,5 % der Teilnehmer haben ihren 40. Geburtstag bereits hinter sich; knapp die Hälfte (41,3 %) der Befragten ist zwischen 40 und 49 Jahren alt. Entsprechend verteilt sich auch die Berufserfahrung: 73,1 % der Freiberufler bringen mindestens 15 Jahre Berufserfahrung mit.

Schlussendlich hat sich auch das Klischee der IT als klassische Männerdomäne erneut bestätigt: Der Frauenanteil der Befragten betrug magere 8 %, was fast dem allgemeinen Prozentsatz in der GULP-Datenbank entspricht (7,5 %) – die mit ihren rund 90.000 registrierten Freiberuflern als durchaus repräsentativ bezeichnet werden kann.

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Aufmacherbild: Freelance Part time Outsources Job Employment Concept von Shutterstock.com / Urheberrecht: Rawpixel

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Michael Thomas
Michael Thomas studierte Erziehungswissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und arbeitet seit 2013 als Freelance-Autor bei JAXenter.de. Kontakt: mthomas[at]sandsmedia.com
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