Michael Nygards Keynote auf der W-JAX 2014

'IT builds the platform, not the apps'

Redaktion JAXenter
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Das Keynote-Programm der W-JAX deckt wie jedes Jahr ein breites Spektrum an Themen, Trends und Technologien ab. Als verbindendes Element fast aller Ansprachen auf der großen Konferenzbühne kristallisiert sich in diesem Jahr die Zauberformel DevOps heraus. Dass Entwicklungs- und Betriebsabteilung nicht nur den Schulterschluss miteinander wagen, sondern gleichermaßen den Austausch mit der Business-Abteilung suchen sollten, dafür plädierte Michael Nygard am Morgen in seiner Auftakt-Keynote „Rethink IT: The Day After Tomorrow“.

„Die Software, die wir schreiben, hat im Laufe der Geschichte eine Wirtschaftsbranche nach der anderen aufgewirbelt…Wir sind nun an dem Punkt angelangt, wo sie unseren eigene Branche aufwirbelt.“ So begann Nyard, seines Zeichens langjähriger Software-Entwickler und –Architekt und Autor des Bestsellers „Release It!“, seine Ausführungen. In der IT habe längst ein großes Umdenken eingesetzt, konstatiert er: weg von zentralisierten hin zu dezentralisierten Systemen, vom traditionellen Wasserfallmodell hin zu agilen Ansätzen. Dazu komme die Tendenz zu kleineren Entwicklerteams und zu Microservices.

Was führte zu diesen tektonischen Verschiebungen in der IT-Landschaft? Darauf gab Nygard in seiner Keynote nicht nur informierte Antworten, sondern stellte auch seine eigenen Ideen zu dieser „Neuen IT“ („New IT“) vor.

Zwei Drittel aller IT-Projekte scheitern

Zunächst führte Nygard negative Gründe an, unterlegt mit alarmierenden Zahlen. Da wären zum Beispiel die schockierende Kostenbilanzen zahlreicher IT-Projekte, etwa solcher, die mit einem Budget von 5 Millionen Dollar an den Start gehen und letztendlich mit 200 Millionen Dollar zu Buche schlagen. Zwei Drittel aller IT-Projekte scheitern, wie er ausführt, 80 Prozent des Budgets eines IT-Projekts wird in dessen Wartung gesteckt.

Natürlich werde von Seiten der Projektleiter alles darangesetzt, die Risiken im Projekt abzufedern: formelle Projektaufträge, Enterprise-Architekturen, ITIL und die Schaffung von Standards sind einige der Maßnahmen, die Nygard in diesem Zusammenhang nennt. Allerdings mit einem großen Caveat: Solche Strategien würden die Risiken nicht reduzieren, sondern lediglich verlagern, warnt er und verweist auf versteckte Kosten – man könnte auch von Opportunitätskosten sprechen: unvorhergesehene Verzögerungen („Cost of Delay“), das Warten auf eine Genehmigung oder auch eine Übergabe im Team fordern ihren Tribut.

Consumerization der IT

Doch nicht nur negative Faktoren bedingen laut den Bewusstseinswandel in der IT. Mehr Ressourcen denn je stehen dem Entwickler und Projektleiter heute zur Verfügung: Rechenkapazität, Bandbreite, Open-Source-Infrastruktur, Software as a Service – all das sei zur Genüge vorhanden und führe zu einer „Consumerization“ der IT. Zwischen Vollblut-Entwicklern und IT-Laien gebe es immer mehr Abstufungen in Sachen Kompetenz und Spezialisierung. Die traditionelle Dichotomie oder „künstliche Trennung“ (Nygard) zwischen „Real“ und „Rogue IT“ sei überholt.

Darauf müssen Unternehmen reagieren, wie er meint: Auch Mitarbeiter außerhalb der IT-Abteilung sollten an der IT ihres Unternehmens teilhaben dürfen, jeder nach seinen Möglich- und Fähigkeiten. Unbedingte Voraussetzung sei allerdings eine differenzierte Rechtevergabe. Umgekehrt sei die IT-Abteilung nicht mehr als „schwarzes Loch“ zu betrachten, in dem jegliches Business-Know-How verloren geht, sondern in Geschäftsentscheidungen einzubeziehen. Und ihr Kerngeschäft, die IT? Entwickler sollen sich nach Nygards Auffassung auf die Bereitstellung und Instandhaltung der Plattform beschränken – Anwendungsentwicklung gehört, so Nygard, nicht zu ihren Kernaufgaben – sowie auf kleinere Teams (nach dem Motto: Viele Köche versalzen den Brei). Zu bedenken gab er auch, dass Entwickler selbst die eifrigsten Nutzer ihrer Produkte seien.

Total dezentral?

Wenn jeder partizipieren soll, läuft dies dann auf eine Dezentralisierung der Unternehmensstruktur hinaus? Mitnichten, meint Nygard. Zwar sei der CIO als allwissender, allmächtiger Chef ein Auslaufmodell. Ihm allein fehle das nötige Wissen, um wartbare Architekturen zu erschaffen. Dieses verteile sich in der Regel auf viele Mitarbeiter. „Zentralisierte Prozesse erschaffen grundsätzlich Monolithen“, so der Speaker. Und in Zeiten von Microservices sind solche unflexiblen Systeme natürlich ein No-Go.

Totale Dezentralisierung führe allerdings zu Fragmentierung, Chaos und Anarchie. Seine Kompromisslösung:

Centralize some things, decentralize others.

Michael Nygard

6 Prinzipien der ‚Neuen IT’

Seine „Sechs Prinzipien der ‚New IT’“ (s. Bild), die Nygard dem W-JAX-Publikum am Ende mit auf den Weg gab, fassen diese Überlegungen kompakt zusammen:

Erstens: Developers are the new customers.

Zweitens: Run a platform for applications.

Drittens: No longer build, deploy, or operate the applications.

Viertens: Development merges with business units.

Fünftens: Enterprise architecture defines teams, not standards.

Sechstens: Less code and more productive developers. 

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