IT-Architektur ist mehr als nur das Erstellen von Konzepten

IT-Architektur zwischen Elfenbeinturm und Drecksarbeit

Dr. Heinrich Krause

Gute IT-Architektur wird an ihren Auswirkungen erkannt. Es sind die Gestalt der IT-Landschaft, die Prozesse für (Weiter-)Entwicklung und der Betrieb der informationsverarbeitenden Systeme der Unternehmung. Zu oft erschöpfen sich die Architekturarbeit und deren Bewertung darin, dass schöne Darstellungen und umfangreiche Konzepte erstellt und dann bewundert werden. Der Business Value solcher IT-Architektur hält sich in Grenzen. Um den umfassenden Business Value zu bestimmen, müssen Nutzen und Kosten der IT-Architektur auch definiert und erfasst werden. An praktischen Beispielen zeigt dieser Artikel, wie bei einer wirkungsvoll umgesetzten Architektur der Business Value ermittelt werden kann.

IT architecture is rapidly becoming the foundation of competitive business advantage. Those who implement IT architecture well will win and those who don’t will lose. ([7], p. 1)

Business Value“ [1] ist ein schillernder Begriff. Er drückt aus, dass nicht nur der unmittelbare finanzielle Nutzen einer Aktivität betrachtet werden soll, sondern auch die indirekten oder erst später eintreffenden Erfolge, die für das Unternehmen aus der Aktivität entstehen. Die Ergebnisse der IT-Architektur sind von Natur aus langfristig und wirken aufgrund der Zeit für die Umsetzung erst mit einiger Verzögerung aus. Für die Kunden einer Unternehmung sind Eigenschaften wie Qualität der Produkte, Lieferbereitschaft, Preis etc. für einen Kauf ausschlaggebend. Die IT-Architektur liegt dahinter verborgen und wird nie im Vordergrund stehen. Trotzdem wird niemand bestreiten, dass IT im Allgemeinen und IT-Architektur im Besonderen einen wesentlichen Beitrag zum Geschäftserfolg leistet. Wenn dem nicht so wäre, so würde wohl auf den Einsatz einer so kostspieligen Spielerei verzichtet. Eine gute IT-Architektur ist für den Erfolg einer Unternehmung notwendig, aber allein nicht hinreichend. Der Business Value für die IT-Architektur kann in verschiedenen Bereichen gesucht werden, zum Beispiel als Customer Value, Partner Value etc.

Die Betrachtung des Business Value ist unvollständig, wenn nur der Nutzen berücksichtigt wird. Der damit verbundene Aufwand gehört ebenso in die Betrachtung, und das Wirtschaftlichkeitsprinzip verlangt, dass Aufwand und Ertrag in einem vernünftigen Verhältnis zu einander stehen. Sicher gibt es immer wieder Projekte bei denen ein möglicher Nutzen, zum Beispiel wegen regulatorischer Anforderungen, nicht bezifferbar ist, die aber um des schieren Überlebens willen durchgeführt werden müssen. Das Wirtschaftlichkeitsprinzip gilt jedoch auch hier, das heißt die Leistung ist mit optimalem Aufwand zu erbringen. Die Gegenüberstellung von Aufwand und Nutzen erfolgt im Rahmen einer Investitionsrechnung [2], [3]. Dazu ist es notwendig, die verschiedenen Faktoren der Betrachtung, also sowohl den erzeugten Business Value als auch den damit verbundenen Aufwand, zu bewerten und als finanzielle Größe auszudrücken. Wenn die IT-Architektur ihre Existenzberechtigung über den erzielten Business Value herleiten muss, so gilt es herauszufinden, wer und in welcher Art und Weise von der IT-Architektur profitiert.

Was gehört zur IT-Architektur?

Die Architektur ist ein wesentliches Merkmal jeder IT-Landschaft. Jede IT-Landschaft hat eine Architektur, genauso wie jedes Gebäude. Entweder ist sie explizit gestaltet oder implizit gewachsen. IT-Architektur umfasst nicht nur den Entwurfsprozess und dessen Resultate. Zu ihr gehören auch die Prozesse der Umsetzung und die Sicherstellung der Einhaltung vorgegebener Konzepte und Standards. Das ist Knochenarbeit. IT-Architektur besteht aus fünf zusammengehörenden Bausteinen [4]:

  1. Struktur der Architektur: Die Struktur beschreibt den Zielzustand der Architektur. Sie umfasst die Konzepte, Standards etc. und auch die eingesetzten oder vorgesehenen Technologien und Werkzeuge. Zur Struktur gehört jedoch auch der organisatorische Aufbau der Architekturabteilung.
  2. Dokumentation der Architektur: Dokumentation umfasst sowohl die Beschreibung der Architektur als auch das Dokumentationssystem, wobei ein Repository von der Komplexität und Vielfalt der Artefakte zwingend ist.
  3. Zugeordnete Ressourcen: Die Architektur kann nur durch die dediziert zugewiesenen Ressourcen aufgebaut und umgesetzt werden. Neben den Skills und der Verfügbarkeit der personellen Ressourcen ist auch die Zuteilung von finanziellen Mitteln zu beachten.
  4. Architekturprozesse: Für den Aufbau und die Umsetzung der Architektur sind definierte Prozesse eine Voraussetzung. Sie müssen in den übrigen IT- und Unternehmensprozessen eingebettet sein und dürfen nicht isoliert dastehen.
  5. Governance: Mit der Governance drückt die Unternehmung den Willen zum Aufbau und zur Umsetzung aus. Wesentlich ist hier ein ausgewogenes System von Checks and Balances, sodass Interessenkonflikte sauber ausgetragen werden.

Die IT-Architektur stellt neben der Entwicklung und der Produktion die dritte Säule für eine erfolgreiche Anwendung der IT im Unternehmen dar. IT-Architektur ist jedoch nicht nur ein Merkmal jeder IT-Landschaft, sondern sie kann auch als wirkungsvolles Managementinstrument eingesetzt werden. Als solches gibt sie die Richtung für die Weiterentwicklung der IT vor. Weitere Instrumente für das IT-Management sind die Methoden und Verfahren. Die verschiedenen Projektverfahren (z. B. Wasserfallmodell, Scrum) und Entwicklungsvorgehen (z. B. RAD) zählen ebenso dazu. Das IT-Controlling als Managementinstrument befasst sich mit der Kostenseite und auch mit der Steuerung der Leistungserbringung in Entwicklung und Produktion.

Berechnung des Investitionserfolgs

Wenn über ein Vorhaben entschieden werden muss, so werden die zukünftigen Erträge den Projektkosten und den daraus folgenden Unterhaltskosten gegenübergestellt. Der Business Value, wie er oben beschrieben wurde, beschränkt sich nur auf die zusätzlich geschaffenen Werte und vernachlässigt die damit verbundenen Kosten. Da die Kosten und Erträge nicht gleichzeitig anfallen, ist es notwendig, sie auf einen gemeinsamen Zeitpunkt auf- oder abzuzinsen. Meistens wird dafür die NPV-Rechnung (Net Present Value: Kapitalwert oder Barwert) eingesetzt, das heißt alle Werte werden auf einen gemeinsamen Zeitpunkt auf- oder abgezinst. Als Bezugszeitpunkt für die Berechnung wird das Datum der Produktionsaufnahme der neuen Applikation gewählt. Für die Berechnung wird ein interner Zinssatz zugrunde gelegt. Die Durchführung einer NPV-Rechnung führt dazu, dass die weiter in der Zukunft liegenden, oft spekulativen Erträge schwächer gewichtet sind, was mit der zunehmenden Unsicherheit gerechtfertigt ist. Die Konsequenzen der NPV-Rechnung lassen sich an einem einfachen Beispiel, das in den Tabellen 1 bis 3 dargestellt ist, veranschaulichen: Der interne Zinssatz beträgt dort zehn Prozent und die laufenden Unterhaltskosten wurden mit zwölf Prozent des nominellen Aufwandes eingesetzt.

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Dr. Heinrich Krause
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