Ist die Cloud eine riesige Abgaswolke?

Astrid Spier
©Shutterstock/M. Shcherbyna

Einer Studie der Digital Power Group zufolge machen IT-Vorgänge bereits jetzt zehn Prozent des weltweiten Energieverbrauchs aus. Dabei verbrauchen wir durch die Nutzung von Smartphones, Tablets und anderen Geräten mehr Strom als wir uns vorstellen können, denn viele Faktoren bleiben im Verborgenen. Ist unsere Cloud tatsächlich eine riesige Abgaswolke?

Wenn wir monatlich unsere Stromrechnung bezahlen, machen wir uns sicherlich keine Gedanken darüber, ob wir nicht das ein oder andere Mal unser Smartphone hätten woanders aufladen können, um Kosten zu sparen, denn auf unserer Rechnung fällt dies kaum ins Gewicht. Doch wie kommt der hohe Energieverbrauch der Menschen zustande? Tatsächlich findet nur ein kleiner Teil der individuellen Stromnutzung in unseren Haushalten selbst statt, sondern in den uns verborgenen Vorgängen in der Versorgungskette. Rechnet man beispielsweise den Energieverbrauch zusammen, der jährlich durch das Abspielen einer Stunde Videos pro Woche auf YouTube oder Vimeo auf den diversen Netzwerken, Servern und Datennetzen anfällt, übersteigt dies den Stromverbrauch zweier moderner Kühlschränke in einem ganzen Jahr. Nun besitzt ein Haushalt in der Regel nur einen Kühlschrank, aber gleich mehrere digitale Geräte. Die Dimensionen, des hier stattfindenden (nahezu unsichtbaren) Energieverbrauchs lassen sich also nur erahnen. 

Zwar stimmt es, dass Entwickler und Ingenieure in den vergangenen Jahren die Energieeffizienz der Informations- und Telekommunikationstechnologien (ICT) stetig weiter verbessern konnten, doch hat sich diese Entwicklung zusehend verlangsamt, während wir seit 2005 ein starkes Wachstum des Datenverkehrs erleben. Mobile Netzwerke, die ein wesentlicher Bestandteil der wachsenden Cloud-Architektur sind, benötigen dabei wesentlich mehr Energie als Kabelnetzwerke, sodass sich der steigende Verbrauch insgesamt nicht durch energiesparende Technologien auffangen lässt.

Die Variablen haben sich verschoben

Die Schätzungen des Energieverbrauchs aus der Zeit, bevor iPhone und Co. unser Nutzerverhalten grundlegend veränderten, sind längst nicht mehr zutreffend, da sich die Variablen der Gleichung wesentlich verschoben haben. Da die Kosten für moderne Hardware sinkt, sind mobile Endgeräte schon lange kein Luxus mehr und werden in immer kürzeren Abständen von Folgemodellen ersetzt, sodass die Zahl der Smartphones inzwischen die Erdbevölkerung übersteigt. Während also die Nachfrage, die der Variablen des Datenverkehrswachstums entspricht, immer schneller steigt, wächst die zweite Variable, die für Technologien und Erfindungen zur Energieeinsparung und Effizienzsteigerung steht, nur langsam.

Rechnet man zudem den Energieverbrauch zur Herstellung der Geräte mit ein, kommt man auf einen ungefähren Gesamtverbrauch der IT von 1.500 Terawatt-Stunden pro Jahr, was zehn Prozent des weltweiten Gesamtverbrauchs entspricht. Ein Großteil der Energie wird dabei nach wie vor aus Kohle gewonnen und, wie Greenpeace aufklärt, häufig in Ländern verbraucht, die nur wenig Wert auf Umweltschutz und Emissionsminderung legen. Die Verantwortung der ICT-Unternehmen wird nicht zuletzt deutlich, wenn man die hohe Energiedichte der Datencenter betrachtet, deren Verbrauch schon jetzt in den USA Schätzungen zufolge über drei Prozent des Gesamtstromverbrauchs ausmacht. So verbraucht eine etwa kühlschrankgroße Servereinheit in den Datencentern mehr Energie als ein durchschnittliches Einfamilienhaus mit normalen Servern.

Dies alles zeigt, dass Big Data auch im Stromverbrauch immense Ausmaße annimmt. Wie auch die Informationsflut im Internet wird der Stromverbrauch dabei immer undurchsichtiger und nimmt bedrohliche Formen an, die den Klimawandel nicht unerheblich beeinflussen, doch durch ihre Abstraktheit von uns kaum wahrgenommen und schließlich effizient verbessert werden können. Zu viele Faktoren spielen eine Rolle, die der Konsument selbst nur wenig beeinflussen kann. Dennoch ist die Aufklärung der einzige Weg, um auf dieses ernstzunehmendes Problem hinzuweisen.

Aufmacherbild: Air pollution by smoke coming out of two factory chimneys von Shutterstock / Urheberrecht: M. Shcherbyna

Geschrieben von
Astrid Spier
Astrid Spier
Astrid Spier arbeitet seit Juli 2012 als Redaktionsassistentin bei S&S Media. Im Mai 2011 hat sie ihren Master in Germanistik in den Vereinigten Staaten erhalten. Durch die enge Verbindung von Journalismus und Germanistik hat sie in den USA journalistische Erfahrungen sammeln können und Artikel zur interkulturellen Verständigung für den Blog der Universität geschrieben. Im März 2013 hat sie ihr Staatsexamen mit den Fächern Englisch und Deutsch in Mainz abgeschlossen.
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