IoTcon 2016

Es geht nicht ohne Datensilos [IoTcon Update]

Melanie Feldmann

Shutterstock.com / Tashatuvango

Nach dem Appell die Datensilos abzuschaffen folgte die Erkenntnis: Ohne Datensilos geht es leider nicht. Vor allem in der Industrie gibt es historische gewachsene Systeme, die nicht miteinander können. Außerdem haben zurzeit viele Anbieter kein Interesse daran sich zu öffnen, um ihr Geschäftsmodell nicht zu riskieren. Frank Knafla (Phoenix Contact Electronics) erklärte in seinem Talk die Welt der Ingenieure aus dem Maschinenbau. Dort herrschen unterschiedliche Kommunikationssysteme, die mit einer Cloud zu vernetzen und damit im Sinne des IoT smart zu machen nicht einfach ist.

Denn im Maschinenbau hat sich Ethernet und TCP/IP-Kommunikation zwar durchgesetzt, jedoch in einer für die Industrie angepassten Variante, dem sogenannten Industrial Ethernet. Hier gibt es jedoch mehrere verschiedene auch international anerkannte Standards. Knafla zeigte einen Weg wie man die Dateninseln ein wenig öffnen kann, zumindest innerhalb eines der unterschiedlichen Kommunikationssysteme (hier Profinet). Phoenix Contact setzt auf Cloud Controller, also Gateways, die das industrielle Netz und damit die Maschine mit der Cloud verbinden. Diese müssen nur einmal in der Cloud eingerichtet werden und der Ingenieur hat vom Stammsitz in Deutschland Zugriff auf die Maschine in China. Services lassen sich als virtuelle Geräte in die Cloud integrieren, zum Beispiel liefert eine virtuelle Wetterstation die aktuelle und vorhergesagte Bewölkung für einen Solarpark. Für den Ingenieur sind diese Services jedoch nicht anders zu nutzen als seine echten Geräte im Maschinenpark. Knafla gab bedenken, dass dies zwar ein Datensilo sei, aber auch ein erster Schritt einer Annäherung zwischen IT und Automatisierung. Unternehmen würden ihre Datensilos erst verlassen, wenn sie damit neue Geschäftsmodelle aufbauen können, die alte Modelle ersetzen oder ergänzen.

Update 13.9.2016, 12:15 Uhr



michael_capone_iotconSchafft die Datensilos ab

In den zweiten Tag der IoTcon starten wir mit einem Appell. Michael Capone fordert Hersteller und Anbieter des IoT auf, ihre Datensilos einzureisen. Nur so haben Anwender wirklich Mehrwert durch smarte Dinge, die nicht nur mit dem Anwender und dem Hersteller kommunizieren, sondern auch mit den anderen smarten Dingen. Am Ende hat man 37 Apps, um sein Smart Home zu steuern. Diese Datensilos aufzulösen sei der einzig richtige weg effiziente IoT-Architekturen aufzubauen, stellte Michael Capone (Capgemini) in seinem Talk fest. Dafür reiche es eben nicht die Daten zu kopieren und dann verschiedenen Anwendungen zur Verfügung zu stellen. Seine Lösung ist es, Daten zentral zu sammeln und den Nutzern individuelle Anwendungen auf diesen Daten zur Verfügung zu stellen. Im Business-Bereich sei es außerdem wichtig, dass die Anwender ihre Regeln und Prozesse selbst erstellen können. Immer die IT zu Fragen ist kein gangbarer Weg.

Update 14.09.2016, 9:31 Uhr



conrad_wood_iotcon

Einen Lichtschalter als App ist kein IoT

Conrad Wood (SingingCat) stieg direkt mit der steilen These in seinen Talk ein, dass das IoT momentan feststeckt. Es würden zwar immer neue Umsatz- und Gerätezahlen prophezeit aber es passiere wenig. Laut Wood liegt das vor allem daran, dass es keine IoT-Anwendung ist, wenn man den Lichtschalter ersetzt. Dieser funktioniert nämlich ganz wunderbar. Und warum etwas ändern, das wunderbar funktioniert? Wahre IoT-Anwendungen müssen einen Mehrwert bieten. Außerdem ließe sich Mehrwert für den Endanwender nur mit Offenheit erreichen. Nur so können voll automatisierte Systeme entstehen, die das Büro aufheizen, wenn ich daheim die Haustür schließe. Um diese Probleme zu lösen, forderte Wood offene Standards für die Firmware der IoT-Geräte, eventuell auch Standards, die von Regierungen getrieben werden, und die schon erwähnte Automatisierung. Dann könne das IoT dort ankommen, wo es alle Analysten und Tech-Begeisterte sehen.

Update 13.09.2016, 15:28 Uhr



patrick_steiner_iotcon

IoT ist mehr als Smart Home

Für den technischen Einstieg in den Tag sorgte Patrick Steiner von Red Hat. Er gab als erstes zu bedenken, dass die häufigste und interessanteste IoT-Anwendung eben nicht der vernetzte Kühlschrank oder die Heizung ist, sondern eher die Ölplattform. „Die komplexen Dinge passieren wo anders“, brachte er es auf den Punkt. Um bei dem Beispiel der Ölplattform zu bleiben: Dort liefern hunderte Sensoren im Sekundentakt oder noch schneller Daten. Wenn man all diese Daten an die Cloud schicken wolle, bastele man sich die eigene Denial of Service Attacke. Deswegen brauchen Anwendungen mit großen Datenmengen ein intelligentes Gateway. Die Betonung liegt hier auf „intelligent“. Denn ein solches Gateway müsse mehr können als einfach nur Daten umwandeln und weiterleiten. Dafür kommt beispielsweise Apache Camel zum Einsatz. Der nächste Schritt ist es Logiken aus dem Rechenzentrum direkt in das Gateway zu verlagern. Das funktioniert am einfachsten mit einer Rules Engine wie Drools. Hier lassen sich auch für Nicht-Entwickler einfache Regeln formulieren wie „Wenn Sensor A an Messstelle F mehr als Wert G misst, führe Aktion M aus“. Wer sich das einmal ganz praktisch ansehen möchte, schaut auf GitHub bei Patrick vorbei. Demos für Sensor, Gateway und Datencenter oder ein All-in-one-Paket im Docker-Container sind dort zu finden.

Update 13.09.2016, 12:47 Uhr



max_seelemann_iotcon

Wer Visionen hat sollte zum Arzt gehen oder mit Fehlschlägen rechnen

Max Seelemann (The Soulmen) hat die Höhen und Tiefen der Produktentwicklung hinter sich. Als 16-jähriger Schüler entwickelte er zusammen mit zwei Freunden – einem Werbezeichner und einem Telefontechniker – ein Schreibprogramm für Autoren für den Mac: Ulysses. Damals war Mac bei weitem nicht so populär wie heute, und Max und Kollegen konnten sich über wenig Konkurrenz und eine kleine Community freuen. Es war ein Projekt, das neben Schule und Arbeit parallel lief. Als Apple mit dem Mac Store 2011 dann Apps auf den Mac brachte, schossen auf einmal die Verkaufszahlen in die Höhe: 60.000 Euro Umsatz in sechs Wochen. Max und der Werbezeichner Marcus entschlossen sich daraufhin, mit Ulysses ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Ihr Motto: „No risk, no fun.“

Success will come to those who can wait – Max Seelemann

Aus veranschlagten vier Monaten Entwicklungszeit, um Ulysses weiter konkurrenzfähig zu halten, wurden 18. Mitten drinnen ging ihnen mehrfach das Geld aus. Sie strichen Feature um Feature, und ihre Endversion enthielt zu viele bekannte Bugs, für die sie einfach keine Zeit mehr hatten. Aber das Glück blieb ihnen hold. 2016 wurde Ulysses mit dem Apple Design Award ausgezeichnet, der höchsten Auszeichnung für Anwendungen im Apple-Universum. Sie wird pro Jahr nur zehnmal verliehen.

Max‘ Tipps für ein erfolgreiches Produkt, von dem man auch leben kann:

  • ein zeitloses Konzept, ein Problem lösen
  • habe Ahnung von deinen Nutzern
  • zeitgemäße Umsetzung (sei es Cloud-Anbindung oder Offline-Fähigkeit)
  • hohe Qualität
  • Marketing ist wichtig
  • konsequente Weiterentwicklung mit schnellen Releases
  • Nutzer-Feedback einarbeiten

Max Seelemanns Keynote warf ein spannendes Schlaglicht auf Probleme und Erfolgsmomente der Produktentwicklung. Mit seinen Tipps im Hinterkopf hat man einen guten Leitfaden für die kommenden zwei Konferenztage. JAXenter berichtet live von der Konferenz. Bleiben Sie dran!

Geschrieben von
Melanie Feldmann
Melanie Feldmann
Melanie Feldmann ist seit 2015 Redakteurin beim Java Magazin und JAXenter. Sie hat Technikjournalismus an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg studiert. Ihre Themenschwerpunkte sind IoT und Industrie 4.0.
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