Buchtipp

Build Your Own IoT Platform

Tam Hanna

IoT-Systeme entstehen schon lange nicht mehr in Handarbeit – wer nicht auf ein Plattform-Framework setzt, macht sich normalerweise unnötige Arbeit. Apress bietet nun ein Buch an, das die Erzeugung hauseigener IoT Frameworks bespricht – ein Thema, das schon deshalb interessant ist, weil man durch die tiefergehende Analyse mehr über die dahinterstehenden Ideen erfährt.

Autor(en)

Anand Tamboli

Titel

Build Your Own IoT Platform

Untertitel

Develop a Fully Flexible and Scalable Internet of Things Platform in 24 Hours

Seiten

238

Preis

21,49 Euro

Verlag

Apress

Jahr

2019

ISBN

978-1-4842-4497-5

Anand Tamboli beginnt seine Überlegungen mit einer Betrachtung der durch IoT Frameworks zu erfüllenden Kriterien und der Unterteilung der auf dem Markt verfügbaren Systeme in mehrere Kategorien.

Amazons IoT-Abteilung ist für ihre immens komplizierten Übersichtsdiagramme bekannt, die teilweise Dutzende von Komponenten aufweisen. Im zweiten Kapitel bietet das Buch ein reduziertes Diagramm des Gesamtsystems. Die Erklärung der verschiedenen Speicherschemata ist lesenswert. Der darauffolgende Abschnitt wendet sich DigitalOcean zu. Dass sich der Autor für diese in Europa eher seltene Plattform als Host entscheidet, macht die Situation interessant.

Lehrbücher arbeiten die zu beackernden Themengebiete normalerweise stufenweise durch. Tamboli entscheidet sich für einen anderen Ansatz: Er erstellt ein vergleichsweise detailliertes Pflichtenheft. Der Lohn dieser Methode ist, dass sich Gelegenheiten zur theoretischen Analyse diverser Fragestellungen ergeben. Denken Sie beispielsweise an zu verwendende Kommunikationsprotokolle, aber machen Sie auch Überlegungen zu einem für das IoT geeigneten Workflow im Bereich der Anforderungserhebung.

Da IoT-Systeme ohne LAMP-Stack im Allgemeinen nicht funktionieren, wendet sich das folgende Kapitel der Konfiguration der Arbeitsumgebung zu. MQTT bekommt dabei besondere Aufmerksamkeit, der Autor geht auch auf die Einrichtung einer WebSocket-MQTT-Brücke ein. Dank der sorgfältigen Erklärung des Protokolls kommen Sie mit den Ausführungen auch dann zurecht, wenn Sie statt Mosquitto einen anderen Broker verwenden.

Node-RED kommt im nächsten Sektor zu Ehren, da sich Tamboli der grafischen Verarbeitung von Informationen zuwendet. Das wird in den folgenden Kapiteln vertieft, die Ausführungen zur Erzeugung eines REST API sind lesenswert. Dass der Autor auch auf exotischere Funktionen wie das SMS-Gateway eingeht, verleiht dem Werk zusätzlichen Tiefgang.

Das grafische Zusammenklicken von Datenflüssen ist eins der wichtigsten Verkaufsargumente von Cloud-Fertigsystemen. Das Buch wendet sich der hauseigenen Engine in Node-RED zu und zeigt dabei beeindruckende Liebe zum Detail. Schade ist, dass die eigentliche Interaktion mit der Hardware nicht zur Sprache kommt – statt ESP32, Raspberry Pi und Co. wendet sich der Autor lieber der Dokumentation und dem Testen des exponierten API zu.

Dafür entschädigt allerdings das letzte Kapitel, das eine Überblick über die Welt der IoT-Systeme bietet. Neben einem Vergleich des hauseigenen Systems mit Amazon, Microsoft und Co. finden sich hier auch Überlegungen zu Computersicherheit, Datenbankalternativen und sogar zu MQTT 5.

Wer eine Schritt-für-Schritt-Einführung in Systeme wie Azure und Co. sucht, ist bei diesem Werk an der falschen Adresse. Das auch für Nichtmuttersprachler problemlos lesbare Buch bietet allerdings Hintergrundinformationen, die man beim Arbeiten mit Azure und Co. nicht erhält. Schon aus diesem Grund lohnt sich der Kauf – insbesondere dann, wenn Sie sich dem IoT als Neueinsteiger nähern.

Geschrieben von
Tam Hanna
Tam Hanna
Tam Hanna befasst sich seit der Zeit des Palm IIIc mit der Programmierung und Anwendung von Handcomputern. Er entwickelt Programme für diverse Plattformen, betreibt Onlinenewsdienste zum Thema und steht unter tamhan@tamoggemon.com für Fragen, Trainings und Vorträge gern zur Verfügung.
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