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Interview mit Sebastian Scheele auf der DevOpsCon 2017

„Traut euch! Herausforderungen in Sachen Container sind überwindbar“

Dominik Mohilo

Wer Container in der Produktion laufen lassen will, sollte sich zuerst einige Fragen stellen, erklärt uns Sebastian Scheele von Loodse im Interview. In seiner Session auf der DevOpsCon 2017 ist er auf die Herausforderungen eingegangen, mit denen Entwickler konfrontiert sind, sobald sie ein Cluster in der Produktion aufziehen möchten.

JAXenter: In deinem Talk auf der DevOpsCon 2017 hast du darüber gesprochen, wie man Container in der Produktion einsetzen kann. Wann lohnt sich der Einsatz von Containern, wann eher nicht?

Sebastian Scheele: Prinzipiell lohnt sich der Einsatz von Container-Technologien für jedes Unternehmen, für das eine flexible, skalierbare IT-Infrastruktur entscheidend ist. Also so ziemlich die meisten, mit Ausnahme der Pizzeria um die Ecke vielleicht. Für mich geht es in der Regel also weniger um das ob, als um das wie.

Wichtig ist es, den Umstieg auf Container-Technologien als schrittweisen und strategischen Prozess zu begreifen, an dessen Anfang zunächst eine fundierte Analyse steht: Wie sehen meine derzeitige Architektur und Prozesse aus? Wo gibt es Verbesserungsbedarf? Welche Ziele möchte ich erreichen, kurz-, mittel- und langfristig?  Ausgehend davon kann ich dann ein System entwickeln, das mit Blick auf Architektur-Design, Prozessen und Plattformen meinen Bedürfnissen am besten entspricht.

An Kubernetes geht in puncto Container-Orchestrierung inzwischen kaum mehr ein Weg vorbei.

JAXenter: Meistens bleibt es nicht bei einem oder wenigen Containern, sodass die Übersicht leidet. Ein Orchestrierungstool wird nötig. Welche Vorteile bietet Kubernetes für das Cluster-Management im Vergleich zu Docker Swarm?

Sebastian Scheele: An Kubernetes geht in puncto Container-Orchestrierung inzwischen kaum mehr ein Weg vorbei. Die Tatsache, dass Docker und Mesosphere in den vergangenen Wochen nativen Kubernetes-Support angekündigt haben, zeigen das klar. Dafür gibt es viele Gründe: die langjährige Erfahrung von Google im Bereich Linux-Container, die offene API, die Vielzahl prominenter Use-Cases…

Der wichtigste ist aber sicher, dass Kubernetes über eine sehr aktive Community verfügt: Kubernetes hat fast 1.500 Contributors, die das Produkt ständig weiterentwickeln und verbessern. Das gibt Unternehmen natürlich viel Sicherheit, dass Kubernetes immer besser, ausgereifter und anwendungsfreundlicher wird.

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JAXenter: Mit welchen Problemen und Herausforderungen müssen Entwickler rechnen?

Sebastian Scheele: Theoretisch finden Entwickler Container großartig. Container ermöglichen ihnen, Anwendungen in einer isolierten Umgebung zu entwickeln, zu testen und dann egal auf welcher Infrastruktur zu betreiben. In der Praxis sind Entwickler bei Containern jedoch nach wie vor stark auf Operations angewiesen, z.B. wenn sie ihr Container-Cluster skalieren oder konfigurieren müssen. Das widerspricht den Grundprinzipien von Container- und Cloud Native-Technologien, die Infrastruktur immer einfacher machen sollen. Um das volle Potential von Containern auszuschöpfen, müssen wir Entwickler befähigen, ihre individuelle Container-Umgebung mit minimalem Aufwand und geringer Expertise selbst zu verwalten und zu skalieren.  

Traut euch. Ja, Container-Technologien und Kubernetes bringen Herausforderungen mit sich. Aber die sind alle lösbar.

JAXenter: Welche Best Practices in Bezug auf den Einsatz von Containern haben sich in der Praxis herauskristallisiert?

Sebastian Scheele: Wenn Container, dann richtig. Damit meine ich zum einen, dass IT-Teams gut durchdenken sollten, wie sie ihre Container-Infrastruktur aufsetzen. Mit einem übereilt aufgesetzten System, das viele Fehler produziert und aufwändig korrigiert werden muss, ist niemandem geholfen. Zum anderen sehe ich oft, dass Kunden möglichst große Cluster mit wenigen Containern aufziehen, um den operativen Aufwand zu minimieren. Die Vorteile von verteilten Systemen ergeben sich aber genau durch ihre Kleinteiligkeit. Hier auf halbem Weg stehen zu bleiben, ist nicht sinnvoll – dann kann ich gleich weiterhin mit schwerfälligen VMs arbeiten.

JAXenter: Was möchtest du Container-Nutzern mitgeben?

Sebastian Scheele: Traut euch. Ja, Container-Technologien und Kubernetes bringen Herausforderungen mit sich. Aber die sind alle lösbar und für die meisten davon – egal ob Monitoring, Orchestrierung oder Clusterverwaltungen – stehen bereits tolle Lösungen parat. Unternehmen sind gut darin beraten, jetzt zu experimentieren, Erfahrungen zu sammeln und Schritt für Schritt ein System aufzubauen, das auf die eigenen Ansprüche und Strukturen zugeschnitten ist.  

Sebastian Scheele ist Mitbegründer von Loodse. Die Kubermatic Container Engine von Loodse enthält alles, was Unternehmen benötigen, um containerisierte Dienste in der Produktion zu betreiben. Sebastian war maßgeblich an der Entwicklung von K8SNIff beteiligt. Vor der Gründung von Loodse arbeitete Sebastian als Berater und Produktspezialist bei SAP.
Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
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