DevOps in der echten Welt - Teil 6

DevOps mal ganz praktisch: Offene Kommunikation und Sharing muss möglich sein

Redaktion JAXenter

(c) Shutterstock / Artishok

In der Serie “DevOps mal ganz praktisch” geben Experten ihre Praxis-Erfahrungen bei der Umsetzung von DevOps-Prinzipien weiter. Heute: Anton Weiss von Otomato.

JAXenter: Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit zwischen Devs und Ops in Ihrer Firma?

Anton Weiss: Wir sind eine Unternehmensberatung – deswegen gibt es bei uns ganz unterschiedliche Szenarien der Zusammenarbeit. Diese hängt definitiv von einigen Parametern ab, wie z. B. der Unternehmensgröße, der räumlichen Verteilung oder der Unternehmens-Policy. Wie bei allen Fragen zwischenmenschlicher Interaktionen, gibt es keine Patentlösung für eine Zusammenarbeit. Es gibt eine Anzahl von Kernprinzipien, Führungsprinzipien und eine endlose Varianz von möglichen Umsetzungen. Die Kernprinzipien sind:

  • Sichtbarkeit: Alle Entwickler, Qualitätssicherung und Operativen sollten ähnlich sichtbar sein für alle Beteiligten. In der idealen Situation wird das selbe Agile Board für alle Aufgaben benutzt. Es funktioniert am besten, wenn man bereits zu Cross-Functional-Teams gewechselt hat, die um Produkte, Services oder Features herum organisiert werden. Als Ergebnis sollte man natürlich jeden Tag Meetings haben und alle Produkt-bezogenen Bedenken teilen. In gewissen anderen Situationen mag das nicht ratsam sein. Es ist auch okay, für jede Funktion einen eigenen Backlog zu managen, solange es mit allen Kunden und Dienstleistern angemessen kommuniziert wird .
  • Klare Rollen und Bestimmung von Verantwortungen: DevOps wird häufig fehlinterpretiert als ein „jeder macht jetzt alles“. Oder sogar noch schlimmer: „Devs tun die doofe Arbeit, die eigentlich die Ops tun sollten“. Während eine wirkliche Transformation eine Neudefinition der traditionellen Rollen miteinschließt, bedeutet das noch nicht, dass wir uns selbst in einem Chaos wiederfinden müssen. Das Ziel ist, ein tieferes Level vom gegenseitigen Verständnis der Aufgaben zu erreichen und jedem zu erlauben mehr zu machen, indem Selbständigkeit und Automation ermöglicht wird. All das, während immer noch klare Grenzen der Verantwortung abgesteckt werden und es ein Kommunikations-Interface gibt. Ohne ein gutes Interface für Kommunikation kann es keine effektive Kommunikation geben
  • Tools zum Zusammenarbeiten können eine große Hilfe sein zum sharen von Know-how, für Diskussionen und für Live-Kommunikation von Änderungen, Plänen und Ideen. Beispiele für solche Tools sind Confluence zum Sharing von Know-how, IdeaScale für Innovationen und Unternehmens-Chats wie Slack oder Hipchat. Diese sollten eng in das Projektmanagement und die Delivery-Pipeline integriert werden, um sicherzustellen, dass es ein atmendes System ist, immer Up-to-Date mit den neuesten Daten.

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JAXenter: Wie ist ein typische Team in deiner IT-Abteilung strukturiert? 

Anton Weiss: Ich fokussiere mich auf unsere großen Firmenkunden, da sie die Titanen sind, die am meisten profitieren von einer Adaptierung von DevOps-artigen Mindsets und Prozessen. Wir reden über Teams von fünf bis 15 Entwicklern, mit drei bis vier Teams pro Produkteinheit. Die Qualitätssicherung und operativen Teams sind gewöhnlich hierarchisch separierte Gruppen. In einigen Fällen managt sie der selbe Linienmanager, in anderen Fällen sind sie Teil einer separaten Cross-Company Infrastruktur bzw.  Qualitätssicherungs-Abteilung. Die Altersgruppen variieren zwischen 20 und 60. Die meisten sind Ingenieure zwischen 30 und 40 und Manager zwischen 40 und 50. Die meisten Unternehmensorganisationen versuchen heutzutage bereits einige Varianten von agilen Prozessen umzusetzen, so wird man Rollen wie den Scrum Master oder Product Owner sehen, obwohl die tatsächlichen Interpretationen dieser Rollen deutlich variieren.

Große Firmen sind gewöhnlich besser darin, Studenten einzustellen und sie durch eine Art On-The-Job-Training  zu führen. Viele Angestellte starten als Studenten und bleiben, bis sie entweder erfahren genug sind um einen besseren Job zu bekommen oder sie ein Burnout kriegen.

Wir haben immer noch nicht genug Frauen bei den Ingenieuren. Hier gilt wieder: Die großen Unternehmen sind definitiv integrativer. Das gilt auch für ethnische Minderheiten. In Israel gibt es eine überraschend geringe Rate arabischer Ingenieure, aber in großen Firmen sind sie wesentlich besser repräsentiert, verglichen mit Start-Ups. Während sich diese Offenheit alle Lobpreisungen verdient hat, demonstriert sie eine enorme Herausforderung bei der Ermöglichung effektiver Kommunikation. Es ist ein Leichtes, mit einer kleinen homogenen Gruppe schnell, transparent und agil zu sein. Geschlecht, Alter und kulturelle Vielfalt zwingen uns härter zu denken um miteinander zu reden und einander zuzuhören. Das Ergebnis hat große Vorteile für alle Beteiligten, aber nur wenn wir in das nötige Nachdenken und Aufwand investieren.

anton weissFür eine positive Unternehmenskultur ist es wichtig, Leute wissen zu lassen, dass Scheitern normalerweise dort ist, wo auch Innovationen stattfinden. Ihr Langzeit-Beitrag ist wichtiger als unmittelbare Wirtschaftsziele.

JAXenter: Bis zu welchem Grad kann ein Team autonom arbeiten? 

Anton Weiss: Wenn die Interface klar sind und die Verträge unterschrieben wurden, kann jedes Team eigenständig arbeiten, solange sie den Vertrag respektieren. Alles, was das Service Level beeinflusst, muss kommuniziert werden. Tatsächlich muss alles kommuniziert werden. Die Delivery-Pipeline muss so transparent wie möglich sein, alle Informationen müssen offenliegen. Das Management sollte genau zuhören, aber nur dann einschreiten, wenn irgendwelche Kernprinzipien verletzt werden. Das Management ist nicht, da um Entscheidungen zuzustimmen, sondern um Visionen zu bestimmen und Kreativität zu ermöglichen. Wir streben danach, unsere Prozesse mit der Hilfe von zwölf DevOps KPIs (Key Performance Indicators) zu messen, die wir definiert haben. Die Prozessmetriken werden konstant gemessen, um zu verifizieren, dass wir immer besser und schneller, anstatt langsamer werden oder stagnieren.

JAXenter: DevOps beschäftigt sich auch viel mit Unternehmenskultur. Sicherlich ist das kein einfaches Thema. Aber würdest du sagen, dass es so etwas wie eine kohärente Kultur in eurer Firma gibt – oder sogar mehrere Kulturen? 

Anton Weiss: Unternehmenskultur wurde uns von den Management-Theorien über die letzten paar Jahrzehnte hinweg gepredigt und wir haben mit angesehen, wie eigentlich alle großen Firmen versucht haben, ihr eigenes Set von organisatorischen Werten aufzubauen. Bedauerlicherweise haben wir in den meisten Fällen einen sehr formalistischen Ansatz gesehen – mit Postern über den Wänden, aber keinen Versuchen, die Angestellten wirklich dafür zu gewinnen. Im Allgemeinen nehmen wir das wichtiger als DevOps – der Wert des Experimentierens, der Innovation, Offenheit und Vertrauen sind wahrscheinlich am wichtigsten. Und natürlich das Prinzip von geteilter Verantwortung für die Produkte, die wir abliefern.

JAXenter: Irgendwie geht es bei DevOps ja um Dinge wie den Geist der Zusammenarbeit, Experimentalkultur, Agilität, Mitarbeiterzufriedenheit. Was kann ein Unternehmen tun, um diese Dinge zu fördern?

Anton Weiss: Als erstes und am wichtigsten muss offene Kommunikation und Sharing möglich sein. Das muss damit beginnen, dass das Management den Angestellten zuhören muss und Tools bereitstellen muss, damit sich diese richtig verwirklichen können. Dokumentationen und Plattformen zum Sharing von Know-How, Dashboards, miteinander verbundene Informationssysteme werden immer wichtiger in einer von Daten angetriebenen Welt. Zusätzlich, können und sollten Firmen Ingenieure frei über die Tools und Technologien, die sie benutzen wollen, entscheiden lassen. Das sollte mit Verantwortung und Rechtfertigung von jeder Wahl einhergehen, aber es gibt immer genügend Raum für einen Nachweis über die Machbarkeit eines neuen Ansatzes.

anton weissAnton (Ant) Weiss is the founder, principal consultant and CEO at Otomato – the effective software delivery company. Anton has been building and delivering software for the last fifteen years both at large enterprise companies (AT&T, BMC) and startups. A big fan of technical training and knowledge sharing, Anton was one of the initiators and instructors of the first DevOps certification course in Israel. Anton is a seasoned engineer, but he also holds a BA in Sociology and an MBA, which makes him very keen on exploring the social aspects of collaborative software development. He is a frequent speaker at technology events and a rock star – Ant loves the stage and makes sure his audience stays both entertained and enriched. Firm believer in continuous improvement and organisational transparency.

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