Interview mit Hadi Hariri

JetBrains-Interview: „Das alte Ertragsmodell stimmte mit dem tatsächlichen Arbeitsaufwand nicht überein“

Redaktion JAXenter

© Shutterstock.com/Lenka Horavova

„Ob die Industrie dieses Modell als Standard akzeptieren wird, weiß ich nicht“, so Hadi Hariri, Developer Advocacy Team Lead bei JetBrains, über das neue Abonnement-Modell. Obwohl das Unternehmen die größten Kritikpunkte ausgeräumt hat, stellt sich nach wie vor die Frage, ob der Preis angemessen ist.

Nachdem JetBrains sein neues Abonnement-Modell bekannt gegeben hatte, war das Feedback aus der Community ohrenbetäubend  im negativen Sinne. Ab 2. November sollte die JetBrains Toolbox, eine Sammlung von Desktop-Tools, im Rahmen eines monatlichen oder jährlichen Abonnements verfügbar sein. Darunter auch JetBrains‘ populäre IDE IntelliJ IDEA.

Im Zuge des Community-Aufschreis hat JetBrains seine Pläne zwar überarbeitet, die Grundlage des Modells  die Abonnements  bleiben aber unangetastet. Wie der CEO von JetBrains, Maxim Shafirov, auf dem Unternehmensblog bekannt gegeben hat, können sich die User ab November auf Folgendes einstellen:

  1. We are moving forward with subscriptions with important adjustments.
  2. You will receive a perpetual fallback license once you pay for a year up front or 12 consecutive months.
  3. You will receive up to 40% discount for continuous subscription.
  4. You will be able to use the software without an Internet connection.
  5. Current customers with active or recently expired upgrade subscription get first two years of subscription for the price of one.
  6. We still recommend you take 10 minutes to read it all for the complete details.

Manch ein Entwickler mag sich fragen, ob das alte Geschäftsmodell wirklich nicht mehr relevant ist. Hadi Hariri, Technical Evangelist für JetBrains, bestätigte, dass dies wirklich der Fall ist: „Das [alte] Ertragsmodell stimmte mit dem tatsächlichen Arbeitsaufwand nicht überein“, so Hariri.

JAXenter: Die IDE-Szene hat schon seit langem keinen derartigen Aufschrei der Community mehr erlebt. Hat JetBrains mit einer derartigen Reaktion auf sein radikal umgestelltes Lizenzmodell gerechnet?

Hadi Hariri: Wir haben zwar mit gewissen Einwänden gerechnet, aber nicht in diese Ausmaß. Wie wir in dem entsprechenden Blogpost darlegen, hatten wir im Vorfeld umfangreiche private Umfragen mit einer Vielzahl von Kunden durchgeführt  und die führten zu anderen Ergebnissen als dann die öffentliche Ankündigung.

JAXenter: Was hältst du von Milinkovichs Behauptung, dass IntelliJ IDEA-User „den Launen von JetBrains Gewinnmargen ausgesetzt“ sind?

Hadi Hariri: Ich bin wirklich nicht in der Position, Kommentare darüber abzugeben, wie andere Leute die Situation einschätzen. Aber ich kann dir mit Sicherheit sagen, dass es bei unserer Entscheidung nicht um größere Gewinnmargen ging. Wir unternehmen erhebliche Anstrengungen, sowohl neue Marktanteile zu gewinnen, als auch unsere bestehenden Kunden zu behalten. Das bisherige Modell mit seinen hohen Einstiegskosten und den geringeren Upgrade-Tarifen wäre nicht mehr tragfähig, sobald die Zahl der Neukunden sinkt  und da der Kreis der potentiellen Kunden endlich ist, werden wir diesen Punkt irgendwann erreichen. Darüber hinaus: Wir verteilen unsere Anstrengungen gleichmäßig auf Neu- und Bestandskunden. Das alte Ertragsmodell wurde diesem Umstand nicht gerecht.

Wir mussten also ein nachhaltiges Modell finden, dass es uns auch in Zukunft ermöglicht, all unsere Kunden gleichermaßen zu unterstützen. Das neue Abonnement-Modell weist niedrigere Einstiegskosten auf, und die jährlichen Kosten sinken mit jeder Erneuerung: Im zweiten Jahr erhalten Kunden 20 % Rabatt, ab dem dritten Jahr (und für alle nachfolgenden) 40 %. Bestandskunden erhalten während der Übergangszeit im Grunde ein einjähriges kostenloses Abonnement.

JAXenter: Glaubst du, die Community wird das Modell akzeptieren? Insbesondere, da Konkurrenten wie Eclipse, NetBeans und sogar Komodo angekündigt haben, eurem Beispiel nicht zu folgen?

Hadi Hariri: Ich weiß nicht, ob Komodo oder andere kommerzielle Tool-Anbieter, die herunterladbare Software anbieten, ihre Modelle ändern werden. Wir sind jedenfalls nicht die ersten. Eclipse und NetBeans verfolgen ein gänzlich anderes Modell. Sie sind frei und OSS. Ihre Entwicklungsanstrengungen erfolgen auf freiwilliger Basis, häufig unterstützt von Sponsoren, Spenden oder Unternehmen, die ihr Geld auf andere Art verdienen. Wir bei JetBrains verfügen über keine alternativen Einnahmequellen, kein Risikokapital oder Investoren irgendwelcher Art. Unsere gesamten Einkünfte und unser Wachstum haben sich organisch aus dem Verkauf unserer Tools ergeben. Wenn wir unseren Kunden, die uns in den vergangenen 15 Jahren ihr Vertrauen geschenkt haben, auch weiterhin den gewohnten Service bieten wollen, dann müssen wir ein nachhaltiges Geschäftsmodell finden. Jetzt, in einer Zeit des Wachstums, können wir uns dies leisten.

Ob die Industrie dieses Modell als Standard akzeptieren wird, weiß ich nicht. Viele Leute verbinden Abonnements mit gehosteten Services, was auch Sinn macht, da diese laufende Kosten verursachen. Allerdings muss man sich fragen, welcher Prozentsatz der Abo-Gebühren dabei in die Hosting-Kosten fließen, vor allem im Vergleich zu anderen Kosten, die jedweder Art von Software gemein sind. Am Ende läuft es darauf hinaus, dass Software immer Software ist: Egal ob man sie herunterlädt oder online nutzt, sie muss immer supported und weiterentwickelt werden, insbesondere in unserem Gebiet, wo sich praktisch jeden Tag etwas neues tut.

JAXenter: Besteht die Aussicht, dass JetBrains die Fallback-Lizenzen sowie die angekündigte Möglichkeit, IntelliJ IDEA ohne Internetverbindung zu nutzen, irgendwann doch noch einmal zur Disposition stellen wird?

Hadi Hariri: Soweit ich weiß, gibt es in dieser Hinsicht keinerlei Pläne. Bei unserer Ankündigung handelt es sich um die endgültige Entscheidung in Bezug auf unseren Umstieg auf das Abonnement-Modell. Wir haben einige Änderungen vorgenommen, um auf die Anliegen unserer User einzugehen. Wir glauben, dass der Weg nach vorne ein Abonnement-Modell ist.

Aufmacherbild: Social media illustration concept: modern notebook with 3D „subscribe“ text von Shutterstock / Urheberrecht: Lenka Horavova

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