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Internet of Things – Willkommen im größten Innovationsschub seit der Erfindung des World Wide Web

Achim Himmelreich

Achim Himmelreich

Achim Himmelreich (Mücke, Sturm & Company ) spricht auf der Internet of Things Conference 2015 (31. August – 3. September) über die Auswirkungen der digitalen Revolution, die durch das Internet of Things hervorgerufen wird. Auf JAXenter erklärt er, weshalb uns der größte Innovationsschub seit der Erfindung des World Wide Web bevorsteht.

Die Erfindung des Internets hat einen Schub digitaler Revolutionen ausgelöst – wir shoppen bequem von Zuhause, Abstimmungen während der Arbeit laufen über digitale Kanäle und unsere Freundschaften pflegen wir über soziale Netzwerke. Mit der Mobilisierung des Internets via Smartphone und Tablet hat das Innovationstempo noch einmal zugenommen, da nun noch weit mehr Anwendungsfälle existieren. Soziale Netzwerke gehen damit beispielsweise dorthin, wo sie hingehören – in die soziale, menschliche Realität.

Das Internet of Things und die Theorie der „cumulative returns“

Es hat schon immer technologische Revolutionen gegeben, die Wirtschaft und Gesellschaft unwiderruflich verändert und uns eine Stufe des Wohlstands beschert haben – von der Dampfmaschine über die kommerziell-industrielle Nutzung des elektrischen Stroms bis hin zu Telegraf und Telefon. Das Neue an der digitalen Revolution ist allerdings die Geschwindigkeit, mit der sich der Wandel vollzieht, sowie die Art und Weise, wie unser Leben radikal geändert wird. Und das liegt an der „Natur“ des Digitalen, die einerseits keine echten – lang zu bauenden – Fabriken benötigt, sondern sich de-facto fast kostenlos per Lichtgeschwindigkeit ausbreitet. Und andererseits bereitet jede digitale Innovation wieder den Boden für die nächste Innovation vor – ein schnellerer Prozessor macht eine rechenintensive Anwendung wie Architektursoftware möglich, die dann ihrerseits durch eine Applikation auf einem Smartphone zu neuen mobilen Anwendungsszenarien führt, etc.

Und genau dies sind die sog. „cumulative returns“ dieser Innovationswelle, wo jede Innovation wiederum mehr neue Dinge ermöglicht, wovon jede einzelne Innovation wiederum zahlreiche neue ermöglicht. Genau dies ist der kumulative Effekt. Mathematisch gesprochen handelt es sich bei der gesamten digitalen Entwicklung um eine Exponentialkurve: Erst steigt sie nur ganz unmerklich an, dass sie kaum von einer linearen Entwicklung zu unterscheiden bzw. gar unterhalb einer linearen Vergleichskurve verläuft, bis sie diese dann schneidet und allmählich mit größerer Steigung oberhalb davon verläuft. Geradezu Sprünge macht diese Kurve, wenn sich mathematisch der Exponent selber erhöht. Dies ist bei der digitalen Innovation mehrfach geschehen, am stärksten bislang durch die Verbreitung des Smartphones. Und nun werden wir Zeuge einer noch stärkeren Erhöhung des Exponenten durch die beginnende IoT-Revolution, denn die Ubiquität von potentiellen IoT-Anwendungen verstärkt die Erhöhung des „cumulative return“-Effekts in nie dagewesener Weise. Für die Kurve bedeutet dies, dass sie kurz vor einem Knick steht, der zu einem fast vertikalen Verlauf führen wird. Grafisch nennt man diesen Punkt „das Knie der Kurve.“ Wir stehen kurz vor dem Knie und werden damit im nächsten Jahrzehnt Zeugen von einer Zahl von Innovationen werden, die höher ist als alles, was in der gesamten Menschheitsgeschichte geschehen ist.

 

Mehr zum Thema verrät Achim Himmelreich auf der Internet of Things Conference 2015 .

Session: Internet of Things – die nächste Entwicklungsstufe

Das Intenet of Things wird von vielen Experten zurecht als „das nächste große Ding“ bezeichnet, denn es wird die Art und Weise wie wir kommunizieren, leben und arbeiten noch einmal dramatisch verändern. Immer mehr Kommunikation wird zwischen Devices stattfinden, die bislang noch nicht kommunikationsfähig sind. Das Sprichwort von Paul Watzlawick „Man kann nicht nicht kommunizieren“ wird in Zukunft nicht nur für die Menschen Geltung beanspruchen, sondern auch für Dinge. Und wenn die Dinge miteinander kommunizieren, dann werden sich die Strukturen aller Branchen noch einmal stark verändern. Achim Himmelreich verdeutlicht in seinem Vortrag, welche Veränderungen für die zunächst betroffenen Branchen zu erwarten sind, wie Unternehmen diese Herausforderungen nutzen können und welche Chancen sich für Entwickler ergeben.

Weitere Programminfos unter: www.iotcon.de

Das Internet of Things wird eine Branche nach der anderen vom Kopf auf die Füße stellen

IoT-Anwendungen sind überall möglich und geschehen schon, keine Branche wird davon unberührt bleiben. Niemand kann zum jetzigen Zeitpunkt schon genau sehen, welche neuen Geschäftsmodelle sich etablieren werden und welche alten entwertet und damit verschwinden werden. Wir werden Zeuge von vielen Experimenten im IoT-Bereich sein, von denen einige sich als Flops herausstellen werden, andere aber ganze Branchen neu erfinden werden. Trotz der Unklarheit, mit der sich die IoT-Revolution am Horizont abzeichnet, können schon einige konstituierende Charakteristika hervorgehoben werden:

  • IoT wird alle bislang „dummen“ Geräte potentiell „intelligent“ machen, indem sie internetfähig gemacht werden und so im Rahmen von M2M-Kommunikation mit anderen Geräten wie etwa unseren Smartphones kommunizieren. Das Internet wird damit zu der viel zitierten Wolke, die uns alle umgibt.
  • Realität und virtuelle Realität werden verschmelzen – der Begriff der „Augmented Reality“ greift hier viel zu kurz, hebt er doch lediglich die digitale Anreicherung der „echten“ Realität hervor. Es wird aber auch andersherum funktionieren, wenn beispielsweise Virtual Reality Games via Oculus Rift mit Elementen der „echten“ Realität angereichert werden. Damit kommt unser jahrtausendealter philosophischer Realitätsbegriff ins Wanken, und wir werden uns aufs Neue die Frage stellen müssen: „Was ist die Wirklichkeit?“
  • IoT-Anwendungen sind datenintensiv. Daten, insbesondere Echtzeitdaten und hyperlokale Infos, sind ihr Treibstoff.
  • IoT-Anwendungen werden den Trend zu beidseitigen Plattformen noch einmal verstärken, so dass wir in jeder Branche oder jedem Segment dominierende Unternehmen, eben die Betreiber der Plattform, sehen werden.

Ein Beispiel: Willkommen in der IoT-Medizin

Das alte Modell der medizinischen Versorgung kann man, salopp und vereinfacht beschrieben, wie folgt darstellen: Ich warte – von einzelnen Vorsorgeuntersuchungen mal abgesehen – darauf, dass ich ein Unwohlsein verspüre, gehe zum Arzt, der mir dann eine Behandlung verschreibt – und die Kosten werden dann in den meisten Ländern über ein komplexes System von Krankenkassen und –versicherungen von der Solidargemeinschaft getragen. In Zukunft werde ich nicht mehr warten müssen, bis ich mich unwohl fühle: In einem ersten Schritt monitoren Wearables meine wichtigsten Körperfunktionen und in Teilbereichen, wie etwa Diabetes-Patienten, spezifische Werte – in diesem Fall den Blutzuckerspiegel – und schlagen schon vor dem Unwohlsein Alarm. Die genaue Alarmstufe legt dann fest, ob ich zur Apotheke gehen sollte, einen Arzt aufsuchen muss oder ob automatisch der Notdienst verständigt wird. Wenn dann in einem zweiten Schritt die Wearables durch „Under-the-Skin“-IoT-Devices ersetzt werden, wird die Analyse noch genauer, und spätestens dann wird der aktive persönliche Anruf beim Arzt entfallen. Wenn darüber hinaus im dritten Schritt die IoT-Medizin-Devices als Nanosonden meinen Körper von innen heraus überwachen, werden auch viele Arztbesuche entfallen, weil die Nanosonden oft selbst die Behandlung übernehmen werden.

Zukunftsmusik? Natürlich, aber die einer so nahen Zukunft, wie die meisten nicht vermuten, schließlich wirkt gerade hier das Innovationstempo nach „dem Knie der Kurve.“ Unklar sind aber viele Fragen: Wer wird das „neue Gesundheitssytem“ betreiben? Welche Rolle sollen Krankenkassen spielen? Was passiert mit Menschen mit einem höheren Gesundheitsrisiko?

Ausblick auf die IoT-Conference

Die Gesundheitsbranche ist nur ein Beispiel für viele Branchen, die vor einem fundamentalen Wandel stehen. Einige Branchen werden auf der IoT Conference besprochen und neue Geschäftsmodelle dargestellt. Alles dient dem Ziel, die Welt von morgen, die Welt der „IoT-Innovationsexplosion nach dem Knie der Kurve“, in Grundzügen zu skizzieren und im Ansatz zu verstehen.

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Achim Himmelreich
Achim Himmelreich
Achim Himmelreich ist Diplom-Kaufmann (Universität zu Köln) und war, bevor er 2006 zu Mücke, Sturm & Company kam, selbstständiger Berater und Dozent. Der Schwerpunkt seiner Tätigkeit liegt in den Feldern E-und M-Commerce sowie Social Media. Die umwälzenden Veränderungen durch die digitale Revolution hat er von Anfang an begleitet und in zahlreichen Projekten die Etablierung neuer Geschäftsmodelle vorangetrieben. Er ist Vizepräsident des Bundesverbands der Digitalen Wirtschaft (BVDW).
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