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MTC und IoTCon 2017

Wem gehören die Daten im Internet der Dinge? [MTC + IoTCon Update]

Melanie Feldmann, Mascha Schnellbacher

Daten werde immer als das Rohöl des 21. Jahrhunderts bezeichnet. Aber wem gehören eigentlich Daten? Nach deutschem Recht niemandem, erklärte der Anwalt Dr. Andreas Leupold (mobility goes additive) einem erstauntem Publikum. Wir berichten live von den zwei Konferenzen MobileTech Con und Internet of Things Conference über die spannendsten Projekte, Themen und Trends im Internet der Dinge und der mobilen App-Entwicklung.

Denn nach deutscher Gesetzeslage gibt es kein Eigentum an Daten, nur an Gegenständen. Nur personenbezogene Daten sind durch das Datenschutzgesetz gedeckt. Maschinenerzeugte fallen nicht darunter. So seien zwar Datenbanken durch das Urheberrecht geschützt, nicht aber die einzelnen Daten. Unter Geschäftsgeheimnisse fallen Daten nur, wenn diese technisch und organisatorisch geschützt sind. Wer also seine Geschäftskontakte in einer ungeschützten Datenbank im Internet liegen hat, kann sich nachher nicht darauf berufen, dass ihm Geschäftsgeheimnisse entwendet wurden. „Momentan gehören demjenigen die Daten, der die Kontrolle über sie hat“, erklärte Leupold den aktuellen Stand der Dinge. Zurzeit sei die einzige Möglichkeit das Eigentum an Daten zu regeln, dies in Verträgen konkret festzulegen. Die EU arbeitet zwar an Gesetzen zum Dateneigentum. Bis dahin heißt es: Verträge schließen.

Update 15.03.2017, 16:01 Uhr



Deep Learning in Mobile Apps

Deep Learning oder Tiefes Lernen gehört zu den Buzzwords der Stunde. Doch warum ist das so? Prof. Dr. Björn Schuller von der Universität Passau gab in der Keynote „Tiefes Lernen und die breiten Möglichkeiten intelligenter mobiler Anwendungen“. Die Antwort: Deep Learning erzielt Bestresultate bspw. im Bereich Bildverarbeitung, Sprachverstehen und Handschriftenerkennung. Bekannte Beispiele für intelligente Maschinenprogramme sind etwa IBM Watson oder AlphaGo. Solche Verfahren benötigen große Datenmengen und Rechenressourcen für das Lernen, können aber nach dem initialen Training auch im mobilen Bereich in Echtzeit eingesetzt werden. Im mobilen Bereich können die klassischen Implementierungen wie Musikerkennung (Shazam) oder Bilderkennung (z. B. Ampeln) genutzt werden.

Herausforderungen solcher intelligenten Anwendungen auf dem mobilen Endgerät sind vor allem die Batterieleistung sowie der Speicher und die Rechenleistung. Auch effiziente Algorithmen zum Nachlernen sowie der Datenschutz sind von Bedeutung. Für Entwickler im Mobile-Bereich liegt das Potenzial in der Sammlung der so entstehenden Daten. Hier bieten sich Apps an, die diese Daten sammeln und auswerten.

Neben einer oft dramatischen Leistungsverbesserung bestehender intelligenter Mobile-Applikationen eröffnen diese Fortschritte maschinellen Lernens auch eine Reihe neuer Anwendungen. Dazu zählen beispielsweise persönliche Assistenten und Messenger-Apps, die die Mensch-zu-Mensch- sowie die Mensch-zu-Maschine-Kommunikation verbessern wollen. Dadurch wird eine stärkere Personalisierung und ein Profiling möglich; auch das Health Monitoring kann so optimiert werden.

Übrigens brauchen wir uns keine Sorgen über eine feindliche Übernahme durch Maschinen zu machen. Dafür unterscheiden wir uns doch immer noch zu stark – eine Maschine wird einen Menschen nicht ersetzen, zumindest nicht vollkommen.

Update 15.03.2017, 15:16 Uhr



Das Kreuz mit Software-Updates im IoT

Die schlechte Nachricht zuerst: Eine Lösung für die Probleme beim Softwareupdate von IoT-Geräten gibt es nicht. Trotzdem gab Prof. Dr. Martin Orehek (Munich University of Applied Sciences) seinen  Zuhörer einige Tipps mit auf den Weg, was sie beim Update beachten müssen. Das wichtigste überhaupt sei es, die Hardwarerestriktionen des IoT-Geräts zu beachten. „Man muss auch mit Kilobytes umgehen können“, brachte es Orehek auf den Punkt. Für viele Entwickler ein ungewohnt kleine Größe. Wichtig für das IoT-Update selbst sei seine Robustheit. Bei einem Fehlerfall müsse auf jeden Fall ein Rollback möglich sein, vor allem wenn man nicht nur eine Anwendung auf dem Betriebssystem, sondern eine Firmware aktualisiere. Security ist auch bei IoT-Updates ein Knackpunkt. Damit sich keine Software auf das Gerät schleichen kann, die dort nichts zu suchen hat, ist Authentifizierung der Kommunikationsteilnehmer unerlässlich. Das gelte sowohl für das Gerät selbst als auch für den Server, der die Updates auslöst. Auch Verschlüsselung und der sichere Umgang mit Schlüsseln gehört zur Update-Strategie dazu. Ein oft unterschätzter Punkt sei, dass es mehrere Versionen ein und desselben Updates geben müsse, das auf verschiedene Hard- und Softwareversionen der Geräte abgestimmt ist. Denn bei der anvisierten langen Lebensdauer der Geräte sind Wechsel in beiden Bereichen oder auch einfach Geräte, die Updates verpasst aber, eher die Regel als die Ausnahme. Als tiefere Lektüre zu den Problemen und Lösungsansätzen bei IoT-Updates empfahl Orehek den Report des Internet of Things (IoT) Software Update Workshops 2016.

Update 15.03.2017, 10:15 Uhr



Sprache ist gekommen, um zu bleiben

Alle zehn Jahre gibt es einen Sprung bei User Interfaces und der Art und Weise wie wir mit Maschinen interagieren, war Dean Bryens (Amazon Alexa) Einstieg in seinen Talk. Er zeigt welche Möglichkeiten Entwickler haben, die vordefinierten Alexa Smart Home Skills zu nutzen oder auch eigene zu entwickeln. Dabei gab er mit auf den Weg, bei jeder Anwendung – oder Skill, wie die Sprach-Awendungen bei Amazon heißen – immer genau darüber nachzudenken, ob Sprache wirklich die passende Art ist zu interagieren. Wer nicht auf den Mitschnitt der Session warten möchte, dem sei dieser Artikel empfohlen, der erklärt, wie Skills für Alexa entwickelt werden können.

Update 14.03.2017, 15:48 Uhr



Kurt Salman appelliert an die Zuhörer öfter einmal Nein zu sagen

Öfter mal Nein sagen

Wie oft steht man als Anwender oder Entwickler vor eine Anwendung oder einem Feature und denkt sich „Das ist unsinnig!“ oder „Das ist cool aber schlecht gemacht!“. Zu seinen Lieblingen an unsinnigen Features zählen für ihn das Auto mit einer App aufzuschließen – dauert ewig – und Waschmaschine sendet Push-Nachrichten – wozu? Deswegen plädierte Kurt Salman (novere) für mehr Mut in der Softwareentwicklung. Mut zu sagen, dass etwas nicht sinnvoll ist. Zu sagen, was viel besser wäre oder was man besser machen könnte. „Wir wollen doch das Beste, wir Entwickler, Head ofs und Vorstände“, appellierte er an das Publikum.

Update 14.03.2017, 14:35 Uhr



Valentin Sawadski und der smarte Handschuh in Aktion

Wearables in der Industrie: Der Mensch bleibt

Die Digitalisierung der Industrie kreist oft um Themen wie Software, die Cloud und Roboter. Dabei wird oft aus den Augen verloren, dass der Arbeiter weiter fester Bestandteil eines Produktionsprozesses bleiben wird, erläuterte Valentin Sawadski (ProGlove).

„Der menschliche Faktor ist nicht wegzurechnen“, so Sawadski. Momentan kommt auf 20 Arbeiter ein Roboter. So schnell werden Roboter vor allem fachlich geschultes Personal kaum ersetzen können. Um die Menschen in die immer weiter digitalisierten und vernetzten Prozesse einzubinden, kommen immer öfter Wearables zum Einsatz. Denn Werker brauchen bessere Werkzeuge, die sie in ihrer Arbeitsweise unterstützen.

Ein Beispiel dafür ist der intelligente Handschuh Mark. Der Handschuh ist mit einem Barcodescanner ausgestattet. So haben die Arbeiter beide Hände frei und müssen keine unnötigen Wege gehen, um einen Scanner zu holen. Auf diese Weise kann jedes verbaute Teil ohne großen Zusatzaufwand gescannt werden.

Für ein erfolgreiches Wearable-Projekt sind laut Sawadski drei Dinge wichtig: Ein starker Use Case, der einen schnellen Return on Investment liefern kann, industrietaugliche Hardware, die an den konkreten Anwendungsfall genau angepasst ist, und ein Informationskanal, der den Arbeiter mit dem System und den Entscheidungsträgern verbindet.

Der nächste Schritt wäre für ihn nun, auch Feedback zum Prozess zu geben, ob ein Arbeitsschritt richtig oder falsch durchgeführt wurde. So hat der Werker selbst Kontrolle über die Qualität seiner Arbeit und Fehler können früh entdeckt werden. Das spart Kosten und Zeit.

14.03.2017, 11:00 Uhr



Die IoTCon/MTC Spring 2017 sind eröffnet! In der Keynote „Mobile Health – Gesundheit mit dem Smartphone im Griff haben“ sprach Florian Schumacher über den revolutionären Umgang von Smartphones mit unserer Gesundheit. Denn dank mobilem Internet, Health- und Lifestyle-Apps sind Gesundheitsinformationen weltweit rund um die Uhr verfügbar. Menschen können auf diese Weise ihre Gesundheit aktiv gestalten: Smartphones werden zum Fitnesstrainer. Immer mehr vernetzte Geräte wie Activity-Tracker und Smartwatches, aber auch Schlafsensoren und Messgeräte für Vitalparameter kommunizieren mit dem Smartphone und machen Gesundheit dadurch besser kontrollierbar. Die dahinter stehenden Algorithmen werden dabei immer intelligenter und reagieren nicht mehr nur auf das körperliche, sondern auch auf das seelische Empfinden des Nutzers.

Aufgrund der zunehmenden Verbreitung von Mobile-Health-Hardware folgt derzeit die nächste Revolution: Das Smartphone stellt die Verbindung zwischen dem Menschen, smarten Gegenständen in seiner Umgebung, aber auch mit Ärzten und Krankenkassen her. Für den Nutzer bedeutet das zum einen mehr Komfort, aber auch mehr Verantwortung. Die Grenzen zwischen Mensch und Technologie verwischen dabei zunehmend – das Thema Quantified Self rückt immer mehr in den Vordergrund, so Schumacher.

Geschrieben von
Melanie Feldmann
Melanie Feldmann
Melanie Feldmann ist seit 2015 Redakteurin beim Java Magazin und JAXenter. Sie hat Technikjournalismus an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg studiert. Ihre Themenschwerpunkte sind IoT und Industrie 4.0.
Mascha Schnellbacher
Mascha Schnellbacher
Mascha Schnellbacher studierte Buchwissenschaft und Deutsche Philologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Seit Juni 2015 arbeitet sie als Redakteurin in der Redaktion des Entwickler Magazins bei Software & Support Media. Zuvor war sie als Lektorin in einem Verlag sowie als freie Editorin tätig.
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