Intel setzt auf Scala: Über Scala 2.10 und die steigende Akzeptanz einer Programmiersprache

Hartmut Schlosser

Neben Twitter, FourSquare, LinkedIn und dem holländische Grenzschutz (kein Witz!) kann die Programmiersprache Scala auf einen weiteren schwergewichtigen Fürsprecher zählen. Chip-Hersteller Intel setzt zur Entwicklung einer neuen Webservice-Suite offenbar ganz auf Scala.

Jim Baldwin, Vice President of Engineering Intel, lud Scala-Gründer Martin Odersky Anfang Oktober zu einem Unternehmenstalk ein, in dem Odersky das neue Scala 2.10 vorstellte (siehe Video unten). Baldwin plaudert dabei ein wenig aus dem Intel-Nähkästchen und legt dar, wie man sich auf der Suche nach einer Technologie für eine neue Webservice-Suite auf Scala einschoss.

Die Anforderungen der Intel-Entwickler lauteten: Die Services sollten in der Cloud laufen, SQL sollte nicht die einzige Art der Datenspeicherung sein, der Service sollte von Beginn an in Hinblick auf Skalierbarkeit gebaut werden, Rapid Development sollte möglich sein.

JavaEE und Spring schieden wegen ihrer Schwergewichtigkeit aus, sagt Baldwin: Man habe den Eindruck gehabt, zunächst eine komplexe Infrastruktur verstehen zu müssen, anstatt direkt am Problem anzusetzen. Webtechnologien wie Python oder Django schienen nicht die Stärke zu haben, um eine gute Skalierbarkeit zu garantieren. Node.js sei zwar ein viel versprechender Kandidat gewesen, sei aber noch nicht stabil genug, um einen kompletten Service darauf aufzubauen.

Schließlich wurde Intel bei Scala fündig: Man schätzte den Fakt, mit Scala funktionale Konstrukte nutzen zu können, die konziseren Code ermöglichten. Ein weiteres Argument war die „Interoperabilität mit dem Legacy Java Stuff“ – Java Libraries lassen sich in Scala ohne Boilerplate-Code einbinden.

Und so wurde das Intel Webservice-Team in den letzten Monaten von 3 auf 25 Entwickler aufgestockt – die nun alle „Scala Geeks“ seien. Auch die Verbindung mit dem Play!-Framework stimmte enthusiastisch – „konziser als alles andere, was wir zuvor gesehen hatten, um REST Services zu bauen“.

Intel beschreibt das neue Scala-Projekt in der Event-Ankündigung wie folgt:

Intel is building a brand new distributed platform atop Scala, and making heavy use of its powerful features to build elegant APIs which leverage the full power of type system. One way such a technique is being used in practice is to give developers compile-time safety when accessing a backend storage system that by default treated all items as indifferent Objects. Not wanting to deal with these overly nondescript types the engineering team constructed an abstraction that provided a type-safe facade, allowing the compiler to then infer all the type information users of that storage system wanted in their programs.

In addition to designing such APIs, Intel makes strong use of community tools such as the Akka concurrency toolkit, which helps in solving some of the inherent problems associated with distributed systems, whilst producing a final product that is fast, reliable and very high-quality.

Für die Akzeptanz von Scala in der Industrie ist mit der Intel-Beteiligung ein großer Schritt getan. Scala wird zunehmend relevant und beginnt selbst in Mainstream-Medien Spuren zu hinterlassen.

Auf Gigaom wird Spring-Gründer Rod Johnson zitiert, der bekanntlich im Board of Directors des Scala-Unternehmens Typesafe sitzt. Martin Odersky gehöre in eine Reihe mit Java-Vater James Gosling, Pascal-Erfinder Niklaus Wirth, Turbo Pascal und C#-Begründer Anders Hejlsberg und Bjarne Stoustrup, Entwickler von C++. Im Vergleich zu Java oder C# sei Scala sogar eine originellere und eindrucksvollere Leistung, die Johnson auf einer Stufe mit C++ sieht.

Die Art und Weise, wie Scala erfolgreich Funktionen und Objekte mischt, wie es das Problem der multiplen Vererbung löst, die effektive Typeninferenz und die Interoperabilität mit Java sind besonders beeindruckend.

Nun aber genug der Worte – hier ist das Video mit Martin Odersky, in dem der Scala-Gründer den Fahrplan für Scala 2.10 ausgibt, das „pretty soon“ erscheinen soll:

Intel hosts Dr. Martin Odersky presenting Scala 2.10 from Typesafe on Vimeo.

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Hartmut Schlosser
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