Margaret Dawson, VP Portfolio Produktmarketing, Red Hat

Ada Lovelace Day: Warum Diversität und Integration für uns alle der richtige Weg ist

Margaret Dawson
Ada Lovelace

© Shutterstock / Natata

Die gezielte Förderung beginnt zu Hause und endet am Arbeitsplatz. Margaret Dawson von Red Hat diskutiert über die Macht von jenen Frauen, die bewusst andere Frauen unterstützen. Lassen Sie uns am Ada Lovelace Day gemeinsam die Grenze zwischen den Geschlechtern überwinden und Frauen im Tech-Bereich stärken. Und jeder kann seinen Beitrag dazu leisten.

Geschlechtergleichstellung und gleicher Lohn mögen in aller Munde sein. Geht es aber um die praktische Umsetzung, liegt noch ein weiter Weg vor uns. Glaubt man den Untersuchungen des Weltwirtschaftsforums, dürfte das Ende dieses Weges erst in hunderten von Jahren erreicht sein. So würde sich die globale Ungleichheit zwischen Mann und Frau erst in 108 Jahren aufheben, eine berufliche Gleichstellung würde gar erst in 202 Jahren eintreten. In der Tech-Industrie verzeichnen wir immer noch einen Frauenanteil im unteren zweistelligen Bereich. Die Anzahl weiblicher Führungskräfte in gleicher Branche liegt bei rund fünf Prozent.

Allerdings haben Regierungen, Unternehmen und Schulen auf der ganzen Welt begonnen, den Wert der Diversität zu erkennen und setzen sich aktiv für Veränderungen ein. Das Vereinigte Königreich hat Vorschriften zur Offenlegung für Unternehmen erlassen, um im Jahr 2017 Ungleichheiten am Arbeitsplatz, insbesondere bei den Gehältern, aufzudecken. Das geschlechtsspezifische Lohngefälle hat sich jedoch kaum verändert. 78% der größten Arbeitgeber im Vereinigten Königreich haben immer noch einen Einkommensunterschied zugunsten von männlichen Mitarbeitern vorzuweisen. Einem jüngsten Bericht zufolge betrug das durchschnittliche Lohngefälle in diesem Jahr 11,9 Prozent, verglichen mit 11,8 Prozent im Vorjahr. Weltweit verdienen Frauen im Schnitt immer noch nur 79 Cent pro Dollar, den ein Mann für den gleichen Job verdient.

Herausragende weibliche Persönlichkeiten des 19. Jahrhunderts wie Ada Lovelace, die erste weibliche Computerprogrammiererin, bereiteten den Weg für Generationen von weiblichen Wissenschaftlerinnen. Nicht ohne Grund wird am 8. Oktober weltweit der Ada Lovelace Day gefeiert. Doch auch 200 Jahre später gibt es mit Blick auf die Gleichstellung zwischen Frau und Mann noch viele Hürden zu überwinden. Es besteht die dringende Notwendigkeit, auf diesem Gebiet Fortschritte zu erzielen, insbesondere in der Tech-Industrie.

Für Ada Lovelace wäre die aktuelle Situation von Frauen in der Technologiebranche, gelinde gesagt, enttäuschend. Derzeit sind nur 12% der Patentinhaber(innen) in den Vereinigten Staaten weiblich. Viele Experten gehen davon aus, dass die Kosten und der Prozess für die Erlangung eines Patents große Hindernisse für die Gleichstellung auf unternehmerischer Ebene sind.

Es ist ein gesellschaftliches Problem

Im April dieses Jahres wurde Katie Bouman, eine 29-jährige Stipendiatin am MIT, zufällig zum Gesicht des „Black Hole Project“. In diesem wurde sie als „einsames Genie“ dargestellt und später in eine sexistische Gegenkampagne verwickelt.

Während sie ihren am Projekt beteiligten Forscherkollegen schnell Anerkennung zollte, spiegelte das Echo der sozialen Medien wider, wie tief die Skepsis gegenüber Frauen in Tech-Berufen verwurzelt ist. Hätte man Boumans Erfolg so sehr in Frage gestellt, wäre sie ein Mann gewesen? Die Antwort ist mit ziemlicher Sicherheit: nein. Fast 200 Jahre nach Lovelaces Beitrag zur Wissenschaft sind wir immer noch von unbewussten gesellschaftlichen Vorurteilen gelähmt. Oder manchmal, völlig absichtlichen.

Während Männer und Frauen gleichermaßen unbewusste gesellschaftliche Vorurteile überwinden müssen, können Frauen auch mehr tun, um sich gegenseitig bewusst zu unterstützen. Zu oft haben weibliche Führungskräfte in der Vergangenheit die Karriere einer anderen Frau boykottiert. Aus Angst, übertrumpft zu werden. Natürlich würde es keine Frau wagen, dies offen zuzugeben. Aber es ist genau dies, was ich in meiner Karriere schon oft erlebt habe. Es ist wahrscheinlich auf eine unbewusste Angst zurückzuführen, dass eine andere Frau „ihren Platz einnimmt“. Hier müssen wir unsere Denkweise grundlegend ändern. Wir müssen erkennen, dass es nicht nur einen Platz gibt – es gibt genug Platz an der Spitze, damit alle Frauen erfolgreich sein können. Um die Gleichstellung der Geschlechter an der Spitze erreichen zu können, müssen wir die Erfolge des anderen fördern und loben. In der Praxis heißt das: Helfen Sie anderen Frauen, ihren Weg nach oben zu finden.

Die Gleichstellung der Geschlechter ist ein globaler Kampf, der sowohl Männer als auch Frauen dazu zwingt, in die gleiche Richtung zu gehen. Es ist an der Zeit zu handeln – und das beginnt zu Hause.

Bewusste Unterstützung beginnt zu Hause – und endet am Arbeitsplatz

Als die erste afroamerikanische Frau im Weltall, Dr. Mae C. Jemison, in den 1960er Jahren zur Schule ging, nahm ihre Lehrerin ihre Karrierepläne nicht ernst. „Ich will Wissenschaftlerin werden“, erinnert sie sich in einem Beitrag in Changing the Face of Medicine. Sie sah mich an und sagte: „Meinst du nicht eher Krankenschwester? Aber ich legte nur meine Hände auf meine Hüften und sagte: Nein, ich meine eine Wissenschaftlerin.“ Dieses junge Mädchen wusste genau, wer sie war und was sie wollte. Das ist leider selten.

Jemisons Mut und Entschlossenheit, für sich selbst einzustehen, war entscheidend für ihren Erfolg im Astronautenausbildungsprogramm der NASA. Ihre Familie unterstützte Jemisons Pläne und förderte ihren Ehrgeiz. Mutter und Onkel spielten eine entscheidende Rolle in ihrem beruflichen Werdegang und bestärkten ihre Neugierde auf Wissenschaft und Weltraum von klein auf.

Geschichten wie diese sind dazu da, um von ihnen inspiriert zu werden. Inspiriert dazu, die Menschen zu werden, die wir sein wollen und andere um uns herum anzuhalten, das Gleiche zu tun. Die bewusste Unterstützung durch Lehrer, Mentoren und Familienmitglieder ist die treibende Kraft für den Erfolg der meisten Menschen. Es ist besonders wichtig, dass Schülerinnen von klein auf das Vertrauen und die Überzeugung gewinnen, dass sie eine beliebige Karriere einschlagen können.

Allerdings ist eine anhaltende Unterstützung am Arbeitsplatz auch unerlässlich für Unternehmen, die eine soziale Wirkung erzielen wollen. Laut einer aktuellen Studie kann Diversität im Führungsteam die Unternehmensbilanz um 15% steigern. Forschungen haben außerdem gezeigt, dass Unternehmen mit männlichen und weiblichen Mitgliedern im Vorstanden finanziell erfolgreicher sind, eine bessere Bonität besitzen und eine höhere Mitarbeiterbindung erreichen. So ist ein vielfältiger Talentpool heute eine unternehmerische Notwendigkeit. Darüber hinaus kann eine integrative Kultur dem Unternehmen helfen, die Komplexität der Umgestaltung effektiver zu bewältigen. Also, worauf wartet Ihr Unternehmen?

Die Kraft der gezielten Unterstützung

Ich erinnere mich an ein Experiment mit einem ehemaligen Team: Um weibliche Mitglieder zu motivieren, beschlossen die Frauen, ihre Unterstützung füreinander zum Ausdruck zu bringen, indem sie sich bei jedem Treffen im Büro ein High-Five gaben. Dies wurde von den männlichen Kollegen schnell bemerkt. Innerhalb weniger Tage begann das gesamte Team, sich gegenseitig zu übertreffen, was die Moral und die Zusammenarbeit innerhalb des Unternehmens verbesserte.

Wir neigen dazu zu vergessen, wie mächtig emotionale Unterstützung ist und wie leicht sie eingesetzt werden kann. Dies ist nur ein Beispiel von vielen, die zeigen, wie wirkungsvoll bereits das kleinste Zeichen des Zusammengehörigkeitsgefühls ist. Gleichzeitig sollten Sie Ihr eigenes Verhalten reflektieren, wenn Sie mit Mädchen und Jungen kommunizieren. Es ist oft der kleinste Input. Zum Beispiel: Einem Mädchen zu sagen, dass es sich darauf konzentrieren soll, neue Freunde zu finden, anstatt die schwierige Matheklasse zu besuchen. Oder einen Jungen davon abzuhalten, einen Tanzkurs zu besuchen. Diese Beispiele mögen harmlos erscheinen, aber sie können einen großen Unterschied machen.

Von heute an und in Zukunft möchte ich Sie ermutigen, Frauen gezielt zu unterstützen – sei es die Kollegin im Büro oder Ihre Töchter und Enkeltöchter zu Hause.

Sind Sie auf der Suche nach Inspiration? Wenn Sie in einer Führungsposition sind, finden Sie eine geeignete Bewerberin und befähigen Sie diese Person, sich für eine Stelle in Ihrem Unternehmen zu bewerben. Wenn Sie Student sind, ermutigen Sie eine Ihrer Kommilitoninnen, diesen Informatikkurs zu besuchen oder an einem Robotikwettbewerb teilzunehmen. Einfache Ermutigungen können zu einer nachhaltigen, positiven Wirkung führen.

Am wichtigsten ist, dass wir anfangen, den Weg gemeinsam zu gehen. Über diese Themen zu sprechen ist wichtig, aber wir sprechen schon seit Jahren darüber. Es sind unsere Handlungen, die einen tatsächlichen Unterschied ausmachen. Wenn wir uns alle verpflichten, kleine Schritte in die richtige Richtung zu machen, werden wir schneller in Richtung einer integrativeren Zukunft vorankommen. Lassen wir unterschiedliche Meinungen und Perspektiven zu, werden wir Karrieren ermöglichen, von der Frauen wie Ada Lovelace in ihrer Zeit nur träumen konnten.

Geschrieben von
Margaret Dawson

Margaret Dawsom ist VP Portfolio Product Marketing bei Red Hat.

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