Retrospektive

Innovative Tools

Bernhard Löwenstein

Das Titelthema des Java Magazins 5.2005 passt bestens zur aktuellen Ausgabe, denn auch dort ging es um innovative Tools. Dabei wurde untersucht, welchen Mehrwert die kommerziellen Java-Entwicklungsumgebungen gegenüber dem damals immer stärker aufkommenden Eclipse bieten würden. Einen solchen musste es schließlich geben, denn sonst wäre niemand bereit gewesen, die teilweise recht hohen Lizenzkosten zu zahlen. So kostete beispielsweise eine Lizenz der Borland-JBuilder-2005-Enterprise-Version stolze 3 500 Euro. Aus eigener Erfahrung weiß ich: Diesen Preis haben die Firmen seinerzeit tatsächlich bezahlt. Es dauerte aber nicht lange und das Management fragte uns, ob wir denn nicht auch mit dem kostenlosen Eclipse auskommen würden. Da dieses genauso wie NetBeans bald schon alle Stücke spielte, folgte ein gigantischer Siegeszug der beiden IDEs. Von den damals betrachteten Tools spielt heute nur noch IntelliJ IDEA eine Rolle, wie die von JAXenter im Jahr 2010 durchgeführte Quickvote „Welche ist Ihre bevorzugte Java IDE?“ zeigt [1]. Um BEA WebLogic Workshop, Compuware OptimalJ, IBM Rational Application Developer, Oracle JDeveloper und Sun Java Studio Creater hingegen ist es sehr ruhig geworden.

Ein weiteres Thema im Heft war genetische Programmierung. Es handelt sich hierbei um ein evolutionäres Verfahren, bei dem die verschiedenen Programme einer Population durch eine Fitnessfunktion bewertet werden und anschließend mittels Reproduktion, Crossing Over und Mutation eine neue Population von Programmen erstellt wird. Das Programm mit dem höchsten Fitnesswert stellt dabei jeweils die beste Lösung für das zu untersuchende Problem dar. Die Beschäftigung mit diesem Themenkreis zählte zu meinen Lieblingsaufgaben während des Informatikstudiums. So hatte ich damals die Idee, mir auf diese Weise ein effizientes Verfahren zur Primfaktorzerlegung berechnen zu lassen. Nachdem es mir aber an Zeit und Rechenkapazität fehlte – Cloud Computing war noch kein Thema -, blieb es letztendlich nur bei dieser Idee.

Es folgte ein Artikel, der mit dem Namen meines Lieblingscocktails betitelt war: Cuba Libre. Bei CUBA (Component Unification BAse) handelte es sich um ein Framework, das die Entwicklung von Java-Komponenten revolutionieren wollte. Der Programmierer musste die Logik lediglich durch ein Interface beschreiben und mittels einer Klasse implementieren. Dazu kam noch der Deployment Descriptor. Den benötigten Adapter, um die entsprechende Klasse als EJB, Servlet, Web Service oder Standalone-Applikation ablaufen zu lassen, konnte sich der Entwickler dann von einem Generator erstellen lassen. Interessant ist jedenfalls, dass der heutige Weg dem damaligen CUBA-Gedanken sehr ähnlich ist. So implementieren wir zumeist POJOs, die grundsätzlich nicht auf eine bestimmte Umgebung abzielen. Erst durch Annotationen werden daraus Komponenten, die in bestimmten Laufzeitcontainern ablauffähig sind.

Im EJB-Corner diskutierte Oliver Ihns über Gewichtsprobleme und wählte dabei „Rank und schlank in die Zukunft“ als Titel für seinen Artikel. Dieses Vorhaben kenne ich persönlich nur allzu gut, im Gegensatz zur Java-Community ist es mir allerdings noch nicht gelungen, jenes in die Realität umzusetzen. Ihns forderte schlanke und leichtgewichtige Laufzeitumgebungen, die schlanke Entwicklung durch Klassen bzw. Komponenten mit einfachen Mikroarchitekturen sowie schlanke Klassen und Komponenten. Die erste Forderung kann man als gescheitert ansehen, wenn man sich die heutigen Java-Enterprise-Applikationsserver ansieht. Wobei ich das nicht unbedingt negativ beurteilen würde, denn irgendwo muss die zunehmende Komplexität schließlich hinwandern. Und es ist gut, wenn sie sich dort – idealerweise gut versteckt – wiederfindet und dafür die Entwicklung der eigentlichen Komponenten so einfach vonstatten geht, wie das nun der Fall ist. Von dieser Schlankheit wäre selbst Österreichs selbsternannter TV-Lovecoach Robert Nissel (Stichwort: schlank-schlank) mehr als angetan.

Weiterhin wurde Subversion mit dem Untertitel „Alternative zu CVS & Co.?“ vorgestellt. Heute wissen wir, dass es mehr als nur eine Alternative war, denn es hat eindeutig seinem Vorgängersystem den Rang abgelaufen. Speziell in Kombination mit der Schildkrötenerweiterung lässt es sich wunderbar nutzen. Mit Git hat nun Subversion Konkurrenz bekommen. Wir werden sehen, was die Zukunft bringt.

Bernhard Löwenstein (bernhard.loewenstein@java.at) arbeitet als Projektleiter und Softwareentwickler für die Intervista AG. Er ist außerdem als selbstständiger IT-Trainer für javatraining.at und als Autor tätig. Weiterhin organisiert er als ehrenamtlicher Obmann des Instituts zur Förderung des IT-Nachwuchses Roboterworkshops für Kinder und Jugendliche.
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