Tag zwei des Android-Tracks auf der MobileTechCon

Innovation statt Imitation

Diana Kupfer

Auch am Mittwochmorgen hieß es: Vorhang auf für die grünen Roboter. Am zweiten Tag des Android-Tracks gesellten sich zu den Protagonisten des Vortags Juhani Lehtimäki (Snapp TV) und Jan Peuker (Accenture). Sie erweiterten das Themenspektrum um den Bereich Android-App-Design und um die Frage nach der Unternehmenstauglichkeit von Android.

Goldmine für Android-Entwickler

Versteckte Helfer in den Android Development Tools (aktuell in der Version 20) förderte Dominik Helleberg (inovex) zu Tage. Keine einfache Angelegenheit, denn die Dokumentation und Beispiele halten oft nicht mit den Updates Schritt, die das Google-SDK-Team fast monatlich zur Verfügung stellt. Besonders hilfreiche Griffe in die Trickkiste vollführte Helleberg in Sachen Android Emulator. Mit diesem beliebten Tool, das einer Raumumfrage nach zahlreiche der Anwesenden nutzen, lassen sich die Begebenheiten der Hardware, für die entwickelt wird, etwa die Displaygröße, simulieren. In puncto Performance lässt der ARM-basierte Emulator allerdings einiges zu wünschen übrig, ein oft beklagtes Problem. Helleberg zeigte, wie durch Virtualisierung eine Beschleunigung der CPU und GPU erzielt werden kann – vorausgesetzt, man arbeitet mit einem Intel-Prozessor. Er wies auch auf Tools hin, die bis dahin offenbar nicht ein einziger Entwickler im Publikum für sich entdeckt hatte: auf den Hierarchy Viewer zum Beispiel, der die Layout-Hierarchie des UI inklusive Performance-Indikatoren visuell darstellt.

Der Speaker, mit zahlreichen Unter- und Unter-Unter-Tools der ADT bestens vertraut, ließ in seiner Session erahnen, dass die ADT, so man sie denn hinreichend kennt, eine wahre Goldmine an Entwicklerwerkzeugen darstellen. Im Soundbite teilte er seine eigenen Eindrücke von der Session.

Innovate, don’t imitate!

Einheitliches UI-Design zugunsten einer besseren Usability ist das Gebot der Stunde unter Android-Entwicklern (siehe dazu auch das aktuelle Android360 Magazin). An etlichen Apps demonstrierte Juhani Lehtimäki vom britischen Startup Snapp TV, ein passionierter Blogger zu diesem Thema, was einheitliches, d. h. Plattform-konsistentes, Design ausmacht. Die Herausforderung, der Geräte- und Versionenvielfalt Herr zu werden (die Helleberg am Vortag liebevoll als „Android-Zoo“ bezeichnet hatte), ist für Lehtimäki dabei Ausgangspunkt jeglicher Design-Überlegungen. Allerdings sollte, so der Entwickler, die kontrovers diskutierte Fragmentierung keineswegs Anlass sein, in Sachen App-Design Stückwerk zu betreiben, was er auch im anschließenden Interview betonte. Abhilfe schafft Responsive Design. Damit werden Komponenten nicht nur an auf die jeweilige Bildschirmgröße herauf- oder herunterskaliert, sondern auch sinnvoll und User-freundlich angeordnet. Den weiteren Dos und Don’ts des Android-UI-Designs, die Lehtimäki – immer mit Nachdruck – den Anwesenden mit auf den Weg gab, war anzumerken, wieviel Design-Know-How der gebürtige Finne im Laufe seiner Entwicklerjahre angesammelt hat – genug jedenfalls, um damit ein ganzes Buch zu füllen. Unzählige Beispiele hatte er in petto, die unnötige Buttons und Icons, unlogische Menüstrukturen, überflüssige Splash und Tutorial Screens u. Ä. aufwiesen – und damit eine seiner zentralen Thesen unterfütterten: An erster Stelle sollte man sich überlegen, wofür der User die App überhaupt einsetzt, so der Speaker. Anders gesagt: Form follows function. Auch besonders eindrücklich war seine Mahnung, Apple nicht zu imitieren, sondern den Design-Prinzipien der eigenen Plattform (sprich: Android) treu zu bleiben.

Android in Lederhosen

Gute Technologie-Ideen entstehen nicht nur in kalifornischen Garagen, sondern auch in Münchener Biergärten – darauf ließ zumindest die erste Nachmittags-Session schließen: Anhand eines Real-Life-Szenarios stellte Sven Haiges (hybris software) in seiner zweiten MTC-Session ein Echtzeit-Kommunikationssystem für Mobilgeräte wie Smartphones und Tablets vor, das beispielsweise für den Einsatz im E-Commerce geeignet ist. Mithilfe von Google-Channels werden Push-Nachrichten zu einem JavaScript-Client geschickt – etwa, wie im Demovideo der Präsentation, eine Bestellung im Biergarten. Über Google Cloud Messaging erhält der Besteller dann eine Bestätigung auf sein Android-Smartphone. Ausgelöst wird der Bestellvorgang durch einen NFC Tag, womit sich selbstredend auch bezahlen lässt. Die Bestellung erfolgt auf diese Weise nicht anonym, sondern unter Übermittelung von Kundendaten. Über die Vor- und Nachteile darüber lässt sich, wie immer bei der Erfassung von Personendaten, streiten.

Android im Business Suit

Sicherheitslöcher und Systemeinschränkungen waren immer schon große Themen, wenn es um die Integration der Android-Plattform in die Unternehmens-IT ging. Dabei wurden bereits mit Version 2.2 (Froyo) Sicherheitsfunktionen eingeführt und in den Folgeversionen erweitert. Innerhalb klar definierter Kategorien (Security, Produktivität) stellte Jan Peuker, IT-Berater bei Accenture, die Enterprise-Tauglichkeit von Android auf den Prüfstand – und anderen Plattformen gegenüber. Seine Bilanz war für Android-Fans ernüchternd: Gegenüber dem Konkurrenten iOS muss Android in vielen Aspekten, die er detailliert auflistete, noch einiges an Boden gutmachen, um fit fürs Unternehmen zu werden. Zwar sparte Peuker nicht an Kritik, merkte aber an, dass diese rein konstruktiv sei: „Ich liebe diese Plattform so sehr, dass ich sie weiterentwickeln möchte“, so der Speaker augenzwinkernd. Die im Vortragstitel angekündigte „Wunschliste“ für Android 5 wurde am Ende der Session ganz interaktiv erstellt: durch Publikums-Abstimmungen. Im Soundbite stand der Speaker Rede und Antwort, ebenso in einem ausführlichen Interview, das demnächst hier erscheinen wird.

Android-Expertenpanel: Jan Peuker, Sven Haiges, Lars Röwekamp, Dominik Helleberg, Juhani Lehtimäki
Die Fragmentierung des Fragmentierungsbegriffs

Ein echtes Android-Gipfeltreffen gab es dann am Ende des Tages: Sven Haiges, Juhani Lehtimäki, Lars Röwekamp, Dominik Helleberg und Jan Peuker diskutierten in einem Experten-Panel den Status quo und die Zukunft von Android. In diesem Finale des zweiten Android Days auf der Mobile TechCon wurden noch einmal alle Fäden aus den Bereichen Design, Development, Konnektivität (genauer: NFC, Sven Haiges‘ Steckenpferd;)) und Enterprise-Integration zusammengeführt. Unter reger Beteiligung des Publikums kreiste die erste Hälfte des Gesprächs um die üblicherweise „total emotional“ (Helleberg) geführte Fragmentierungsdebatte bzw. um die von einem Zuhörer gestellte Frage, was damit eigentlich gemeint sei: UI-Fragmentierung? SDK-Fragmentierung? Die neuen Plattformen (z. B. TV)? Eine konkrete Antwort blieben die Diskussionsteilnehmer schuldig; stattdessen wurden alle diese Bereiche in der Diskussion beleuchtet. So drängte sich denn auch die Frage auf: Ist Android – angesichts seiner Ubiquität – womöglich das neue Java? Nun, hier waren sich die Diskutanten einig: Nein. Konsens herrschte auch hinsichtlich der Vorteile Androids, aus der Warte Jan Peukers: „I chose [Android] for pure beauty. It’s how you would build a model operating system.“

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Diana Kupfer
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